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Kommentar: Übermotivierte Eltern: Bitte lasst eure Kinder in Ruhe!

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Wenn Eltern ständig nur darüber nachdenken, wie sie mehr Leistung aus ihren Kindern holen können, dann macht das wütend. Auch Unbeteiligte. Ein Kommentar.

LiebenLjubiša Buzić(Wienerin)

 

Vor ein paar Monaten sitze ich im Flugzeug auf einem Wochenendtrip nach Irland, als ich vom Sitz hinter mir eine Unterhaltung mitkriege. Eine österreichisch klingende Mutter redet auf Englisch mit ihrem Sohn im Kindergartenalter. Aber nach einer Weile merke ich, dass irgendwas an dem Gespräch komisch ist. „What’s this?“ fragt sie. „Mountain“, sagt der Kleine. „A mountain!“, korrigiert die Mutter. „And what’s this?“ – „A cloud.“ Der Bub klingt nicht gerade so, als hätte er Spaß an der Sache.


Irgendwann drehe ich mich nach hinten, um mir die beiden anzusehen: Die Mutter mit einem Haufen Kinderbücher und Mappen auf dem Schoß, daneben der Junge, der im Sitz herumzappelt und neben ihm der desinteressierte Vater, der Zeitung liest. Ich überlege kurz, ob ich was sagen soll, aber dann verkneife ich es mir. Eltern in ihre Erziehung reinzureden ist nie eine gute Idee. Die Mutter legt währenddessen das Englisch-Buch zur Seite und fängt mit Rechenaufgaben an. Ich muss mir Kopfhörer in die Ohren stecken.


Das Prüfungs-Spiel


Ich hätte dieses Erlebnis wahrscheinlich vergessen, wenn ich nicht vor ein paar Tagen wieder etwas ganz ähnliches gesehen hätte. Ich war auf der Mariahilfer Straße, als ich einen Vater mit seinem kleinen Sohn sah: „Und was braucht ein Auto zum Fahren?“, fragt der Vater im Motivierter-Lehrer-Ton. Der Junge überlegt. „Benzin?“ – „Ja, richtig! Und wo kommt das Benzin her?“ Auf die Art geht es dann noch eine ganze Weile. "Und was produzieren Pflanzen?" Nur Fragen und Antworten. Wie bei einer Prüfung. Irgendwann biege ich in ein Geschäft ein und lasse die beiden ziehen.

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Übermotiviert


Liebe übermotivierte Eltern, ich verstehe ja, dass man seinen Nachwuchs auf die bestmögliche Art aufs Leben vorbereiten will. Und natürlich ist Englisch auch ganz wichtig. Aber bitte lasst doch eure Kinder einfach Kinder sein! Hört auf sie zu kleinen Wunderwuzzis und zukünftigen Top-Performern hochzüchten zu wollen. Von dem bisschen Englisch-Vorsprung, den ihr ihnen jetzt gebt, werden sie ohnehin nicht lange was haben. Glaubt Ihr nicht, dass sie spüren, dass ihr eine versteckte Absicht habt und dann irgendwann „not very amused“ sind? Und Pseudo-Logikfragen machen aus euren Kleinen keine Einsteins, ihr killt höchstens ihre Phantasie und Kreativität, mit der sie selbst die Welt entdecken.


Föderwahn


Wann hat das eigentlich begonnen, dass man die Kindheit als eine Art Bootcamp für zukünftige Karrieren sieht? Reicht es nicht, dass Kinder schon fast so viel Zeit mit Schule und Hausübungen verbringen wie Erwachsene in einem Vollzeitjob? Der ganze Druck wird schon früh genug auf sie zukommen. Müssen sie auch noch das bisschen Elternzeit mit lernen und Prüfungen verbringen?

Und es gibt so viele wichtigere Dinge, die man seinen Kindern mitgeben sollte, als Englisch, Mathe und Sachunterricht. Wenn ihr euren Kindern früh etwas beibringen wollt, bringt ihnen bei, achtsam mit sich selbst und anderen umzugehen. Das ist nämlich etwas, das bei all dem Leistungswahn immer mehr in Vergessenheit gerät.

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