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Psychologie: Macht Liebe wirklich blind?

von

Verliebt sein ist toll. Es färbt die Welt rosarot. Und wir sehen nur noch schöne Dinge. Ob Liebe so richtig blind macht? Das haben wir uns mit Coachin Nicole Siller angeschaut.

verliebtes Paar in der Natur

BeziehungUrsula Neubauer(Wienerin)

Vor 2400 Jahren hieß es: Liebe macht blind. Ist das heute auch so?

Der Satz "Liebe macht blind" geht auf Platon zurück. Coachin Nicole Siller meint, man müsse unterscheiden: Zwischen Liebe und dem Verliebtsein. "Was auf jeden Fall immer blind macht, ist das Verliebtsein“, meint sie. Menschen, die verliebt sind, erleben einen Hormonausschüttungsrausch und sind – rein biochemisch gesehen – richtig gestresst. „Das gibt auch viel Energie, und diese Phasen sind wichtig, um zu erkennen: Was wünsch ich mir wirklich?“, meint Siller. „Man projiziert dann nämlich alles, was man sich wünscht, in den anderen hinein.“

Die neue Liebe will beschützt werden

Diese „Blindheitsphase“ am Anfang ist gut und wichtig, sind sich Expertinnen einig. Denn einerseits braucht es sie oft, damit man sich überhaupt annähert, und andererseits wirkt sie auch als Schutz gegenüber Angriffen oder Kommentaren von außen. „Wenn man verliebt ist, will man nichts hören, was die eigene Sicht auf die neue Flamme verändern könnte“, sagt Siller. "Und das ist oft wichtig, damit eine Beziehung überhaupt entstehen kann."

„Als gute Freundin muss man deshalb mit Kommentaren vorsichtig sein und auch überlegen: Mag ich vielleicht den neuen Partner nur nicht, obwohl er meiner Freundin gut tut? Dann habe ich ihre Wahl zu akzeptieren. Oder tut er ihr nicht gut – dann kann man sie schon vorsichtig fragen, ob es ihr eh gut geht.“

 

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Die rosarote Brille abnehmen

Weiter zur nächsten Phase: Nach dem Verliebtsein kommt oft die Liebe – und mit ihr ein bisschen Ernüchterung und der Realitätscheck. Denn  „Ohne die ,Blindheit‘ muss man gemeinsam abstecken: Welche Werte haben wir wirklich gemeinsam, was ist super, was nicht, was wollen wir, was nicht?“, erklärt Siller. Der Blick weitet sich wieder; Dinge, die vorher ausgeblendet wurden, werden sichtbar und man findet wieder ein bisschen zurück zu sich selbst.

Wenn ich mir gegenüber blind werde

In manchen Fällen kann aber auch die Liebe dann blind machen, meint die Expertin: "Zum Beispiel dann, wenn ich in der Beziehung zu viel Verantwortung abgebe.“ Denn wer darauf wartet, vom Prinzen, der Prinzessin gerettet zu werden, und glaubt, dann sei in seinem Leben automatisch alles gut, macht sich abhängig und wird blind sich selbst gegenüber. „Liebe kann erst funktionieren, wenn man mit sich selbst im Reinen ist. Sich selbst zu lieben, für sich sorgen zu können, das sind Grundbedingungen, um jemand anderen lieben zu können.“

 

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Liebe kann auch sehend machen

So, wie Liebe blind machen kann, könne sie auch sehend machen, meint Nicole Siller, denn sie erlaubt uns, schöne Seiten an etwas oder an jemandem zu erkennen und wertzuschätzen. „Da schaue ich dann mit ganz viel Wohlwollen drauf, und jemandem gegenüber, den ich liebe, bin ich viel geduldiger oder unterstützender.“ Damit erklärt sich auch, dass alle Eltern die tollsten Kinder der Welt haben. „Wie bei allem kommt es natürlich auf die richtige Dosis an“, relativiert Siller. „Wenn ich meine Kinder liebe, gebe ich ihnen neben der Wertschätzung auch eine gewisse Bodenhaftung mit.“

 

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