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Technik: Frauen sind die begehrte Virtual-Reality-Ressource

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Mit Virtual Reality können wir nicht nur besseren Sex imitieren, sondern wohl bald auch Dates. Brille auf, fertig. Ist das gut? Oder eine Gefahr für die Liebe? Science Busters-Expertin Elisabeth Oberzaucher klärt auf.

Liebe in Zeiten der Virtual-Reality-Brille

LiebenBarbara Haas(Wienerin)

Virtual Reality ist ja gerade der Hit. Die mäßig schicke Datenbrille, die Gamern zu einem noch "echteren" Spiel verhelfen soll und mit deren Hilfe man durch noch nicht gebaute Häuser flanieren kann, wird quasi stündlich verbessert. Eh gut, oder? Oder gibt es auch Gefahren? Was ist mit menschlichen Werten, der finanzstarken Pornoindustrie und der drohenden Vereinsamung? Und was macht das Virtuelle aus unserem realen Liebesleben? Wir haben mit Elisabeth Oberzaucher, Verhaltensbiologin an der Uni Wien, Ig-Nobelpreisträgerin und im Science Busters-Team, darüber gesprochen.

Frauen haben es in der Hand

WIENERIN: Frau Oberzaucher, sagen wir, ich hätte gerne einen Partner. Dann könnte ich mir heute schon auf diversen Apps wie Tinder einen aussuchen. Morgen aber setze ich vielleicht die Datenbrille auf und flirte virtuell. Ist das die Zukunft der Partnerwahl?

Elisabeth Oberzaucher: Partnervermittlung gibt es schon sehr lange, und ja, vielleicht wird es sie auch einmal virtuell geben. Aber: Die alten Mechanismen der Partnerwahl werden trotzdem nie verloren gehen: Wie riecht jemand, welche Stimme hat jemand, funkt es hier zwischen zwei Menschen? Das bleibt sicher, und etwas kommt gerade bei VR hinzu: Männer sind in der Regel technikaffiner als Frauen, und wenn es darum geht, in welchen Räumen wir uns künftig treffen wollen, haben Frauen natürlich verstärkt die Kontrolle darüber. Sie sind die begehrte Ressource, das sollte man nicht vergessen.

Anwesenheit ist wichtig für Vertrauen - das bleibt

WIENERIN: Sie als Verhaltensbiologin forschen bezüglich der Mensch-Umwelt-Interaktion. Wie sehr wird sich diese Interaktion durch die Möglichkeit, rein virtuell ein Haus zu besuchen, durch ein Kriegsgebiet zu fahren oder mit Bauklötzen zu bauen, verändern?

Elisabeth Oberzaucher: Das große Thema dabei ist die Haptik, und die ist sehr schwer herzustellen, selbst mit Datenhandschuhen. Denn was wir fühlen, ist sehr vielschichtig – da geht es um Druck, Temperatur, Textur und vieles mehr. Wenn ein Häuslbauer durch sein nicht fertiges Haus gehen kann, ist das lieb – aber eher ein Verkaufsargument; damit verändert sich nicht der Blick auf die Welt. Aber VR hat auch wirklich Potenzial, wenn es um die Funktionalität von Maschinen oder Bauwerken geht. Das wird sicher spannend, weil man nämlich nicht alles in echt bauen und finanzieren muss, sondern nur eine Datenbrille zu füttern braucht. Andererseits wird es aber immer Bereiche geben, in denen persönliche Begegnung wichtig bleibt. Der Hauptteil aller Reisen etwa sind immer noch Geschäftsreisen – warum? Alles könnte man schon digital machen, aber gerade, wenn es um etwas geht, braucht man oft physische Anwesenheit. Wie wir interagieren, wie wir manipulieren, wie wir kooperieren, das alles bedingt Anwesenheit, um es für Menschen spürbar zu machen.

WIENERIN: Gehen wir kurz zum Spielen: Schon seit den ersten Schachcomputern sind es Menschen gewöhnt, gegen Programme zu spielen. Verändert sich das kreative Element des Spielens damit?

Elisabeth Oberzaucher: Erst vor einem halben Jahr wurde erstmals der Weltmeister im japanischen Go von einem Programm geschlagen – das war eine Sensation, weil Go viel komplexer als Schach ist. Und: Erfolgreiche Online-Spiele wie Second Life oder Eve Online haben immer einen sozialen Aspekt. Die Spielerinnen erstellen ihren Inhalt selbst und planen beispielsweise auch gemeinsame Angriffe, die sie allein nie machen könnten.

Phantomschmerzen heilen mit VR

WIENERIN: Gibt es aus Ihrer Sicht einen Bereich, in dem VR künftig ­einen wirklich wichtigen Beitrag für die Menschheit leisten wird?

Elisabeth Oberzaucher: Ja, in der Medizin. Es gibt etwa das Phänomen der Phantomschmerzen bei amputierten Gliedmaßen. Lange glaubte man, dass es wehtue, weil der Schnitt nicht sauber gemacht wurde und die Nervenenden sich dann entzünden. Man schnitt also immer mehr weg, aber ohne Effekt. Ein indischer Neurophysiologe stellte die Theorie auf, es ginge dabei um eine Funkstille; es gebe also keine Wahrnehmung dieses Körperteils mehr und demnach keine Information ans Gehirn. Daraufhin baute er einen Low-Tech-Spiegelkasten, in dem sich zum Beispiel eine Hand einfach spiegelte und so dem Hirn suggerierte, es gäbe auch noch die zweite. Dieses Prinzip in einer Datenbrille zu erleben könnte echte Schmerzen lindern.

WIENERIN: Und wie geht es Ihnen per­sönlich mit dem Thema VR?

Elisabeth Oberzaucher: Von einem wissenschaftlichen Standpunkt finde ich es faszinierend und ich probiere auch gerne Sachen aus. Aber ich bin schon sehr verwurzelt mit meinen eigenen Sinnen und die virtuelle Welt gibt mir persönlich weniger als die reale.

 

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