< Zur Mobilversion wechseln >

Kolumne: Warum ich meine Krankheiten googeln werde

von

Geiz ist nicht immer geil. Aber manchmal schon. Im Urlaub zum Beispiel. Bisher hat Kolumnistin Olivia Peter ihr Handy immer brav im Hotelzimmer gelassen. Weil Internet teuer und so. Jetzt gibt 's kein Roaming mehr. Ihr Todesurteil, wie sich zeigen wird. Vor allem, wenn man das Mobiltelefon auch noch in medizinischen Fragen konsultiert.

ReisenOlivia Peter(Wienerin)

Kurztrip mit dem Mann. Raus aus dem gatschigen, grauen Wäh wie Wien. Rein ins wärmende, wohlige Paradies wie Playa del Inglés. Ein fünftägiger Urlaub auf den Kanaren soll unsere fahle (Bananen-)Haut mit dunkler (Schoko-)Bräune überziehen. Offenbar hatten nicht nur wir die Idee, sondern auch eine Truppe reisefreudiger Wespen: Sie haben ihre Koffer gepackt und sind für einen vorweihnachtlichen Trip auf die spanische Insel geflogen. Eine Urlaubsbekanntschaft, in deren Genuss ich bereits am ersten Tag komme. Sehr intensiv. Das Drecksding von einer Wespe sticht mich in den Fuß. Krepieren soll sie!

Um Leben und Tod

Etwas, das ich seit jeher unfair finde: Bienen, diese nützlichen, pelzigen, herzallerliebsten Scheißerchen, die vom Aussterben bedroht sind und eigentlich eh nie stechen, außer sie fühlen sich massiv bedroht, die verlieren durch den Stich den Stachel und sterben. Und was ist mit den Wespen? Hä? Die dürfen sich aufführen wie die allergrößten Giftspritzen und kommen einfach so davon. Ungerechte Welt!

Da mich seit meinen Kindertagen keine Wespe mehr gestochen hat, bin ich völlig ratlos, ob ich jetzt mit einem Allergieschock reagieren soll oder nicht. Da ich eine Stunde nach dem (höllisch schmerzenden) Stich noch lebe, beschließen der Mann und ich: keine Allergie! Aber der Tag ist ruiniert. Mein Fuß massiv geschwollen. Ich unerträglich schlecht gelaunt. Kilometerweit vom Hotel entfernt. Weil wir ja in eine einsame Bucht mussten. Weil ich mit dem Fuß sowieso nichts machen kann, beginne ich zu googeln. Das geht ja jetzt kostenlos. Was tun bei Wespenstich? Hausmittel gegen Wespenstich? Allergie nach Wespenstich? Schwellung nach Wespenstich?

 

Sie wissen, was passiert. Ich sehe mich plötzlich konfrontiert mit einer Reihe todbringender Entzündungen. Jedes Symptom, das angeführt wird, spüre ich augenblicklich in meinem Körper. Blutvergiftung? Hab ich. Allergieschock? Hab ich. Beinamputation? Unumgänglich.

Letztes Stündlein

Um mich abzulenken, nimmt mir der Mann das Handy weg und drückt mir eine Zeitung in die Hand. Darin lese ich von einer Deutschen, die sich beim Schnorcheln in Thailand eine Schürfwunde zugezogen hat, und durch das verunreinigte Meerwasser anschließend gleich eine Blutvergiftung, an der sie fast krepiert wäre. Meine Story! Eins zu eins. Ich bin auf einer (europäischen) Insel, meeeiiiilenweit (also zehn Kilometer) von einem der (drei zur Verfügung stehenden) Krankenhäuser entfernt, spreche kein Spanisch (dafür aber so wie 80 Prozent hier sehr gut Englisch) und bin den örtlichen Ärzten (die an renommierten Universitäten gelernt haben) völlig ausgeliefert.

Machen wir es kurz: Das Ende war nah, aber ich bin dem Tod gerade noch mal von der (spanischen) Schaufel gesprungen.

Traumhaft: Die schönsten Strände der Kanaren

Alle 7 Bilder anzeigen »

Kommentare

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen