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Gender und Kirche: In Schweden ist Gott kein Mann mehr

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Die evangelisch-lutherische Kirche in Schweden bemüht sich um eine geschlechtsneutrale und inklusive Sprache.

In Schweden ist Gott kein Mann mehr

Kulturred.(Wienerin)

Der oberösterreichische FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner ist erzürnt: In der neuen "gegenderten" Familienbibel der Diözese Linz ist nicht mehr von "Söhnen Gottes", sondern von "Kindern Gottes", statt "Männern" von "Menschen" die Rede und sogar eine "Apostelin" hat der FPÖ-Politiker entdeckt. "Unbegreiflich!", befindet Haimbuchner in einem Facebookposting. Die Diözese Linz klärt trocken auf. Mit Gendern habe das nichts zu tun, es handle sich um die überarbeitete und approbierte Einheitsübersetzung für die Katholische Kirche. Was Haimbuchner wohl zu den neuesten Plänen der evangelisch-lutherischen Kirche in Schweden sagen würde?

 


In Schweden funktioniert das mit der Bildung, der Inklusion und der Geschlechtergleichheit irgendwie besser. Den nächsten Schritt Richtung Gleichstellung von Mann und Frau kommt von ungeahnter Stelle: Die evangelisch-lutherische Kirche hat neue Regeln für eine geschlechterneutrale Sprache im Gottesdienst festgelegt.

 

Im Deutschen ist Gott ein Mann

In der deutschen Sprache denkt man bei Gott zuallererst an einen Mann. Er, der Schöpfer, der Herr. Dabei ist der Ursprung des Wortes geschlechtsneutral, es kommt aus der germanischen Sprache und ist eine Ableitung von g(h)uda, was soviel wie "Gott anrufen" bedeutet - und zwar weibliche wie männliche Gottheiten. Erst das Christentum hat Gott zum Mann gemacht.

 

Genderneutrale Sprache in der schwedischen Kirche

Die schwedische Kirche will in Zukunft eine geschlechterneutrale Sprache verwenden. Auf das Personalpronomen "er" und das Wort "Herr" soll verzichtet werden, hat das 251-köpfige Entscheidungsgremium im schwedischen Uppsala am Donnerstag entschieden. "Aus der Theologie wissen wir, dass Gott jenseits unserer menschlichen Geschlechterunterscheidung ist. Gott ist kein Mensch", sagt Antje Jackelén, die Leiterin der evangelisch-lutherischen Kirche. Der Schritt ist einer von vielen in der Überarbeitung des 31 Jahre alten Handbuchs, das den Aufbau von Gottesdiensten regelt. Über eine inklusivere Sprache diskutiere man seit 1986, erzählt die Erzbischöfin dem schwedischen Fernsesender TT News.

 

Natürlich sind damit nicht alle einverstanden. Christer Pahlmblad, Theologe an der Lund Universität, sieht "die Lehre der Dreifaltigkeit und die Gemeinschaft mit den anderen christlichen Kirchen" durch die genderneutrale Sprache gefährdet. "Es ist nicht gescheit, wenn die schwedische Kirche als die Kirche bekannt wird, die die allgemeine theologische Überlieferung nicht respektiert", sagt er der dänischen Zeitung Kristeligt Dagblad.

Nichtsdestotrotz wird die neue Regelung am  20. Mai 2018, dem Pfingstsonntag, in Kraft treten. Anstatt des bekannten "Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes" wird es dann heißen "Im Namen Gottes: Der Name des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes" oder "Im Namen Gottes, der Dreifaltigkeit."

 

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