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Exklusiv: Michelle Williams: "Seit #metoo ist die Situation für Frauen am Set völlig anders"

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Schauspielerin Michelle Williams macht lieber gute Filme als laute Schlagzeilen. Ihr aktueller Film "Alles Geld der Welt" mit Co-Star Kevin Spacey wäre wahrscheinlich keine Ausnahme gewesen. Doch dann kam #metoo.

KulturArnika Zinke(Wienerin)

Über den Hollywood-Film "Alles Geld der Welt" [Originaltitel "All the Money in the World"] wurde in den letzten Monaten viel gesprochen.

Selten ging es dabei aber um den Film selbst, sondern vielmehr um seine ProtagonistInnen: Etwa um Kevin Spacey ("House of Cards"), der nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen ihn aus dem Film gestrichen wurde.

Oder Michelle Williams ("My Week with Marilyn"), die daraufhin auf ihre Gage und ihre Thanksgiving-Ferien verzichtete, um in Rekordzeit den Film gemeinsam mit dem nun Oscar-nominierten Spacey-Ersatz Christopher Plummer ("Sound of Music") nachzudrehen.

Oder Co-Star Mark Wahlberg ("Ted"), der sich anfangs weigerte den Film neuzudrehen, schließlich mehr Geld forderte und am Ende doch auf seine Millionengage verzichten musste, nachdem sein unverschämter Gehaltsüberschuss bekannt wurde, mehr dazu hier).   

 

Kurz gesagt - der Film war monatelang in den Schlagzeilen, ohne dass man jemals über den Inhalt der Hollywood-Produktion sprach. Schade eigentlich, schließlich ist nicht nur der Stoff von "Alles Geld der Welt" höchst brisant, sondern die Verfilmung gelungen und höchst sehenswert.  

Alles Geld der Welt

In dem neuesten Werk des preisgekrönten Regisseurs Ridley Scott spielt die 37-jährige Williams die Rolle der Gail Harris, der Mutter des 1973 entführten Enkelsohns des schwerreichen Ölmagnaten John Paul Getty. Die Entführung beherrschte damals wochenlang die internationalen Schlagzeilen, nachdem sich der Milliardär weigerte, das Lösegeld für seinen Enkel zu zahlen. Der Film lässt das Drama rund 40 Jahre später neu aufleben und stellt erstmals Gettys Mutter Gail und ihren unermüdlichen Einsatz für die Freilassung ihres Sohnes in den Vordergrund.

 

*  "Alles Geld der Welt" läuft am 15. Februar in den österreichischen Kinos an.

Skandal um Spacey während den Dreharbeiten

Dass Williams’ Performance heute Anerkennung in der Filmbranche findet, ist nicht selbstverständlich. Nachdem im Oktober erste Missbrauchsvorwürfe gegen ihren damaligen Co-Star Kevin Spacey – er spielte den reichen Großvater Getty – bekannt worden waren, war kurze Zeit unklar, ob Alles Geld der Welt überhaupt veröffentlicht werden sollte. Man entschied sich kurzfristig, die Zusammenarbeit mit dem House of Cards-Star zu beenden, und drehte die fehlenden Szenen in Rekordzeit mit dem kanadischen Schauspielveteranen Christopher Plummer nach. Dass dies die richtige Entscheidung war, daran haben nicht nur FilmexpertInnen keinen Zweifel.

(c) ©2017 ALL THE MONEY US, LLC. ALL RIGHTS RESERVED.

 

Das zeigte auch die Oscar-Nominierung für Plummer als "Bester Nebendarsteller", sowie die drei Golden Globe-Nominierungen für den Film in den prestigeträchtigsten Kategorien, darunter jene für Williams als "Beste Schauspielerin". Trotz einer beachtlichen Filmkarriere – sie erhielt 2011 unter anderem den Golden Globe für ihre Darstellung der Marilyn Monroe in My Week with Marilyn und drehte insgesamt über 40 Filme – ist Michelle Williams nie zum allseits bekannten Hollywood-Namen geworden. Stattdessen hielt sich die Schauspielerin lieber im Hintergrund und tat das, was sie am besten kann: wirklich gute Filme machen.

"Ich hätte mich für Kevin geschämt" 

Im WIENERIN-Gespräch verriet sie, warum sie sich erst mit ihrer jetzigen Rolle „erwachsen“ fühlt, was sie von der #metoo-Debatte hält und warum sie sich für Kevin Spacey schämen würde.

 

Die Rolle der starken Mutter, die Sie in Alles Geld der Welt verkörpern, und ihre zerbrechliche Interpretation der Marilyn Monroe könnten nicht unterschiedlicher sein. Ist es schwieriger, eine Figur zu spielen, die, wie Gail, so wenig Gefühle zeigt?

Michelle Williams: Ja, das ist es wirklich. Im echten Leben bin ich viel gefühlsbetonter und nicht so stark, so determiniert oder fortschrittlich eingestellt wie sie. Es war für mich als Schauspielerin wirklich schwer, ihre Rolle aufrechtzuerhalten und sie nicht kollabieren zu lassen. Die Menschen wollten damals, dass sie zusammenbricht und ihnen eine Seifenoper gibt. Aber das hat sich für Gail nicht richtig angefühlt und sie hat sich geweigert, dem Publikum in die Hände zu spielen.

 

Wenn Sie Gail mit Ihren bisherigen Filmen vergleichen: War das eine der Rollen, die für Sie am forderndsten waren? 

Ich denke, es ist immer die Rolle, an der man gerade arbeitet, die im Moment am schwierigsten zu spielen ist. Gail war aber in vielerlei Hinsicht meine erste „erwachsene“ Rolle. Deswegen war sie für mich eine besondere Herausforderung.

 

 

Filme glorifizieren Menschen, sie lassen sie überlebensgroß wirken, und in Anbetracht der Vorwürfe wäre das nicht fair gewesen; gerade wenn man berücksichtigt, wie viele Menschen von seinen Handlungen betroffen waren und verletzt wurden. Ich wäre in diesem Fall nicht imstande gewesen, über diesen Film zu sprechen oder ihn gar zu bewerben. Ich hätte mich geschämt. Es wäre falsch gewesen.
Michelle Williams im WIENERIN-Gespräch

 

In Hollywood beschweren sich derzeit viele Ihrer Kolleginnen, etwa Meryl Streep, dass die Rollenangebote für Schauspielerinnen immer noch sehr eindimensional und stereotyp sind. Stimmt das?

(Michelle denkt lange nach, ihr scheint die Frage offenbar ein wenig unangenehm zu sein.)

Schauen Sie, ich finde, wir können uns immer verbessern. Wir könnten immer besser sein.

 

Und wer ist „wir“?

Wir als Publikum zum Beispiel. Wir können diese Art von Filmen unterstützen und sicherstellen, dass sie auch produziert werden und verfügbar sind. Und wir, die Filme machen, können auch deutlicher zeigen, was unser eigener Geschmack ist und welche Interessen wir haben.Und wir müssen lernen, andere Optionen abzulehnen.

 

[Mehr lesen: Meryl Streep: "Frauen ab 40 spielen nur noch alte Weiber und Hexen"]

 

Über Alles Geld der Welt wurde in den letzten Monaten viel gesprochen, nachdem Kevin Spacey aus dem Projekt entlassen wurde. Was sagen Sie dazu?

Ich glaube, es war die richtige Entscheidung. Filme glorifizieren Menschen, sie lassen sie überlebensgroß wirken, und in Anbetracht der Vorwürfe wäre das nicht fair gewesen; gerade wenn man berücksichtigt, wie viele Menschen von seinen Handlungen betroffen waren und verletzt wurden. Ich wäre in diesem Fall nicht imstande gewesen, über diesen Film zu sprechen oder ihn gar zu bewerben. Ich hätte mich geschämt. Es wäre falsch gewesen. Ich bin also sehr glücklich darüber, dass wir die Möglichkeit hatten, das Projekt zum Guten zu wenden.

 

Waren Sie in Ihrer bisherigen Filmkarriere selbst auch Opfer von sexueller Belästigung?
Egal ob in meiner Karriere oder in meinem Leben: Ich kenne keine Frau, die davon nicht betroffen war!

 

Haben Sie seit Beginn der #metoo-Debatte Veränderungen in der Filmindustrie wahrgenommen?

Das habe ich tatsächlich. Ich arbeite zurzeit an einem Film, und ich habe das Gefühl, dass das Klima am Set anders als alles ist, was ich je erlebt habe. Es ist professioneller, respektvoller und fairer.

 

(c) ©2017 ALL THE MONEY US, LLC. ALL RIGHTS RESERVED.

 

Ich weiß, über Geld spricht man nicht; ich würde es zum Schluss doch gerne tun. „Ein reicher Mann ist nichts anderes als ein armer Mann mit Geld“, hat der Komiker W. C. Fields einmal gesagt. Stimmen Sie dem zu?

Oh Gott, ich höre dieses Zitat zum ersten Mal! Was glauben Sie denn, dass es bedeutet?

 

Gute Frage … Wahrscheinlich, dass ein Mensch mit Geld außer seinem Geld nichts im Leben hat.

(Michelle murmelt und denkt nach. Das Zitat scheint sie zu beschäftigen, sie lacht.)
Interessant … Ja, ich glaube, Sie haben recht. Sie haben es besser formuliert, als ich es überhaupt gekonnt hätte (lacht). Ich denke, am Ende des Tages ist Geld nichts, das uns tröstet oder uns mehr Zeit im Leben verschafft. Der beste Nutzen für Geld, der mir einfällt, ist, dafür Freiheit zu erkaufen

 

 

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