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Frauen im Film: In den meisten Filmen könnte man die Frauen einfach weglassen

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Frauen sind in Filmen unterrepräsentiert, auf Beziehungen fixiert oder namenlos. Oft sind sie für die Handlung außerdem völlig unerheblich.

Im Film herrschen die weißen Männer

Kulturred(Wienerin)

„Es passiert eh was,“ könnte man denken. Immerhin hat Wonder Woman alle Erwartungen an den Kinokassen und in den Rezensionen gesprengt. Man hat sich getraut, einen Lieblingsfilm der 1980er mit FRAUEN neu zu verfilmen (und eine, huch, war sogar dick!). Eine Dokumentation zu Body-Positivity schlägt Wellen weit über die Szene hinaus. Die BBC besetzt in der neuen Staffel ihre Science-Fiction-Kultfigur Dr. Who mit einer Frau und es wird immer wieder laut über eine weibliche James Bond nachgedacht. In der kleinen Feminismus-Blase schaut es eigentlich ganz gut aus.

 

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Im Film überwiegen die weißen Männer 


Die Gleichstellung der Frau ist in der fiktiven Welt des Films aber genauso wenig angekommen wie in der Realität. Eine neue Studie der University of Southern California belegt, dass in Filmen weniger Frauen und Minderheiten zu sehen sind als weiße Männer. Und selbst wenn sie vorkommen, werden sie hauptsächlich als Stereotype dargestellt. Weibliche Charaktere im Besonderen sind letztlich meist unerheblich für die Geschichte.

Mit Hilfe künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernens haben die Forscher des Labors für Signalanalyse und Interpretation an der Uni fast 1.000 Filmdrehbücher linguistisch analysiert, die meisten davon stammen aus den letzten Jahrzehnten. Von den 7.000 Charakteren der untersuchten Filme waren fast 4.900 männlich, nur etwas mehr als 2000 weiblich.

Die männlichen Charaktere waren außerdem weitaus gesprächsfreudiger: Die Analysen ergaben 37.000 Dialoge, an denen mindestens ein Mann beteiligt war, aber nur 15.000 mit mindestens einer Frau. Zu ähnlichen Ergebnissen im deutschsprachigen Raum kam auch die im Juli 2017 veröffentlichte Studie der Universität Rostock, initiiert von Maria Furtwänglers Stiftung MaLisa.


Im Film reden Männer über Erfolg, Frauen reden über Familie

Die Forscher in Südkalifornien haben außerdem analysiert, was tatsächlich gesprochen wurde. Die Sprache der Frauen ist positiver, emotionaler und konzentriert sich auf familiäre Werte, die Männer sprechen erfolgsorientierter. Afroamerikanische Charaktere fluchen mehr, lateinamerikanische benutzen eine sexuellere Sprache. Ältere Charaktere sprechen dafür öfter über Religion.

Zusätzlich wurde untersucht, wie zentral ein Charakter für die Geschichte ist. In den meisten Filmen hätte es kaum Einfluss auf den Verlauf der Handlung, würde ein weiblicher Charakter völlig entfernt werden  – ausgenommen es ist ein Horrorfilm. Dort ist die Frau das stereotype Opfer und zumindest wichtig für den Handlungsverlauf.

Die Analyseergebnisse zu jedem der untersuchten Film gibt es auf der Website zur Studie. Die handelnden Personen, ihre Beziehungen zueinander, wie oft sie mit wem sprechen, ob sie dadurch den Bechdel-Test bestehen und wie wichtig sie für den Handlungsverlauf sind, dargestellt in an molekulare Strukturen erinnernde, interaktiven Grafiken. Man kann die Gebilde sogar drehen und von allen Seiten betrachten.

 

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American Beauty besteht den Bechdel Test, die wichtigste Figur ist Hauptdarsteller Kevin Spacey

 

 Sail Mica / Character Network Visualization Demo Analyse des Films "Fluch der Karibik"

In Fluch der Karibik wird wild kommuniziert, die zwei namentlich erwähnten Frauen sprechen aber nicht miteinander


Die Filmwelt ist männlich, weil die Produzentenwelt männlich ist


Dr. Shrikanth Narayanan, Hauptautor der Studie, lobt im Interview mit The New York Times die Effektivität seiner Technologie. Der unbewussten Bias in der Filmindustrie würde sich eindrucksvoll zeigen, für die weiter Entwicklung der Filmlandschaft sei das essentiell: „Medieninhalte zu verstehen ist der erste Schritt um zu verstehen, was für einen Einfluss die Medien auf Menschen haben,“ sagt er.

Aber woher kommt diese Verzerrung der Realität, warum spielen die Frauen eine so untergeordnete Rolle? Schaut man, wer diese männlich dominierten Medieninhalte produziert, findet man noch mehr Männer. Die DrehbuchautorInnen der Filme, die Dr. Narayanans Team untersucht hat, waren siebenmal häufiger Männer. Auf eine Regisseurin kamen 12 Regisseure, auf eine Produzentin drei Produzenten. Waren die Autoren weiblich, erhöhte sich der Anteil der weiblichen Charaktere um die Hälfte.

 

Filme mit Frauen sind kommerziell genauso erfolgreich

Eine zweite Studie der Universität of Southern California zur Diversität in Filmen ergab, dass in 900 Filmen von 2007 bis 2006 der Anteil der weiblichen Sprechrollen nie über 32,8% lag. Von den erfolgreichsten 100 Filmen aus 2016 kam in 47 keine schwarze Frau, in 66 keine asiatische Frau und in 72 keine hispanoamerikanische Frau vor.

Dabei machen Filme mit weiblicher Repräsentation nicht nur gesellschaftlich, sondern auch finanziell Sinn. Madeline Di Nonni, Leiterin des Geena Davis Institute on Gender in Media, rät der Filmindustrie in der New York Times, ihre Strategie zu ändern: „Rate mal, Hollywood. Filme mit weiblicher Hauptrolle spielen immer mehr Geld ein, jedes Jahr. Du solltest darüber nachdenken, wenn du Filmproduktionen freigibst.“

 

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