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Beziehung: 5 Mythen über Polyamorie und was dahinter steckt

von

Polaymorie wird immer mehr zum Schlagwort. Wir haben uns angesehen, was wirklich dahinter steckt.

BeziehungRed.(Wienerin)

 

Laura und Nico lieben sich - aber sie lieben auch andere. Die beiden leben nämlich polyamor. Denn für das Paar ist klar: "Monogamie ist eine Lüge." Dies ist nur eine Geschichte der hunderten, die polyamor lebende Menschen im Internet miteinander austauschen.

 

Der Begriff "Polyamorie" setzt sich aus den beiden Worten "poly" für "viele" und "amor" für "Liebe" zusammen. Dabei können mit dem Wissen und dem Einverständnis aller Beteiligten emotionale und sexuelle Beziehungen zu mehreren Menschen zur gleichen Zeit gelebt werden. Leider gibt es nach wie vor viele Vorurteile über diese Beziehungsform. Wir haben uns ein paar davon genauer angesehen:

 

Mythos 1: Polyamorie bedeutet, den Partner/die Partnerin zu betrügen

Viele glauben, dass polyamor lebende Menschen, einen One-Night-Stand nach dem anderen haben, von dem sie ihren PartnerInnen nichts erzählen. Das stimmt so nicht. Denn eine der Basissäulen von Polyamorie sind Ehrlichkeit und Transparenz. Außerdem gehören - im Gegensatz zu anderen Formen der nicht-monogamen Beziehungen - Gleichberechtigung und Konsens sowie eine langfristige Orientierung dazu (Quelle: polyamorie.de). Das heißt auch: die Geheimhaltung - "ich frage lieber nicht nach" - ist nichts, was polyamor lebende Menschen anstreben. Absolute Ehrlichkeit soll laut Poly-AnhängerInnen zu glücklicheren und stabileren Beziehungen führen.

 

Mythos 2: Polyamore Beziehungen können gar nicht lange halten

Doch, das können sie. Wie bereits oben erwähnt, ist die Grundausrichtung einer Poly-Beziehung eine langfristige. Das heißt: beide PartnerInnen sind daran interessiert, langfristig glücklich miteinander - und mit anderen - zu sein. Dennoch: so wie jede monogame Beziehung unterschiedlich ist, ist auch jede polyamore Beziehung sehr unterschiedlich. Das heißt: die EINE Form gibt es nicht. Manche haben eine Hauptpartnerschaft und mehrere Sekundärbeziehungen, andere haben mehrere gleichwertige Beziehungen nebeneinander. Was jedoch immer dazugehört, sind Ehrlichkeit, Transparenz und jede Menge Selbstreflexion.

 

http://beziehungsgarten.net/blog/cartoon-vielfalt-der-liebesbeziehungskonzepte  

 

Mythos 3: Polyamorie ist das Gleiche wie Swingen

Auch das stimmt nicht. Als Swingen gilt ein Lebensstil, in dem Paare einzeln oder gemeinsam einen relativ anonymisierten Sex mit anderen als Ergänzung ihres erotischen Lebens genießen. Es ist sozusagen eine Art "Freizeitbeschäftigung", während Polyamorie ein Lebenskonzept umfasst, das stärker im Alltag integriert ist. Swingen konzentriert sich außerdem (primär) auf die sexuelle Ebene, während polyamore Menschen sehr wohl intime und emotionale Bindungen zu anderen Menschen außerhalb ihrer Beziehung eingehen.

 

Mythos 4: Fremdgehen ist die Ausnahme

Wenn man sich die Zahlen zu Scheidungen und Trennungen ansieht, ist klar: das monogame Beziehungskonzept funktioniert für viele nicht. Auch eine  Umfrage von YouGov zeigte kürzlich: fast die Hälfte der befragten Männer und ein Drittel der Frauen würden gerne eine Form der Nicht-Monogamie leben.

"Wir pathologisieren Fremdgeher, dabei sind sie doch der Normalfall", schreibt Michèle Binswanger in der "Zeit". Er fragt sich: "Warum halten wir es für normaler, von einer monogamen Kurzzeitbeziehung zur nächsten zu eilen, als außereheliche sexuelle Kontakte in Kauf zu nehmen?" Auch der Sexualtherapeut und Autor Ulrich Clement stellt sich in seinen Texten die Frage, wie eine Welt aussehen würde, in der Nicht-Monogamie die Norm wäre. Natürlich: Polyamorie bedeutet ständiges Arbeiten an sich selbst, viel Kommunikation und wahrscheinlich auch einige Streitereien. Doch im Großen und Ganzen ist die Beziehung dadurch ehrlicher und authentischer.

 

Mythos 5: Polyamorie ist das Gleiche wie Polygamie

Bei der Polygamie hat nur ein Partner/eine Partnerin (der dominante) das Recht auf mehrere weitere PartnerInnen. Das hat mit dem gleichberechtigten Konzept der Polyamorie nichts zu tun. Aber wie geht man mit der Eifersucht um? Die Website polyamory.at gibt folgende Antwort: "Lass die Gefühle zu, aber gib deinen Gefühlen nicht die Macht zu zerstören! Erfahrene Polys sagen, dass Gefühle zu negieren oder gar zu unterdrücken ebenso schlimme Dynamiken erzeugt wie die hinreichend aus der Monogamie bekannten Eifersuchtsdramen." Eine ganz wichtige Voraussetzung, um der Eifersucht zu entgehen und eine polyamore Beziehung zu führen, ist schließlich auch: Selbstsicherheit.

 

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