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Declutter-Challenge: Bloggerin erzählt, wie aus ihrer Kaufsucht ein minimalistischer Lebensstil wurde

von

Minimalismus liegt im Trend. Doch oft ist er im Alltag gar nicht so leicht umzusetzen. Die Bloggerin Viktoria Pfeiffer hat es mit der "Declutter-Challenge" geschafft - und erzählt, wie es funktioniert.

WohnenRed.(Wienerin)

Alten Ballast loszuwerden, ist befreiend. Und zwar nicht nur emotionalen Ballast, sondern auch materiellen. Der minimalistische Lifestyle predigt genau das: wer mit wenig lebt, lebt glücklicher

Doch wie kann man sich von (liebgewordenen) Dingen trennen - und mit so wenigen Sachen wie möglich den Alltag bestreiten? Diese Fragen stellt sich die Bloggerin Viktoria Pfeiffer auf ihrer Website, und hat deshalb Anfang September die #30TageDeclutterChallenge gestartet. Uns erzählt sie, wie genau das Entrümpeln in den eigenen vier Wänden funktionieren kann - und warum es nicht nur für uns sondern auch für die Umwelt einen großen Unterschied macht. 

 

Du hast auf deinem Blog die „Declutter Challenge“ gestartet. Was ist das genau?

Viktoria Pfeiffer: Die Idee der #30TageDeclutterChallenge ist Ende 2016 aus einer Not heraus und meinem eigenen Wunsch meinen Wohnraum endlich richtig und nachhaltig zu entrümpeln, entstanden.

Denn bei meinem Auszug aus meiner 70m² Wohnung in eine Wohngemeinschaft, habe ich, trotz zuvor gegangener Verkäufe und Spenden, gemerkt, wie viele Sachen ich in Umzugskisten packe, die ich gar nicht benötige. Vorerst sind diese mit in die WG eingezogen. Auch wenn ich immer wieder entrümpelt, umorganisiert und aufgeräumt habe, ging es mir einfach viel zu langsam, denn ein Ergebnis habe ich nicht wirklich gesehen. Als ich mich in die ein oder andere Entrümpelungsmethode, wie KonMari (mehr dazu hier) oder von The Minimalists, eingelesen habe, ist daraus die #30TageDeclutterChallenge entstanden.

 

Mehr lesen: 3 Tipps, die helfen minimalistisch zu leben (& glücklich zu werden)

 

So funktioniert die 30-Tage-Declutter-Challenge

Dabei wird über komprimiert über dreißig Tage entrümpelt. Am ersten Tag trennt man sich von einem Gegenstand, am zweiten von zwei, an dritten Tag von drei Sachen, bis man sich am dreißigsten und letzten Tag von dreißig Teilen trennt. In Summe kommen somit mindestens 465 Gegenständen zusammen.

 

 

Um mein Commitment gegenüber dieser Challenge zu festigen und um mich selbst einem öffentlichen Druck auszusetzen habe ich, Ende des letzten Jahres, die gleichnamige Facebook-Gruppe gegründet. Mit dieser Gruppe habe ich scheinbar einen Nerv unserer Zeit getroffen, denn die Gruppe wächst stetig. Es hat sich eine richtig tolle, sich gegenseitig bereichernde Community gebildet. Mit der Unterstützung aus der Gruppe habe ich mich innerhalb von 30 Tagen sehr leicht von 465 Gegenständen trennen können.

 

Warum hast du dich dazu entschieden, minimalistischer zu leben?

Einen minimalistischen Lebensstil zu leben, war weniger eine Entscheidung, als ein Bedürfnis. Schon in der Pubertät habe ich die Schränke meines Kinderzimmers leergeräumt und meinen Eltern erklärt, dass ich viel weniger brauche.

Viele Jahre, Erfahrungen und dem Kratzen an einer Kaufsucht später, habe ich mich mit der Frage „Was brauche ich wirklich wirklich?“ auseinandergesetzt und tue das immer noch. Gekauft habe ich oft, um mich für einen schweren Arbeitstag zu belohnen oder in der Hoffnung eine innere Leere füllen zu können. Das äußerte sich in häufigen in Impulskäufen, einem knallvollen Kleiderschrank inklusive dem Gefühl nicht genug zum Anziehen zu haben.

 

Viktoria Pfeiffer

 

Einer der Vorteile meines minimalistischeren Lebensstils ist, dass ich viel weniger Gegenstände habe, die ich pflegen muss. Beispielsweise verzichte ich auf Dekorationen, die ich saisonal verändere und von Staub befreien müsste.

Im Falle meines viel schlankeren Kleiderschrankes, genieße ich es sehr, dass ich nur noch so wenig Kleidung habe, dass ich fast mit meiner gesamten Sommerkleidung in einem Handgepäckskoffer gepackt verreisen kann. Die Entscheidung was ich trotz eines übervollen Schrankes anziehen soll, existiert somit nicht mehr.

Für mich ist mein minimalistsicher Lebensstil keinen Regeln oder Richtlinien unterworfen, sondern ein ganz individueller Prozess zu einem bewussten Konsumverhalten. Es erfüllt mich, dass ich meine Kaufsucht erkannt, überwunden und schließlich andere Wege gefunden habe, das Gefühl einer inneren Leere, welches ich nur noch sehr selten verspüre, zu füllen.

 

Fällt dir auf, dass etwas fehlt?

Diese Frage kann ich mit einem einfachen und klaren „Nein“ beantworten.

Nachdem ich mich in der ersten #30TageDeclutterChallenge von mehr als 500 Gegenständen getrennt habe, durfte ich feststellen, dass es mir nicht einmal auffällt, dass ich so viel entrümpelt habe. Großteils habe ich mich von Sachen getrennt, die ich entweder nicht benütze oder nicht mag, oder eben beides. Trennen konnte ich mich so lange nicht, da ich keinen Müll produzieren wollten oder nicht wusste, wohin ich Sachen geben soll, die noch zu gebrauchen sind, oder auch weil ich zu faul war Gegenstände online zu stellen und zu verkaufen. Leider habe ich viel Unbrauchbares entsorgt. Vieles aber auch gespendet und einiges verkauft.

Inklusive den Gegenständen, die ich schon vor meinem Umzug entrümpelt habe, schätze ich, dass sich mein Haushalt um 2/3 reduziert hat. Und trotzdem sind meine vier Wände immer noch gut gefüllt und ich habe genug.

 

Ein minimalistischer Lebensstil ist nicht unbedingt nur eine Phase, sondern darf ein lebenslanger Prozess bleiben.
Viktoria Pfeiffer

 

Wie kann man sich von liebgewordenen Dingen trennen?

Wenn ich diese Fragen umformulieren darf, kann ich diese eindeutiger beantworten. Du wirst gleich erfahren weshalb. Ich würde fragen „Wie kann ich mich von Dingen trennen, die aus Gewohnheit behalte?“

Wenn jemand, aus den unterschiedlichsten Gründen, den Wunsch verspürt den eigenen Haushalt zu verkleinern, dann empfehle ich die folgende Methode:

Wähle einen Bereich in Deinem Haushalt aus und räume diesen komplett leer. Das kann sowohl ein Fach in Deinem Küchenschrank sein, als auch ein komplettes Zimmer. Dann nimm jeden Gegenstand in die Hand und frage „Benutze ich das noch?“ lautet die Frage „Ja“, dann behalte diesen Gegenstand. Lautet die Antwort „Nein“, dann frage noch zusätzlich „Finde ich diesen Gegenstand schön?“ oder „Oder macht mich dieser Gegenstand glücklich?“ lautet die Antwort hier „Ja“ dann behalten diesen Gegenstand. Lautet die Antwort jedoch „Nein“, dann trenne dich von diesem Gegenstand.

 

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Manchmal sind die Antworten nicht eindeutig „Ja“ oder „Nein“. Mein Bedürfnis weniger haben zu wollen, durfte erst einmal in meine Gewohnheiten einfließen. Das darf ruhig ein bisschen Zeit und einiges an Übung benötigen. Meinen Kleiderschrank entrümple ich schon seit vier Jahren. Jedoch scheint jetzt ein Ende in Sicht zu sein.

Ein minimalistischer Lebensstil ist nicht unbedingt nur eine Phase, sondern darf ein lebenslanger Prozess bleiben.

 

Was würdest du sagen, braucht der Mensch wirklich zum Leben?

Ein Mensch braucht zum Leben in erster Linie Luft, Wasser und Nahrung. Dann Schutz vor Wind und Wetter, sowie soziale Beziehungen. Was ich meine ist, dass wir Menschen nur ganz wenige Dinge wirklich zum Leben bzw. Überleben benötigen. Auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort. JedeR darf diese Frage für sich selbst beantworten.

Manche Menschen brauchen viele Pflanzen, um sich Natur in die Wohnung zu holen. Für andere kann es eine Einschränkung sein, wenn sie sich um Pflanzen kümmern müssen. Ein anderes schönes Beispiel ist auch die saisonale Dekoration. Manche verleihen ihrer kreativen Kraft dadurch Ausdruck und andere fühlen sich davon erdrückt.

 

Viktoria Preiffer

 

Ich dachte lange, dass zu einem vollständigen Haushalt saisonale Dekoration gehört. Mit der September Challenge trenne ich mich von der letzten Weihnachtsdekoration, auch wenn ich mich beim Ansehen dieser letzten Stücke immer an einen schönen Ausflug mit einer lieben Freundin nach Innsbruck erinnere, war jetzt einfach die Zeit diesen Schrankhütter loszulassen.

Wichtig finde ich, ist es reflektiert zu konsumieren und nicht jedem Kaufimpuls nachzugeben. Wir geben so viel von unserem, oftmals hart verdientem, Geld für Dinge aus, die wir gar nicht brauchen, nur um sie ein paar Mal zu verwenden bevor wir sie im schlimmsten Fall entsorgen. Da könnten wir unser Geld direkt in den Mülleimer werfen.

 

Wann wusstest du, dass du kaufsüchtig bist?

Ich bin mir meiner Kaufsucht bewusst geworden, als ich nach einem Jobwechsel nicht mehr mit meinem Gehalt ausgekommen bin. Der neue Job hat mir besser getan, sodass ich nicht mehr so oft das Gefühl hatte etwas kaufen zu müssen. Dennoch ist das Kompensationskaufen so sehr zur Gewohnheit geworden, dass ich noch eine Zeitlang wie zuvor weiter gemacht habe, bevor ich bemerkt habe, dass ich mich auch ohne etwas zu kaufen gut fühle und den Abend nach der Arbeit auch ohne Belohnungen genießen kann.

Nachdem ich das bemerkt hatte, habe ich angefangen Listen zu führen, was ich mir alles gerne kaufen würde. Ich stand also im Laden und anstatt zu kaufen, habe ich mir den Gegenstand auf meine Wunschliste geschrieben. Dazu habe ich mir noch das Datum notiert und mit mir vereinbart, dass ich den Artikel kaufen darf, falls ich diesen nach 30 Tagen immer noch haben möchte. Die meisten Dinge stünden noch heute, Jahre später, auf dieser Liste, wenn ich diese nicht entsorgt hätte.

 

Was bedeutet es für dich, umweltfreundlich und nachhaltig zu leben?

Für mich bedeutet es, dass ich Verantwortung übernehme. Uns wurde dieser Ort voller Wunder zum Leben geschenkt und wir Menschen wissen das nicht zu schätzen. Es bedeutet für mich Ressourcen zu schonen, mir meiner destruktiven Muster bewusst zu werden und auch als Rollenmodell für andere zu agieren.

Mit unserem Konsum erhalten wir das System und zerstören unseren Planeten. Den einzigen Ort zum Leben, den wir haben.

 

Warum ist das minimalistische Leben derzeit im Trend, glaubst du?

Viele Menschen nehmen wahr, dass sie mit den bisherigen Systemen nicht glücklich werden. Ein Streben nach mehr und immer mehr ist anstregend, laugt aus und macht einfach müde. Ein der-Masse-hinterherlaufen zerstört die Einzigartigkeit. Ich glaube, dass eine Reduktion von allem hervorbringen kann, was jedeR wirklich wirklich braucht. Es ist wie auf einer weißen Leinwand etwas Neues zu erschaffen. Wurde erst einmal minimiert wird aus dem Trend ein Lebensstil. Das ist es, was ich beobachten darf.

 

Hier findet ihr mehr Infos zur Challenge und zur Bloggerin Viktoria Pfeiffer!

 

Video: Wir alle haben unser "Egalgewicht"

 

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