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Meinung: Warum ich die Serie "The Big Bang Theory" alles andere als witzig finde

von

Die neue, mittlerweile bereits elfte Staffel der Erfolgsserie „Big Bang Theory“ wird diesen Sommer auf ProSieben ausgestrahlt. Für manche ein Grund zur Freude - für mich definitiv nicht.

KulturJelena G.(Wienerin)

Was haben sich damals alle gefreut, als endlich eine Serie kam, in der Nerd-Witze über Star Wars, Schrödingers Katze und Co. endlich eine TV-Bühne bekamen. „Big Bang Theory“ war ein Befreiungsschlag für alle (meist männlichen) naturwissenschafts-affinen und comicbegeisterten EinzelgängerInnen.

Und eigentlich kann ich mit diesen Dingen ja auch viel anfangen, doch die Serie hat mich von Anfang an einfach nicht angesprochen. Der Grund: Sie ist einfach nicht witzig. Leider kommt man in der deutsch-österreichischen TV-Landschaft dennoch nicht umhin, über die Serie zu zappen, weil sie einfach überall läuft. Also habe ich ihr noch eine Chance gegeben - und wurde enttäuscht. 

 

 

Denn sehr schnell wurde mir klar: Die meisten "Witze" in der Serie basieren darauf, sich über andere lustig zu machen – und meistens treffen diese Witze Frauen, Behinderte und Homosexuelle. Und das obwohl die HauptdarstellerInnen der Serie privat eine ganz andere Einstellung dazu haben.

 

Die Serie nutzt oft Stereotype, die ohnehin schon mit vielen Vorurteilen belegt sind, um „Comedy“ zu machen. Nehmen wir zum Beispiel Sheldon Cooper her, der die Zielscheibe aller möglichen herablassenden Kommentare ist. Doch auch ihm lassen die ZuseherInnen Sätze wie „Frauen sind das Schlimmste“ oder „Willst du noch einen Grund hören, warum Männer besser sind als Frauen?“ durchgehen.

 

Ein erwachsenes und intelligentes Comedy-Format hätte Schwulen- und Blondinen-Witze wirklich nicht notwendig

 

Die Rollenklischees, das ständige Name Dropping und diese seltsame Fixierung auf das Auslachen anderer Personen erinnert nämlich mehr an einen fragwürdigen Wirtshaus-Stammtisch, als an ein erwachsenes Comedy-Format. Als Fan von intelligenter Comedy ist man bei „Big Bang Theory“ jedenfalls fehl am Platz.

 

Hier werden Stereotype und hasserfüllte Kommentare dafür genutzt, um etwas witzig zu machen. Und niemand schert sich drum. Einer der Charaktere, Raj (Rajesh Koothrappali) ist zum Beispiel immer wieder mit „Witzen“ über seine Sexualität und seine Herkunft konfrontiert.

 

 

Oder nehmen wir Penny her: Hat sie jemals einen Nachnamen bekommen? Nein. Warum auch? Sie spielt in der Serie ja ohnehin nur das Stereotyp der dummen Blondine, die zwar eine gewisse Art von Bauernschläue in sich trägt, aber nie so klug sein wird wie ihre männlichen Co-Darsteller. Und als sie dann aufs College geht, macht sie das, um ihrem Freund Leonard Hofstadter zu gefallen. Nicht für sich selbst. Ihr (kurzer) beruflicher Erfolg hat ihn sogar ganz offen eingeschüchtert.

 

Screenshot: http://www.the-big-bang-theory.net/charaktere

 

Eine weitere Szene zeigt, wie wenig sich die DrehbuchautorInnen um die Selbstbestimmtheit von Frauen in der Serie scheren: Als Penny Howard Wolowitz, den Belästiger in der Runde, zur Rede stellt, weil er sie ständig blöd anmacht, muss sie sich später dafür entschuldigen, weil er eingeschnappt ist. So viel zu "Nein heißt Nein".

 

Vergewaltigungskultur? Bei "Big Bang Theory" ein guter Witz

 

Eine Szene mit Amy Farrah Fowler ist mir ebenso besonders in Erinnerung geblieben: Sie beschwert sich darüber, dass sie auf einer Studentenparty wegen des Alkohols bewusstlos wurde und dass sie später mit mehr Kleidung auf ihrem Körper aufgewacht ist als vorher. Was genau ist hier gemeint? Dass es okay und sogar erwünscht ist, wenn Männer Frauen belästigen, die halb bewusstlos sind? Wenn ja, dann ist das einfach nur: Vergewaltigungskultur. Oder ist es einfach nur „witzig“, weil sie eine Frau ist, die nicht dem idealen Schönheitsstandard entspricht? In jedem Fall eine sehr fragwürdige Aussage. 

 

Über die sexistische Darstellung von Howards Mutter und die (negativen) Parallelen, die immer wieder zu seiner Freundin Bernadette Rostenkowski gezogen werden, müssen wir hier nicht weiter reden. Das einzig Gute ist immerhin, dass Bernadette in der Beziehung die Erfolgreichere ist –  und generell eine der komplexeren Frauenfiguren der Sendung. Insgesamt sind jedoch alle Frauen nur da, weil sie irgendeine Beziehung zu den männlichen Protagonisten haben. Weibliche Hauptrollen ohne Männerbezug? Nicht bei „The Big Bang Theory“. Hier wird mansplaint, was das Zeug hält – denn wie könnten Frauen die komplexe Nerd-Kultur sonst verstehen?

 

Frauen werden in der Serie offensichtlich exkludiert, lächerlich gemacht und stereotypisiert. Und das bei einer der beliebtesten und am längsten laufenden Serie unserer Zeit. Die 11. Staffel kann mir jedenfalls getrost gestohlen bleiben. 

 

Video:  Trumps Sexismus-Sager

Kommentare

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1 Kommentare
Gast: FanIn
21.07.2017 10:10

Eine Ode

Stereotype am laufenden Band! Richtig! Und genau diese rennen gegen Wände, Mansplainer, Dummchen, Nerds, Karrierefrauen und alle durchwandern ihre Probleme. Penny wird auf schwierigem Wege unabhängig, Leonard emanzipiert sich von seiner Kindheit, Sheldon lernt seine Gefühle zuzulassen, Howard löst sich mit seiner starken und manchmal sogar zu dominanten Frau Bernadette immer mehr von seinen Komplexen und bleibt trotzdem eine Lachnummer, wenn er davon ausgeht, dass Hausarbeit Frauensache ist. Amy erkämpft sich tiefere Freundschaft(en). Das gefällt mir an dieser Serie: Die Wege und die Wandlung der Stereotype und trotzdem bleibt ein bisschen erhalten. Für mich ein schönes überzogenes Menschsein. Auf die 11. Staffel!