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„Frauen wollen einen Mann, der sie auf Händen trägt und am Küchentisch nimmt“

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Wie schaut es aus, wenn Frauen ein Erotikmagazin herausgeben? Das zeigen Janina Gatzky und Ute Gliwa. Die beiden Frauen haben das erste deutschsprachige Erotikmagazin für Frauen auf den Markt gebracht. Zwei Ausgaben gibt es bereits, die nächste erscheint am 3. Dezember. Wir haben Janina Gatzky gefragt, was an „Séparée“ anders ist.

Séparée

LiebenRed.(Wienerin)

Warum brauchen Frauen ein eigenes Erotikmagazin?

Janina Gatzky: Brauchen Frauen ein eigenes Erotikmagazin? Wir sagen ja, denn Frauen haben einen eigenen Blick auf Erotik, eigene sexuelle Bedürfnisse und Wünsche. Erotikmagazine für Männer funktionieren sehr visuell. Bei Frauen passiert viel durch Kopfkino. In vielen anderen Bereichen wird auch auf die unterschiedlichen Interessen von Männern und Frauen eingegangen. Kino ist ein gutes Beispiel. Action Thriller versus Liebesschnulze. Natürlich ist das sehr generell gesprochen, aber eine Serie wie „Sex in the City“ hat auch deshalb funktioniert, weil Frauen hier unter sich sind und ihre Sicht auf die Dinge ohne Hand vor dem Mund thematisieren.


Als anderes Beispiel fallen mir zwei Online-Wirtschaftsmagazine ein, die von Frauen für Frauen gemacht werden. Auch hier haben Frauen einfach eine etwas andere Herangehensweise, andere Probleme und Fragen als Männer. Oder Frauenpornos, die ein eigenes Genre sind.


Für uns ist ein eigenes Erotikmagazin für Frauen auch ein Schritt zu mehr Gleichberechtigung.

 

Die Séparée Ausgaben 1 und 2

 Séparée Ausgabe 1 und 2

 
Was ist bei einem Erotikmagazin für Frauen anders?

Es geht in erster Linie darum, was Frauen am Thema Erotik interessiert: von ernsteren Themen wie Verhütung, Bisexualität oder Fetisch über unterhaltsame Geschichten aus Frauenperspektive (was mache ich, wenn mir meine aufgeblasene Libidofrau mal wieder in ein zukunftsträchtiges Date platzt?) bis zu Produkttipps, die eher ein weibliches Publikum ansprechen (schöne Lovetoys, Dessous, Intimschmuck). Für uns spielen Stil, Qualität und Anspruch eine große Rolle. Deshalb auch ein Hochglanzmagazin, das man ohne rot zu werden, auf dem Couchtisch liegen lassen kann, wenn die Schwiegermutter kommt.


Außerdem gibt es bei uns immer auch einen Männerakt, d.h. einen nackten Mann, zu sehen. Den vermisst Frau üblicherweise in einem Erotikmagazin für Männer.

 

Was macht "männliche" Erotikmagazine unattraktiv für Frauen?

Die Themenauswahl ist eine andere, die viele Frauen so nicht anspricht: Autos, Abenteuer und nackte Frauen. Je nach Publikation auch sehr explizite pornografische Bilder. Aktbilder von Frauen können sehr schön sein, aber sie sind nicht das, was unser Kopfkino anspringen lässt.

 

Die beiden Séparée-Herausgeberinnen Ute Gliwa und Janina Gatzky

  Die beiden Séparée-Herausgeberinnen Ute Gliwa und Janina Gatzky

 

Worauf stehen Frauen?

Die klassische Antwort wäre wohl: Romantik, das Geheimnis einer Affäre, Geborgenheit, hemmungsloser Sex, Verständnis. Und das bitte alles in einem Mann vereint, der einen auf Händen trägt und auf dem Küchentisch nimmt.


Wie darf man sich die typische Séparée-Leserin vorstellen?

Wir erhalten begeisterte Zuschriften von Frauen von 18 bis 72. Viele Leserinnen sind zwischen 30 und 45. Die typische Séparée-Leserin hat Interesse an Erotik und lebt diese selbstbewusst aus oder möchte dies gern.


Übrigens lesen uns auch sehr gern Männer, die hier das eine oder andere Geheimnis erfahren, das man sonst nur der besten Freundin verrät. Unsere Kopfkino-Streifen im ersten Heft waren der Magnet für Männer. Da haben sich alle festgelesen.


Zielt das Magazin eher auf Singles oder Frauen in Beziehungen ab?

Sowohl als auch. Ein erfülltes Liebesleben wollen beide Frauengruppen. Die einen sind auf der Suche, die anderen stehen oft vor dem Problem, die Leidenschaft am Leben zu erhalten. Beide werden bei uns fündig.


Welche Art von Tipps und Geschichten darf sich die Leserin erwarten?

Es gibt immer eine erotische Geschichte, in der es richtig zur Sache geht. Die eignet sich auch gut zum Vorlesen. Daneben gibt es einiges fürs Kopfkino. Mit Tipps nach dem Motto: „Wie erreiche ich den perfekten Orgasmus oder wie mache ich ihn im Bett glücklich“ sind wir sehr zurückhaltend. Es geht uns darum, zu sich, seinen eigenen (sexuellen) Bedürfnissen und Wünschen zu stehen, diese zu kommunizieren und zu leben. Hier wollen wir einfach Anregung geben, ohne bevormundend zu sein. Der Rest funktioniert dann ohnehin von allein.

 

Beim dritte Heft versuchen Sie derzeit über Crowdfundin Geld aufzutreiben. Wird jedes Heft über eine eigene Crowdfundingaktion finanziert?

Nein, die ersten beiden Hefte haben wir aus eigenen Mitteln und den Vertriebserlösen finanziert. Das Crowdfunding ist eine Überbrückung bis sich im nächsten Jahr mehr Anzeigenkunden trauen, in ein junges Magazin zu investieren.

 


Was haben Sie beide vorher gemacht bzw. machen Sie sonst noch?

Wir kommen aus ganz soliden Berufen. Ute hat nach einigen Jahren der Weltenbummelei lange im Controlling in großen Unternehmen gearbeitet. Ich arbeite seit ca. 15 Jahren als Übersetzerin. Ansonsten sind wir beide auch Mütter mit 2 bzw. 3 Kindern.


In welchen Ressorts sind Sie inhaltlich sonst noch zuhause?

Ute ist eine langjährige (verkappte) Autorin von Romanen und Erzählungen. Ihre Begeisterung für Interviews hat sie durch Séparée entdeckt. Ich habe neben Sprachen auch Fotografie studiert. Das kommt mir jetzt sehr zugute. Wir haben durch Séparée in den letzten Monaten außerdem sehr viel über Marketing, PR und die wirtschaftlichen Seiten des Printbetriebs gelernt.

 

 Die beiden Séparée-Herausgeberinnen Janina Gatzky und Ute Gliwa


Wieso schälen zwei Herausgeberinnen eines Erotikmagazins auf dem Pressefoto Gemüse?

Unser Motto der Séparée No. 2 lautet „Selbermachen“. Das trifft sehr gut auf vieles zu, was unser Leben als neue Herausgeberinnen prägt. So ist ja auch Séparée entstanden. Ein Erotikmagazin, das mich als Frau anspricht, hat mir gefehlt. Ute gab dann den Anstoß, es doch einfach selbst zu machen.

Naja, und wenn man mal kein Lovetoy zur Hand hat, kann man sich auch schnell, einfach und kostengünstig ein’s selber machen – ob aus dem Gemüsefach im Kühlschrank, dem Biokisterl oder vom Billa. Wir gehen da bildlich mit gutem Beispiel und als Inspiration voran. Selbst ist die Frau.

 

Info:

In Österreich ist Séparée in ausgewählten Trafiken und im Buchhandel erhältlich, sowie im Liebenswert (Esterhazygasse 26 , 1060 Wien). Außerdem können die Hefte über die Homepage bestellt werden.

 

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