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Lustkiller

Die 6 häufigsten Gründe, warum Paare keinen Sex mehr haben

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Wenn einer von beiden einfach keine Lust auf Sex hat, führt das oft zu Frustration in der Beziehung. Wir haben Sexualtherapeutin Mag. Nicole Kienzl gefragt, was der Grund dafür sein kann.

LiebenNicole Kienzl(Wienerin)

Niemand spricht gerne darüber, aber viele Paare haben das Problem, dass einer der beiden Partner kaum noch Lust auf Sex hat, und der oder die andere daneben still verzweifelt. Auch in einer vertrauten Beziehung ist es nicht leicht, die richtigen Worte zu finden, um über die Probleme zu sprechen. Vielen Paaren hilft es, sich eine Paartherapeutin oder einen Paartherapeuten zu suchen, um die Probleme zu verbalisieren und zu lösen. Sexualtherapeutin Mag. Nicole Kienzl hat ein paar Erfahrungen aus ihrer Praxis mit uns geteilt, was oft hinter einem Libidoverlust steckt.


Grund 1: Ein Paarkonflikt, der nichts mit Sex zu tun hat

In vielen Fällen liegt einer Unlust ein Paarkonflikt zu Grunde, welcher oft nur peripher oder gar nicht mit Sex zu tun.

So kann zum Beispiel mangelnde Wertschätzung zu einer Verweigerung der Sexualität führen. Ein „zu wenig an…“ oder ein „zu viel von…“ in der Paarbeziehung kann sich dann stellvertretend in der Vermeidung von Sexualität manifestieren.

Das Fatale ist: Umso mehr ein Partner versucht, den anderen zum Sex zu motivieren (dies können auch durchaus kreative, wenig druckvolle Methoden sein), umso mehr verschließt sich der andere und die Ablehnung wird größer. Welche Dynamik hier abläuft, ist dem Betroffenen meist nicht bewusst, denn nach außen hin würde auch der vermeintlich lustlose Partner eigentlich gerne Sex haben und fühlt sich diesbezüglich unzulänglich. Es beginnt ein Teufelskreis - der eine will immer, der andere will nie - der sich immer mehr verfestigt.


Grund 2: Überhöhte Moralvorstellungen

Ich merke immer wieder, dass sich vor allem Frauen mit teils sehr moralischen Werten - wie hat Sexualität auszusehen - in ihrer eigenen Sexualität hemmen und einschränken. Deshalb ist ein wichtiger Punkt in unserer nur scheinbar aufgeklärten Gesellschaft, die Enttabuisierung von sexuellen Fantasien. In meinen Fantasien kann ich Wünsche und Bedürfnisse ausleben, die ich vielleicht in der Realität niemals umsetzen möchte. Durch erotische Literatur oder Filme erkennt vielleicht die eine oder andere Frau, dass derartige Fantasien völlig in Ordnung sind (natürlich auch das Ausleben dieser Fantasien) und kann mehr zu diesen Wünschen und zu sich stehen.

Ich finde es in diesem Zusammenhang wichtig zu erwähnen, dass Frauen häufig wenig Erfahrung mit ihrem eigenen Körper haben. Das ist aber die Voraussetzung genussvollen und entspannten Sex haben zu können – und nicht die Verantwortung des eigenen Körpers an den Partner abzuschieben „Er wird schon wissen was er tut…“.

Insgesamt geht es bei einem erfüllenden Sexualleben um eine selbstbestimmte Sexualität. Das bedeutet, das eigene Begehren wahrzunehmen, es sich zuzugestehen und Verantwortung dafür zu übernehmen. Das ist der erste wichtige Schritt. Es meine/n Partner/in wissen zu lassen, ist der zweite entscheidende Schritt.

Grund 3: Kinder

Aber auch Kinder verändern natürlich die Paarbeziehung enorm, das Paar muss sich als solches neu definieren – von einer Zweierkonstellation in eine Dreierkonstellation. Und das ist Arbeit, um nicht nur die Mutter- oder Vaterrolle zu leben. Gerade bei sehr symbiotisch lebenden Paaren, ist es häufig, dass Männer sich schon in der Zeit der Schwangerschaft eine Außenbeziehung suchen, da die Aufmerksamkeit jetzt nicht mehr ausschließlich auf ihn gerichtet ist.

Natürlich haben auch schreiende Kinder, damit einhergehende Schlaflosigkeit, und wenig sexuelle Aufmerksamkeit, da die nun vollends auf das Kind gerichtet ist, etwas damit zu tun.

Das hängt vor allem stark davon ab, wie die Sexualität vor der Geburt ausgesehen hat. Je unproblematischer sie war, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, auch mit einem Kind schöne Sexualität zu leben. Natürlich ist auch hier die Qualität der Partnerschaft entscheidend.


Grund 4: Zu hohe Erwartungen

Ich merke, dass der Anspruch, was eine Partnerschaft alles zu erfüllen hat, immer grösser wird.

Im Wesentlichen kommen Paare immer mit ähnlichen Themen zur Paar-/ Sexualtherapie: „Wir hätten gerne wieder so ein Sexualleben, wie es am Anfang unserer Beziehung war!“ Wobei es zunächst darum geht, zu klären, wie realistisch solch Zielsetzung sein kann…

Die entscheidende Hürde, die in einer Paarbeziehung überwunden werden muss, um den Sex wieder interessant zu gestalten, besteht darin, dem Partner zu zeigen oder entdecken zu lassen, was erotisch „anturnt“.
Entscheidend ist die Fantasie. Das heißt, wenn ich mit meinem Partner schlafe, kann ich ja in meiner Fantasie alles möglich machen. Es wäre vermessen zu sagen, man müsse beim Geschlechtsverkehr immer nur an den Partner denken. Man kann sich Zuschauer in der Fantasie dazu holen oder andere Geschlechtspartner… ich denke, in der Fantasie darf alles erlaubt sein.

Erwartungen an eine Beziehung sind heutzutage sehr groß, man gibt sich nicht so schnell zufrieden. Einerseits ist der Wunsch nach einer dauerhaften, zuverlässigen Beziehung da, gleichzeitig sinkt aber auch die Frustrationstoleranz und der Wunsch nach einer hohen Beziehungsqualität gewinnt. Online Dating vermittelt ja auch das Gefühl, man müsse den besten Partner finden, da es eine große Auswahl gibt – aber was ist der beste Partner bzw. gibt es überhaupt die perfekte Beziehung?

Grund 5: Druck und Stress

Druck und Stress sind wesentliche Lustkiller.

Sexualität ist deshalb nicht nur mit Vergnügen und Hingabe verbunden, sondern auch mit Hemmungen, Enttäuschungen und Missverständnissen.

Offene Gespräche über die eigenen Erwartungen sowie die Kenntnis des eigenen Körpers sind daher für eine erfüllte Sexualität von großer Bedeutung.


Grund 6: Übersexualisierung der Gesellschaft

Übersexualisierung der Gesellschaft für viele Menschen wiederum zur Belastung wird, die nicht selten zu Lustlosigkeit und Erektionsstörungen führt.

 

 

Kommentare

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2 Kommentare
Gast: Christine
01.05.2016 23:39

Emotionales Fremdgehen ?!

Wie soll denn bitte - beim Sex mit dem Partner an jemanden anderen zu denken, die sexuelle Lust INNERHALB der Beziehung fördern...???

Gast: Man-fred
06.10.2015 11:57

Übereinstimmung

Das der Sex irgendwann auf der strecke bleibt ist vorherzusehen,weil oft die rhythmische Übereinstimmung fehlt!
Würden manche Paare vor dem ersten Sex eine Berechnung machen lassen,würde es wohl kaum zum Sex kommen!
Ein Buch das Aufklärung darüber gibt heißt:"Auf gleicher Wellenlänge"
Biorhythmus und sein Einfluß auf die Partnerbeziehung.