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Gleichstellung: Frauen sind in Film und Fernsehen unterrepräsentiert

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Tatort-Kommissarin Maria Furtwängler hat eine Studie in Auftrag gegeben, die die Repräsentanz von Frauen in Film und TV untersucht hat. Mit dem wenig überraschenden Ergebnis: Es sind zu wenige!

Frauen sind in Film und Fernsehen unterrepräsentiert

Kulturred(Wienerin)

Wer einmal bewusst den Fernseher aufgedreht hat, konnte es eh schon ahnen: Frauen sind in Film und Fernsehen unterrepräsentiert. In einer von initiiert von Maria Furtwänglers Stiftung MaLisa, haben Wissenschafterinnen der Universität Rostock die Darstellung von Frauen in audiovisuellen Medien untersucht. Über 3.000 Stunden Fernsehprogramm und mehr als 800 deutschsprachige Kinofilme aus den letzten sechs Jahren wurden analysiert. Die Ergebnisse sind wenig überraschend, aber nicht weniger schockierend.

 

 

 

 

Die Frau in der Fernsehwelt in 5 Fakten

 

 MaLisa Stiftung Frauen sind deutlich unterrepräsentiert


1. Die Frau ist ein seltenes Wesen.
Im Schnitt kommen im deutschen Fernsehen zwei Männer auf eine Frau. In jedem dritten Programm gibt es überhaupt keine Frau. Nur Telenovelas und Daily Soaps (!) zeigen die tatsächliche gesellschaftliche Geschlechterverteilung: 52% Frauen, 48% Männer.


2. Sie definiert sich oft über ihre Beziehungen. Zu Männern.
43% der Filme bestehen den Bechdel-Test nicht – sie zeigen also keine einziges Gespräch zwischen zwei namentlich genannten Frauen, in dem sie nicht über Männer oder Beziehungen sprechen. Umgekehrt bestehen 87% den Furtwängler-Test, der die selben Kriterien bei Männern abfragt.

 

MaLisa Stiftung Je älter die Frauen, desto seltener sind sie zu sehen.


3. Ist die Frau über 35, hört sie langsam auf zu existieren.
Bis 30 kommen Frauen und Männer etwa gleich oft vor. Da ist die Frau, wie sie zu sein hat. Jung, schön und schlank. Ab Mitte 30 kommen auf eine Frau bereits 2 Männer, die Frau entspricht schon nicht mehr dem gewünschten Bild. Ab 50 ist es sowieso vorbei, da kommen auf eine Frau drei Männer. Das zieht sich konstant über alle Formate und Genres in Film und Fernsehen.

 

MaLisa Stiftung Männer erklären noch immer die Welt


4. Männer hingegen erklären die Welt.
Moderatoren, Sprecher, Experte – vor allem in der TV-Information gibt es kaum Gelegenheit zu gendern. Die überwiegende Mehrheit ist männlich. Wir sprechen mittlerweile (zum Glück!) über Aufsichtsrätinnen und weibliche Vorstandsmitglieder. Wir sollten auch über sichtbare Frauen in den Medien sprechen - sie prägen unser Gesellschaftsbild intensiv. 

 

MaLisa Stiftung Im Kinderfernsehen ist der Unterschied noch stärker.


5. Und diese Welt ist männlich. Das müssen schon Mädchen lernen.
Kindern wird genau dieses männlich-dominierte Bild weitervermittelt. Insgesamt ist nur eine von vier Figuren im Kinderprogramm ist weiblich. Besonders skurril ist das im fiktionalen Bereich. Auf eine weibliche Tierfigur kommen neun männliche!

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"Wir brauchen noch eine Frau!"

Tatort-Kommissarin und Aktivistin Maria Furtwängler hat die Studie initiiert: „Es ist wichtig zu verstehen, welches Geschlechterbild mit der enormen Wirkungsmacht des Fernsehens und Kinos transportiert wird. In anderen Ländern wird schon viel getan, um die Darstellung von Frauen und Männern auf Bildschirm und Leinwand wissenschaftlich aufzuarbeiten. Hierzulande liegen uns kaum valide Zahlen vor." Die Studienergebnisse könnten eine wichtige Grundlage für eine längst überfällige Diskussion sein. Furtwängler plant laut Edition F langfristig, eine Expertinnen-Datenbank aufzubauen, ähnlich des amerikanischen Beispiels SheSource.

 

Zur Studie

Die Studie „Audiovisuelle Diversität? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland“ wurde vom Institut für Medienforschung der Universität Rostock unter Leitung von Prof. Dr. Elizabeth Prommer durchgeführt. Gefördert haben die Untersuchung die deutsche Medienunternehmen ARD Degeto für die ARD, das ZDF, die Film und Medien Stiftung NRW, ProSiebenSat.1, den FilmFernsehFonds Bayern (FFF Bayern), die Filmförderungsanstalt (FFA), die Mediengruppe RTL Deutschland und die MaLisa Stiftung.


Das könnte weiterhelfen. Die TV-Journalistin Johanna Maria Knothe schreibt in einem Gastbeitrag auf jetzt.de von einem bekannten Sexismus-Problem in den Fernsehredaktionen. Obwohl die Redaktionen zwar durchwegs durchmischt sind, sind es meist die Männer, die bestimmen, wie eine Geschichte erzählt wird. Frauen als Expertinnen werden oft nur zur leidigen Quotenerfüllung mitgedacht, á la „A Frau brauch' ma a noch!“ und müssen viel größere Hürden überwinden, um überhaupt wahrgenommen zu werden oder werden bewusst in sexistisch motivierte Situationen gedrängt - wie es ihr selbst bei Jan Böhmermann geschehen ist. Oft wollen Frauen einfach gar nicht in die Sendung kommen, klagt eine Redakteurin des Neo Magazins laut Knothe. Und Edition F wundert sich über diesen Unwillen kein bisschen.

 

Wir sehen das ähnlich. Es ist nicht nur die schlichte Unterrepräsentation der Frau in Film- und TV-Formaten. Es ist auch der sexistische und klischeehafte Umgang mit weiblichen Akteurinnen, der sich ändern muss.

 

 

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