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Erfahrungsbericht: 7 Dinge, die du brauchst, um in Wien eine Wohnung zu finden

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Wer derzeit in Wien eine Wohnung sucht (und nicht nur hier), sollte sich das durchlesen.

WohnenJelena G.(Wienerin)

Eine Wohnung zu suchen, ist hart. Eine zu finden, ist noch härter. Jeder, der lange gesucht hat oder derzeit in der schlechten Lage ist, eine zu brauchen, weiß das. Die Konkurrenz ist groß, die leistbaren Wohnungen rar – und das mit den MaklerInnen ist sowieso eine ganz eigene Sache.

Hier sind 7 Dinge, die ich gerne vorher gewusst hätte:

 

1: Du brauchst jede Menge Geduld

Der Anfang ist oft von jeder Menge Enthusiasmus geprägt. Fröhlich klickt man sich durch die Immobilienseiten, findet die eine oder andere Wohnung schön und ist eigentlich ziemlich motiviert. Doch freut euch nicht zu früh - der Optimismus schlägt sehr schnell in pure Verzweiflung um. Denn die Mietpreise sind - wenig überraschend - sehr hoch, und die Konkurrenz auf Wohnungssuche noch höher. Heißt so viel wie: wenn du in der privilegierten Lage bist, nicht sofort etwas Neues zu brauchen, ist Geduld bis zur Traumwohnung angebracht. Denn der Schritt von der ersten Anfrage, bis zur Besichtigung, bis zum Mietanbot, und schlussendlich der Zusage ist ein langer. Und er ist einer, der auch mit einigen Absagen verbunden sein wird. 

 

2: Du brauchst Nerven aus Stahl 

Zartbesaitete Menschen werden es bei der Schlammschlacht der Wohnungssuchenden sehr schwer haben. Von Besichtigungen mit 40 Menschen, MaklerInnen, die dich in die Verzweiflung treiben oder Situationen, in denen du durch eine Ruine wanderst: hier ist alles dabei. Nicht jedeR MaklerIn wird sich Zeit für dich nehmen, und nicht jedeR VermieterIn wird dich überhaupt kennenlernen wollen. Das heißt: investiere nicht zu viele Gefühle in eine Wohnung, die du gerade erst besichtigt hast. Die Chancen stehen hoch, dass sie nicht dir gehören wird. (Oder dass der Makler "nur um 13.30 Uhr am Dienstag" Zeit hat. Keine Pointe.) 

 

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3: Du wirst dich oft sehr schlecht fühlen 

Traurig, aber wahr: wer eine Wohnung braucht, wird sehr oft sehr private Fragen gestellt bekommen. Wird von oben bis unten gemustert, wird durchleuchtet, wird bewertet. Wenn man die Wohnung dann nicht kriegt, stellt man sich viele Fragen - vor allem diese: was ist nur falsch mit mir? Vor allem wenn man eigentlich genug verdient und einen gepflegten Eindruck macht, ist es oft schwer zu verstehen, warum sich VermieterInnen dennoch gegen dich entscheiden. Aber sie tun es. 

Du musst dich also selbst gut verkaufen. Das fängt schon bei der ersten Anfrage an (unbedingt individualisieren!) und endet beim Gespräch mit potenziellen VermieterInnen. Das ist der härteste Moment auf Wohnungssuche, und ständig stellst du dir die Frage: wie finden Menschen in nicht-privilegierten Situationen eine Wohnung in dieser Stadt? Die Antwort ist: noch sehr, sehr viel schwieriger. Und natürlich bist du nicht selbst verantwortlich für Absagen - der Wohnungsmarkt ist es. Denn am Ende zählt meist nicht deine Persönlichkeit, sondern dein Lohnzettel. 

 

4: Du musst wahrscheinlich Abstriche machen 

Anfangs hat man noch allerlei Vorstellungen von der perfekten Wohnung, um später zu merken: alles kann man leider nicht haben. Außer man zahlt drauf. Das heißt: wenn du lieber schön wohnst und dir die Gegend nicht so wichtig ist, halte Ausschau nach Bezirken, die nicht so beliebt sind, aber trotzdem gut erreichbar sind. Die Preisunterschiede sind enorm. 

 

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5: Du brauchst jede Menge Geld

2000 Euro Provision und 4000 Euro Kaution? Ganz normal. Wer kein Startkapital hat, wird es am privaten Wohnungsmarkt leider sehr schwer haben. Das ist eine (politische) Katastrophe, aber leider kannst du im ersten Moment nicht viel dran ändern. Denn wenn du die Wohnung nicht nimmst, nehmen sie zehn andere. Aber klar ist: niemand sollte pleite gehen, nur um eine Wohnung zu bekommen. Dann lass dir lieber mehr Zeit und schaue dich nach provisionsfreien Wohnungen um. Und wenn du das Glück hast, länger als fünf Jahre in Wien zu wohnen (und keinen Zeitdruck hast), dann melde dich für geförderte Wohnungen an. 

 

6: Du wirst über nichts Anderes mehr reden

Dein Freundeskreis wird dich hassen. Denn das einzige Thema, das dich zur Zeit deiner Wohnungssuche umgibt, ist die Wohnungssuche. Denn so viele WTF-Momente wirst du selten im Leben haben. Und der Ärger muss schließlich irgendwie raus. Beim Vermieter, bei dem du dich (wahrscheinlich) notgedrungen einschleimen musst, kannst du dich schließlich eher weniger beschweren. 

 

7: Am Ende trittst du der Mietervereinigung bei 

Eine strapaziöse Wohnungssuche frustriert. Und zwar jeden. Dabei vergessen wir oft: MieterInnen haben Rechte, die sie nutzen sollten. Wenn du dir also unsicher bist, ob da alles mit rechten Dingen zugeht: ab zur Mietervereinigung oder anderen Beratungsstellen. Denn niemand zahlt gerne drauf - schon gar nicht für etwas, das so selbstverständlich sein sollte wie vernünftig zu wohnen.

 

 

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