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Singlefrau: "Ich bin Single und will mich nicht ständig dafür rechtfertigen müssen"

von

Die Singlefrau erzählt einfühlsam, witzig und pointiert von ihren guten und schlechten Tagen und spricht dabei allen Frauen aus der Seele, die gerade keinen festen Partner wollen.

BeziehungJelena Gučanin(Wienerin)

 

Sie ist ohne Partner glücklich - und das zeigt sie auch. Die "Singlefrau" ist Mitte 30, lebt in einer deutschen Großstadt und hat sich bewusst dazu entschieden, alleine zu bleiben. Frei, unabhängig und entfesselt durchs Leben zu gehen, ist ihr einfach lieber. Dass das nicht bei allen gut ankommt, muss sie leider auch miterleben. In ihrem neuen Buch "Mein Bett ist halbvoll" beschreibt die Singlefrau, wie es ist, als Frau alleine zu sein und sich nicht darum zu scheren, was andere dazu sagen. Denn ständig kommt die Frage nach ihrem Status: Da ist ihre Mutter, die ihr rät, ihre Ansprüche mal herunterzuschrauben. Sie will doch endlich Oma werden. Oder ihre Freunde, die sie zu Dinnerpartys einladen und neben Männer setzen, die "total nett" sind. Nur leider so gar nicht zu ihr passen.

Im Interview verrät sie mehr über soziale Erwartungen an die Liebe und warum Alleinsein schön sein kann:

 

Du bist Mitte 30 und glücklich Single. Ist es in dieser Gesellschaft (vor allem als Frau) schwer darauf zu beharren, gar keinen Partner haben zu wollen?

Es ist nicht schwer, darauf zu beharren. Es ist nur nervig. Denn man muss es leider immer wieder rechtfertigen. Toni, die Singlefrau aus meinem Buch, ist Mitte 30, ich geh jetzt stramm auf die 40 zu – und damit wird es leichter. Man glaubt mir jetzt eher, dass ich wirklich keine Kinder will. Oder denkt sich: "Na, jetzt ist es eh zu spät, die Ärmste bekommt jetzt auch niemanden mehr ab."

 

Warum herrscht die Vorstellung vor, dass Frauen nur mit einem Partner vollkommen sein können?

Dass es kein Glück allein gibt (egal ob bei Männern oder Frauen), ist über Jahrzehnte gelernt. Aber hinter dieser romantischen Vorstellung, die bei den wenigsten ein Leben lang zutreffen dürfte, steckt wohl eher die ökonomische Historie. Noch die Generation unserer Mütter kam allein nicht voran. Die wenigsten Frauen konnten und wollten in den 60er und 70er Jahren allein (über)leben. Viele brauchten schlichtweg einen Versorger, ihnen fiel die Rolle der Mutter und Hausfrau zu. Das ist das gelernte Rollenverständnis.

 

Jemand an meiner Seite wäre ein Zusatz, der schön sein kann, aber keine Notwendigkeit ist.
Die Singlefrau

 

Wenn man dieses aufbrechen will, sorgt man erstmal für Verwirrung und stößt auf Unverständnis. Nicht alle freuen sich über Veränderungen im Kleinen wie im Großen. Die Situation der Frau hat sich in den letzten Jahren massiv geändert. Viele sind beruflich erfolgreich, was bei den männlichen Kollegen nicht immer gern gesehen wird. Und dann ist es kurioserweise ein Trost für den überrumpelten Mann, dass die Chefin keinen Kerl hat. Dann ist sie, so die These, zwar erfolgreich, aber nicht glücklich, weil nicht vollständig. Ich fühl mich aber sehr wohl vollständig. Jemand an meiner Seite wäre ein Zusatz, der schön sein kann, aber keine Notwendigkeit ist.

 

In deinem Buch „Mein Bett ist halbvoll“ schreibst auch du darüber, wie dein Umfeld auf dein Singledasein reagiert. Hast du da Beispiele?

Meine Mutter fragte sehr häufig nach, ob ich denn nicht mal wieder jemanden kennen gelernt hätte, warum dass denn nicht klappt mit den Männern. Das stand sehr lang zwischen uns und hat sich erst jetzt, nach dem Buch, entspannt. Auch die ein oder andere Freundin fragt mich häufiger: "Und? Was gibt’s Neues von den Männern?" Anstatt die Frage zu stellen, wie es mir geht. Als ich von Nord- nach Süddeutschland gezogen bin, sagte doch eine tatsächlich: "Na ja, vielleicht hast du da ja mehr Glück mit den Männern." Und wenn man im Kolleginnenkreis sagt, dass man keine Kinder möchte und heiraten für überflüssig empfindet, wird man komisch angeguckt. Gut, ich hätte es vielleicht nicht mit der Kollegin diskutieren sollen, die zwei Wochen vor ihrer Hochzeit stand.

 

Wie fühlt sich für dich die Vorstellung an, dich in einer langjährigen Beziehung oder sogar Ehe zu befinden?

Die Beziehungen, die ich hatte, waren lang, zwischen drei und sieben Jahren. Größtenteils waren es gute Zeiten, aber die endeten irgendwann, ohne dass beide die Chance sahen, dass es wieder besser werden würde oder dass man darum kämpfen wollte. An die Ehe glaube ich nicht, weil ich nicht an die lebenslange Liebe glaube und denke, dass man zu viele Kompromisse machen muss. Das würde ich nicht wollen. Auch Beziehungen funktionieren nur, wenn beide auf einen Teil ihres Ichs verzichten. Das möchte ich derzeit nicht. Ich würde mich eingeengt fühlen und in meinen Freiheiten beschnitten.

 

Beziehungen funktionieren nur, wenn beide auf einen Teil ihres Ichs verzichten. Das möchte ich derzeit nicht.
Die Singlefrau

 

Nerven dich Pärchen manchmal? Wenn ja, wieso?

Selten. Was mich nervt, sind – zumeist Mädels – die nur noch ein Thema kennen: ihren neuen Freund oder ihre Kinder. Aber von denen darf ich mir dann anhören, dass ich nur über mein Singleleben spreche. Und natürlich gibt es mal Tage, an denen mich das knutschende Pärchen vor mir in der Supermarktschlange stört. Wenn ich auf Grund der Einkäufe auf dem Band sehe: "Oh, gleich gibt’s Lammfilet an Rosmarinkartoffeln und zum Nachtisch Eis mit frischen Himbeeren." Und ich in etwa das gleiche koche, aber weiß, dass ich für mich allein die Kerzen anzünde und auch den Abwasch allein machen muss. Es gibt Momente, da finde ich das nicht lustig. Aber das liegt dann nicht an den anderen, sondern an mir.

 

Vor Kurzem hast du darüber geschrieben, dass es dich ankotzt, wenn dir Männer auf der Straße hinterherpfeifen. Erlebst du das oft? Und wie reagierst du in dieser Situation?

Nicht häufiger als andere Frauen auch. Es ist salonfähig, einer Frau hinterher zu pfeifen. Ich wurde in den Kommentaren von vielen Frauen angezickt, ich solle mich mal nicht so anstellen und mich lieber freuen. Dass das von Männern kommt, war mir klar, aber dass es tatsächlich Frauen gibt, die darauf stehen, war mir neu. Ich ignoriere das meistens. Jeder Blick, jedes Wort ist zu viel der Aufmerksamkeit. Ich sollte es noch nicht mal registrieren.

 

Wie reagieren deine LeserInnen auf Beiträge über sexuelle Belästigung?

Es gibt immer beide Seiten – die Verständnisvollen, die ähnliches erlebt haben, Männer, die sich empören und für ihre Spezies schämen und dann die Frauen die sagen "stell dich nicht so an" und Männer, die sagen "Sei froh, dass du überhaupt angeguckt wirst." Aber erschreckenderweise kommen dann zumeist sehr viele ähnliche Beispiele, so dass man merkt: Jede Frau macht diese Erfahrungen, die einen nehmen sie intensiver wahr als andere.

 

Welche Tipps hast du für Single-Frauen, die ständig auf der Suche sind?

Hört auf damit! Und wenn ihr schon suchen müsst, dann sucht euch selbst und dann funktioniert auch alles andere. Das hört sich sehr esoterisch an, aber ich glaub, dass viel Wahres an dem Spruch dran ist: Nur wer sich liebt, kann geliebt werden. Auch wenn das bedeutet, dass ich mich in all den Singlejahren noch nicht selbst gefunden habe.

 

Droemer Knaur

Die Singlefrau ist 1978 geboren und längst in dem Alter, in dem andere heiraten, Kinder kriegen und aufs Land ziehen. Sie wohnt noch in Hamburg und zieht demnächst nach Süddeutschland – und nicht wegen der Liebe. 

LINK zum Buch!

 

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