< Zur Mobilversion wechseln >

Kritik: Wonder Woman: Der Beweis dafür, dass Feminismus sexy und erfolgreich sein kann

von

100 Millionen Dollar hat "Wonder Woman" an seinem ersten Wochenende in den USA an den Kinokassen eingespielt und den Action-Film damit zum erfolgreichsten Film gemacht, der jemals von einer Frau produziert wurde. Grund für uns, den Film anzusehen und herauszufinden, was hinter dem Hype um die Comic-Verfilmung steckt.

KulturArnika Zinke(Wienerin)

75 Jahre dauerte es, bis sich seit der Comic-Erscheinung jemand an "Wonder Woman" heranwagte. Regisseurin Patty Jenkins hat es nun endlich getan und damit überraschend einen Sensationserfolg gelandet, der ab morgen in den österreichischen Kinos zu sehen ist.

 

Die Hauptrolle spielt die bisher unbekannte Israelin Gal Gadot, ehemalige Miss Israel, die zum ersten Mal in einem großen Hollywood-Blockbuster in einer Hauptrolle zu sehen ist. 

Worum geht's?

"Wonder Woman" erzählt die Geschichte von Halbgöttin Diana, aufgezogen von den kriegerischen Amazonen, die auf der mythischen (nur von Frauen bewohnten) Insel Themyscira irgendwo in der griechischen Ägäis zur ultimativen Kriegerin ausgebildet wird. Eines Tages verschlägt ein Flugzeugabsturz den amerikanisch-britischen Soldaten Steve Trevor (Chris Pine) auf die Insel. Er erzählt den Amazonen, die abgeschieden von der Außenwelt leben, von seiner Heimat, die "vom schlimmsten Krieg, den er je gesehen hat" heimgesucht wird (dem Ersten Weltkrieg). Diana, die in Kriegsgott Ares den Auslöser des Krieges weiß, sieht in der Rettung der Menschheit vor Ares ihre Bestimmung und beschließt mit Trevor nach London zu segeln, von wo aus sie Ares finden und den Krieg beenden will. Mit der Unterstützung von Trevors Freunden begibt sich Diana von London aus an die belgische Front, wo sie mit ihren Superkräften gegen die deutschen Mächte (angeführt vom deutschen General Ludendorff und der Wissenschaftlerin Dr. Maru) kämpft und schließlich auf ihren Widersacher Ares trifft.

via GIPHY

 

Der Film ist geprägt von anspruchsvollen Kampfszenen, die technisch beeindruckend (mit ganz viel Slow Motion) umgesetzt wurden. Allen voran die ersten 45 Minuten des Films (die wohlgemerkt ohne einen einzigen männlichen Charakter auskommen) eröffnen eine bisher unbekannte Bild- und Erlebniswelt: Kämpfende Amazonen, die stark und anmutig zugleich gegen- und miteinander in den Krieg ziehen - das könnte man gerne öfter auf der Leinwand zeigen. Kleines Highlight für alle "House of Cards"-Fans dürfte auch der Auftritt von Dianas kriegerischer Tante (gespielt von Robin Wright) sein, die als befehlshabende Amazone zu Pferd und an Land eine bisher unbekannte Seite von sich präsentiert (die in kaum größeren Kontrast zur Rolle der Claire Underwood stehen könnte). 

via GIPHY

 

Die kämpfenden Amazonen sorgten beim Publikum im Übrigen nicht nur für Erstaunen, sondern auch emotionale Ausbrüche. So schrieben viele Twitter-NutzerInnen nach dem Film, sie wären während "Wonder Woman" in Tränen ausgebrochen. Nicht aber, weil der Blockbuster so kitschig-emotional auf die Tränendrüse drückt - sondern, weil die anmutigen Kampfszenen der Amazonen ein bildgewaltiges Filmerlebnis verkörperten, wie viele es selten zuvor gesehen haben. 

Wonder Woman: Vom männlichen Phantasieobjekt zur weiblichen Emanzipations-Figur

Erschaffen in den dreißiger Jahren vom Feministen William Moulton Marston, wurde Wonder Woman als Comic-Figur seit 1941 zum Sex-Objekt hochstilisiert.

Doch während Lynda Carter in der Serienverfilumg von "Wonder Woman" aus den 1970ern noch als Phantasieobjekt männlicher Bergierde  inszeniert wurde, legt man in der jetzigen Verfilmung großen Wert auf Gadots Rolle als starke Kriegerin. Zwar fällt auch diesmal Dianas "Rüstung" knapp aus - in vielerlei Hinsicht passen die Kostüme aber zum mythologischen, mediterranen Setting auf der griechischen Amazoneninsel. (Ganz abgesehen davon, dass auch die Körperteile der männlichen Protagonisten in den bisherigen DC-Comics gut und gerne ungeniert in Szene gesetzt wurden.)

via GIPHY

Der Feminismus ist in der Comic-Welt angekommen – ein bisschen zumindest

Mit Gal Gadot hat man für Wonder Woman 2017 statt einer fragilen Frauenstatur mit übernatürlich gepushten Brüsten eine trainierte Kämpferin gecastet, die zwar äußert attraktiv ist - aber im Film nicht darauf reduziert wird. Vielmehr ist es ihr einfühlsamer Charakter, der heraussticht bzw. ihr Mut und ihre Stärke, die auch von den männlichen Figuren bewundert werden.

Überhaupt sind die männlichen Charaktere anders, als man es bisher von Comic-Verfilmungen gewohnt ist. Konversationen finden auf Augenhöhe statt, statt männlichem Machogerede und Brunftgehabe dürfen die männlichen Nebendarsteller selbstverständlich ihre verletzliche Seite zeigen. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ein Actionfilm das fragile Konzept von Männlichkeit hinterfragt?

via GIPHY

 

Dianas naive Art, die vollkommen ahnungslos vom patriarchal-geprägten Gesellschaftsystem Anfang des 20. Jahrhunderts aufgewachsen ist, erlaubt einen erfrischend neuen Blick auf das Verhältnis und Zusammenspiel von Frau und Mann. Drehbuchautor Allan Heinberg (Grey's Anatomy) spielt gekonnt mit Geschlechterklischees ("Warum kämpfen die Frauen nicht?") und macht aus der Annäherung zwischen Gadot und Pine ein amüsantes Zuschauererlebnis, das ganz anders ist, als alle peinlichen Flirtversuche, die wir bisher aus Hollywood-Filmen kannten. Und ausgerechnet in Chris Pine, der bisher nicht gerade als Feminist der ersten Stunde auffiel, hat man für die Rolle des Soldaten Steve Trevor einen überraschend lustigen Darsteller gefunden, der mit Dianas naiver Unwissenheit und gleichzeitiger Stärke auf amüsante Weise perfekt harmoniert. 

Und so geschieht es, dass aus dem vermeintlichen plumpen Action-Streifen eine sehr unterhaltsame Verfilmung wird, die mit viel mehr als "nur" beeindruckenden Actionszenen und gaaanz viel Hollywood-Pathos punkten kann.

Kino: 4 Filme mit Frauenpower, die Sie sehen müssen

Alle 4 Bilder anzeigen »

Unser Fazit

"Wonder Woman" zeigt, dass die Zukunft der Action Filme nicht mehr nur Männern vorbehalten ist, die mit schönen Frauen (ohne Sprechzeit) am Arm die Welt retten wollen. Die Comicverfilmung hat Hollywood ein völlig neues Genre eröffnet, das es nun zu nutzen gilt und in Zukunft wohl dafür sorgen wird, dass wir ganz viele starke Frauen in vielschichtigen Charakterprägungen über die Leinwand laufen sehen werden.

Einziger Kritikpunkt: Von Gadot abgesehen, herrscht im Film leider wenig Vielfalt. Die wenigen Charaktere, die nicht den typisch-westlichen Schönheitsidealen entsprechen, werden leider weiterhin in klischeehafte Rollen gesteckt und spielen im Film nur untergeordnete Rollen. Hier wäre etwas Diversität möglich und wünschenswert gewesen.

 

Kommentare

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen