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Kolumne: Tutto Bene?! Urlaub wie damals

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Wenn ich groß bin, mach ich alles anders! So weit der Vorsatz. Im Laufe der Jahre musste ich allerdings feststellen, dass ich vieles ganz genauso mache wie meine Eltern. Heuer ist die letzte Bastion gefallen: die Urlaubsplanung!

Olivia Peter Kolumne WIENERIN

ReisenOlivia Peter(Wienerin)

Zwölf Sommer! Zwölf Sommer meines Lebens hab ich in Caorle verbracht. Am Hausmeisterstrand, wie ihn die Wiener "liebevoll" nennen. Das habe ich als Tirolerin aber erst später erfahren. Nach meinem Umzug in die Bundeshauptstadt. Wie hoch die Dichte österreichischer Hausmeister an der Adriaküste tatsächlich ist, habe ich nie erforscht. Wurscht. Heuer fahr ich wieder hin. Mit dem Mann. Eine Art Gedächtnis-Revival-Urlaub. Was ich Kind der 1980er mit Caorle verbinde? Kilometerlangen Stau am Brenner. Affenhitze. Die Klimaanlage hat noch auf ihre Erfindung gewartet. Eingepfercht am Rücksitz zwischen Badematten, Strandliegen, Reiseproviant, meiner Schwester und meiner Oma. Von klaustrophobischen Anfällen und leichter Übelkeit geplagt. Immer die Frage meines Vaters im Ohr: "Wie viele Gradi hat's denn schon?" Offenbar war er der Ansicht, dass man deutsche Wörter einfach italienifizieren (sic!) kann, wenn man hintendran ein "i" hängt. Kann man nicht.

"Die L'Agenzia macht gleich zu!"

Die Ankunft am Urlaubsort: Stress. Pur. Schlüssel für das Appartement holen. "Schatzi, die L'Agenzia macht zu!" Essen einkaufen. "Schatzi, der Supermercato macht zu!" Zum Schwimmbad hetzen. "Schatzi, La Piscina hat gleich Ruhezeit!" Damals sprachen meine Eltern für mich wie Götter Italienisch. Heute "kann" ich selber Italienisch und verdrehe regelmäßig die Augen, wenn Menschen meinen, sie müssen die paar spärlichen Vokabeln, die sie in der jeweiligen Landessprache aufgeschnappt haben, ins Gespräch einbauen. We are so international!

Aber mein Lieblingspart (Ironie!) im Urlaub war stets: die Grundreinigung des Appartements! Mit Essigwasser, Besen und Putzschwämmen bewaffnet (selbstverständlich von zu Hause mitgebracht), schrubbten wir sämtliche Räume durch. Die Italiener müssen sich krummgelacht haben. Ich stelle mir vor, wie sie abends bei Spaghetti und Rotwein überlegt haben, wie sie ihre desolate Ferienanlage wieder flottkriegen: "Ach, laden wir einfach ein paar Deutsche und Österreicher ein! Ist besser als Kernsanierung!" Gekocht wurde jeden Tag selbst. Pizza essen gehen kam einem Event gleich. Kurz: Es war alles wie zu Hause. Nur 500 Kilometer weiter südlich. Und viel heißer.

Alles wie zuhause - sogar die Spaghetti

Aber diesmal wird alles anders! Daran glaube ich fest! Mein Kofferraum-Fund bei der Abfahrt ändert daran rein gar nichts. Eine Tiefkühlbox mit rotem Deckel. Bis obenhin angefüllt mit Putzmittel, Waschmittel, Schwämmen, Geschirrtüchern, Essig und Öl, Salz, Zucker -uuund: einer Packung SPAGHETTI?!? Tja, 1980er-Kind (ich) trifft 1970er-Kind (der Mann) und hat eine Erkenntnis: In der Zeit vor meiner Zeit hat man den Italienern offenbar nicht einmal zugetraut, dass sie wissen, wie man anständig Spaghetti macht.

 

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