< Zur Mobilversion wechseln >

Meinung: Sag bitte nie wieder: "Krieg du erst einmal Kinder ..."

von

Wenn in einem Gespräch unter Freundinnen ein Satz wie "Krieg du erst einmal Kinder, dann reden wir weiter" fällt, dann ist das eine Challenge für die Freundschaft. Eine Bitte in Briefform an eine Freundin.

&quot;Krieg du erst einmal Kinder ...&quot;

LiebenLiliana Kampmann(Wienerin)

 

Liebe X.,

so lange sind wir jetzt schon befreundet. Und so lange war es kein Problem, dass du Kinder hast und ich nicht. Dass sich unsere Lebensrealitäten einfach unterscheiden. Mit dieser Verschiedenheit konnten wir bisher gut umgehen.

Aber dann ist da dieser Satz gefallen "Krieg du erst einmal Kinder, dann reden wir weiter". Huff. Das ist ein Killersatz. Nach dem kann man eigentlich nicht mehr weiterreden. Noch dazu, wo er in diesem abschätzigen, vorwurfsvollen Ton daherkam. Das hast du vielleicht gar nicht beabsichtigt. Aber wow, der hat eingeschlagen.

Dabei könnte ich sogar verstehen, dass man so etwas sagt, wenn einen die andere ständig versucht zu belehren oder zum Thema Kinder so tut als würde sie alles besser wissen. Das braucht natürlich auch niemand, keine Frage.

Mutter ist auch nicht gleich Mutter

So war's aber nicht. Wir haben einfach ganz allgemein über ein Kinderthema geredet. Und dann durfte ich keine Meinung mehr dazu haben, weil ich keine Kinder habe. Das ist schade, denn ich denke, dann können wir über viele andere Sachen auch nicht mehr reden. Weil ich nicht dieselbe Mutter habe wie du. Oder denselben Partner. Oder denselben Job. Oder dieselbe Ausbildung. Dieselben Kollegen.

Natürlich kannst du jetzt sagen, alles nicht vergleichbar mit der Erfahrung, Kinder auf die Welt zu bringen, allein die Hormone ... Ja, vielleicht - aber damit unterstellst du mir, dass meine Muttererfahrungen bestimmt einmal dieselben sein würden wie deine. Und auch das muss nicht sein. Ich könnte mich als Mutter nämlich auch ganz anders erleben als du dich erlebst.

Ich kenne viele Mütter. Und ich kenne viele Mütter, die andere Mütter überhaupt nicht verstehen. Obwohl sie alle Kinder haben. Weil sie nämlich nicht dieselben Kinder haben. Und weil sie nicht dieselben Frauen sind. Weil sie mit ihrer Mutterschaft unterschiedlich umgehen. Weil sie jeden Tag unterschiedliche Erfahrungen machen. Was kriegen die dann zu hören, wenn sie anderer Meinung sind als du? "Wartet nur, bis eure Kinder mal so groß sind, wie meine, und dann reden wir weiter?", "Wartet nur, bis ihr auch mal mehr als ein Kind habt und dann reden wir weiter?", "Wartet nur, bis eure Kinder auch mal dieses und jenes tun und dann reden wir weiter?" ...

Vielleicht können wir uns verständigen, dass es einfach mehr Unterschiedlichkeit gibt als "Mutter" und "Nichtmutter"? Dann können wir auch wieder weiterreden.

Danke,

Liliana

 

VIDEO: Beste Freundinnen

 

Kommentare

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

1 Kommentare
Gast: Kat
02.09.2017 21:40

DANKE

Vielen Dank für diese Zeilen! Ich habe auch (noch) keine Kinder und kann den thematisierten Seitenhieb oft nicht nachvollziehen. ÄrztInnen/TherapeutInnen müssen auch nicht mein Krankheitsbild gehabt haben, um mich zu behandeln oder eine Meinung dazu zu haben, oder?
Seien wir doch alle ein wenig offener und verständnisvoller für beide Seiten: mit/ohne Kinder, mit/ohne PartnerIn, mit/ohne Festanstellung, usw.
Wir sind doch alle Frauen, die sich gegenseitig bestmöglichst unterstützen und verständnis zeigen sollten :)