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Kolumne: Nur noch bargeldlos bezahlen? Das geht mir alles zu schnell!

von

Kolumnistin Martina Parker wuchs mit der Devise "Nur Bares ist Wahres" auf. Das funktioniert im fortschrittlichen Schweden leider nicht mehr wirklich.

KulturMartina Parker(Wienerin)

Letztens war ich zu Mittsommer in Schweden, ich hatte einen Blumenkranz im Haar, trank Kümmelschnaps und rief jedes Mal fröhlich "Skål!", wenn ich das Glas erhob. Probleme gab es nur beim Zahlen. "Wir nehmen leider kein Geld", belehrte mich der Hipster-Barkeeper. Als Wirtshauskind, das mit der Devise "Nur Bares ist Wahres" aufgewachsen ist, hielt ich das natürlich für einen schlechten Scherz. "Was ist denn das für eine Bar, die kein Geld nimmt?", lachte ich ihn aus und wurde darüber aufgeklärt, dass die Devise "Credit Card only" gerade der letzte Schrei in Stockholm sei.

Implantierte Chips als Geldersatz?

"Und das ist erst der Anfang!", sagte mein Sitznachbar, ein rotblonder Wikinger-Lookalike. "Ich war gestern auf einer 'Bier und Chips'-Party." Und mit Chips meinte er keine Pommes, sondern tatsächlich einen Mikrochip, der in seinem Handrücken implantiert war. "Das ersetzt in Zukunft meine U-Bahn-Karte und meinen Büroschlüssel." Und bald könne er damit auch sein Auto starten und die Bankomatkarte ersetzen. "Na hoffentlich hackt dir nicht mal ein Straßenräuber die Hand ab!", entgegnete ich und war fassungslos, wie man sich freiwillig so zum Deppen -oder besser gesagt, zur kontrollierbaren Marionette -machen kann. Hat denn in Schweden keiner 1984 von George Orwell gelesen?

 

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Vielleicht liegt es daran, dass in Schweden noch nie ein totalitäres Regime die Kontrolle erlangt hat, aber Angst vor Fremdbestimmung und Überwachung haben die schwedischen Cyborgs nicht - sie kommen sich einfach unheimlich cool vor. Die Narbe vom Implantieren gilt mittlerweile als Statussymbol; als Tattoo von heute -auch, wenn das Ganze gar nicht so neu ist: Zum Baja Beach Club in Barcelona erhielten die Gäste schon vor Jahren nur dann VIP-Zugang, wenn sie sich von einem Disco-Arzt einen Chip verpassen ließen. Sobald der Gechippte an einem Lesegerät vorbeiging, wussten die Clubbetreiber, wen sie vor sich hatten und wie es auf dessen Konto aussah.

Sieht die Zukunft wirklich so aus, dass wir mit unseren Keycards und PIN-Codes und in letzter Instanz auch mit unserem Smartphone digital verschmelzen? Was ist, wenn uns dann jemand umprogrammiert oder gar abschalten lässt?

Ich geh lieber auf Abstand!

Gehen wir lieber selber öfters offline, solange wir es noch können. Die britische Grazia widmete vor Kurzem eine ganze Ausgabe dem Thema Digital Detox und berichtete auf über hundert Seiten über "The life changing magic of logging off" - wie die Magie, sich auszuloggen, das Leben verändert. Ich fand das irgendwie erleichternd. Und setze in Sachen Zukunft stark auf die österreichische Mentalität: Fortschritt ist ursuper -solange sich nicht allzu viel ändert.

 

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