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Gipfelglück Eisklettern: : "Auf einem gefrorenen Wasserfall zittern einem die Knie"

von

WIENERIN-Fotoredakteurin Lydia Stöckl war mit neun WIENERIN-Leserinnen in den Osttiroler Alpen. Nach diesen sportlichen Gipfelstürmen haben wir sie ein bisschen ausgefragt.

ReisenLydia Stöckl und Ljubiša Buzić(Wienerin)

WIENERIN: Du warst zum ersten Mal eisklettern. Was hat dich daran gereizt?

Lydia Stöckl: Verrückte Sachen mache ich einfach gerne. Da wir bei uns im Weinviertel weder Wasserfälle noch Berge haben, war es noch reizvoller für mich. Dieser "Eisberg", also der gefrorene Wasserfall da vor einem, war schon gewaltig. Aber nachdem unsere Guides Eva, Magdalena und Michi die Technik mit den Eispickeln und den Steigeisen erklärt hatten, war das Raufkommen mit zittrigen Knien schon etwas einfacher.

Muss man dafür ein Sportfreak sein?

Na ja, ein bissl Freak vielleicht schon, aber extrem sportlich denke ich nicht. Ein paar Muckis in den Armen schaden natürlich nicht. Am Tag danach hatte ich schon einen g’scheiten Muskelkater in meinen Ärmchen.

Hattest du keine Angst, dass du runterfällst?

Doch, doch, ich hab mich zuerst nur an die „Babyroute“ herangetraut. Die mittlere hab ich dann übersprungen und gleich die 30-Meter- Route genommen. Guide Eva hat mich gesichert und ich bin losgeklettert. Anfangs selbstbewusst, doch nach ca. 15 Metern ist mir beim Hinunterschauen schon ordentlich schwummrig geworden – wenn unter dem Eis auch noch Wasser fließt … Danach hatte ich aber einen Dauergrinser im Gesicht …
Super war das!

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Wenn du nur einen einzigen Moment hättest fotografieren und auf Instagram teilen können – welcher wäre das gewesen?

Als wir angekommen sind und ich vor diesem irrsinnig hohen "Berg" aus Eis stand. Das war ein toller Anblick.

Was würdest du auf keinen Fall posten wollen?

Wie ich anfangs wie ein junger Storch unkoordiniert die ersten Schritte mit meinen Steigeisen übers Eis gemacht habe.

Auf einem gefrorenen Wasserfall zu klettern – da zittern einem die Knie.
Lydia Stöckl

Tourengehen soll ja superanstrengend sein. Wie war's für dich?

Manche lieben die Stille – weil beim Aufstieg eigentlich nicht so viel geredet wird – und manche hassen sie. Stundenlang einen Berg raufzugehen klang für mich auch zuerst grausam, aber dann fand ich es toll. Es ist ein super Ausdauertraining, man lernt seinen Körper auch ganz anders spüren. Vor allem die Waden am Tag darauf ...

 (c) unknown

Was macht man denn als Erstes, wenn man gemeinsam oben ankommt?

Sich auf den Boden plumpsen lassen und ziemlich unelegant ein Weckerl und eine Banane essen – und schauen, dass einen keiner dabei fotografiert. Danach die Aussicht ausgiebig genießen, Gruppenbilder und Selfies ohne Ende machen.

Was hat dich an dem Tag am meisten überrascht?

Dass ich lebendig und ohne gröbere Verletzungen wieder zum Auto gekommen bin (lacht). Ich kann nämlich ziemlich schlecht Ski fahren, aber mein Glück war größer als mein Können.

Was sollte beim Tourengehen lieber niemand von dir zu sehen bekommen?

Meine leidenden Blicke auf dem Weg nach oben, kurz bevor wir endlich am Gipfel angekommen sind. Und meinen Fahrstil bergab wieder Richtung Auto.

Stundenlang auf den Berg raufgehen klang zuerst grausam, war aber toll
Lydia Stöckl

Ihr habt auch eine Schneeschuhwanderung gemacht und Tiere beobachtet – was ist dir vor den Feldstecher gekommen?

Viele Gämsen, Raben, allgemein viele Vögel. Unser Ziel war es, einen Steinadler zu sehen. Leider war die Tageszeit aber nicht so perfekt dafür, weil wir so um 15 Uhr dort waren und die Tiere sich da gerade eine Chillout-Zeit gönnen. Am besten ist es am Morgen oder in den Abendstunden, wenn sie auf Futtersuche sind. Dafür war der Blick auf den Großglockner extrem toll. Die Sonne hatte sich gerade so über den Gipfel gelegt, dass es echt schon kitschig war.

Wie war es, mit den WIENERIN-Leserinnen ein Wochenende zu verbringen?

Sehr lustig war es. Ich habe mir mit Julia, einer Tirolerin, ein Zimmer geteilt. Wir hatten uns davor noch nie gesehen. Am Anfang ist es etwas komisch, mit einer eigentlich fremden Person ein Doppelbett zu teilen, aber wir haben uns gut verstanden und waren die Küken der Gruppe.

Und mit den anderen Frauen?

Wir waren bunt gemischt, zwischen 20 und 60 Jahre. Und wir haben es genossen, dass nur Frauen mit waren – da versteht man wenigstens die kleinen Probleme wie 100 Mal aufs Klo zu müssen und so was (lacht). Als wir uns am vorletzten Abend einen Film angeschaut haben, haben wir uns statt in den 1970er-Jahre-Keller, der nicht besonders gemütlich war, zu vierzehnt ins Zimmer von Magdalena und Skitechnikprofi Melissa gekuschelt. Das war ein bisschen wie im Jungscharlager.

(c) unknown

 

 

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