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Tonic Immobility: Neue Studie klärt, warum sich Vergewaltigungsopfer nicht "wehren" können

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Die Ergebnisse der Studie könnten zukünftige Gerichtsverhandlungen wesentlich beeinflussen. Denn noch immer wird passives Verhalten der Opfer vielfach als stille Zustimmung ausgelegt.

Tonic Immobility

KulturRed.(Wienerin)

Bisher war es für viele Vergewaltigungsopfer schwer zu beweisen, dass ein sexueller Übergriff gegen sie stattfand, wenn sie sich nicht "aktiv" gegen den Täter wehren konnten. Was in Gerichtsverhandlungen bisher oft gegen das Opfer ausgelegt wurde, könnte in Zukunft aber für sie sprechen. 

Denn wie WissenschaftlerInnen des schwedischen Karolinska Institutes herausgefunden haben, ist die Unfähigkeit sich zu wehren oft direkt mit einem traumatischen Erlebnis verbunden - und daher ein Indiz dafür, dass gegen den Willen des Opfers gehandelt wurde.

Temporärer Zustand physischer Bewegungsunfähigkeit

Die ExpertInnen beschreiben dieses Phänomen als "tonic immobility" (dt: tonische Bewegungslosigkeit). Ein temporärer Zustand, der physische Bewegung blockiert und unfreiwillig die Fähigkeit der Motorik in Angstsituationen hemmt. 

 

Studienautorin Anna Möller erklärt gegenüber dem Magazin Broadly: "Was bisher als passive Zustimmung [von den Gerichten, Anm.] interpretiert wurde, ist sehr wahrscheinlich eine normale und erwartbare biologische Reaktion auf eine überwältigende Bedrohung". 

Wie die Studie erklärt, ist die tonische Bewegungslosigkeit kein Phänomen, das selten auftritt. Von den 298 untersuchten Frauen gaben 70 Prozent an, unter "signifikanter" Bewegungslosigkeit gelitten zu haben, 48 Prozent sogar unter "extremer" Immobilität. 

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Zusammenhang von Bewegungslosigkeit und mentalen Folgekrankheiten

Die untersuchten Probandinnen waren in der "Emergency Clinic for Rape Victims" in Stockholm innerhalb eines Monats nach dem sexuellen Übergriff von den ForscherInnen für die Studie befragt wurden. 189 von ihnen wurden anschließend für eine sechsmonatige Untersuchung hinsichtlich ihres psychischen Zustands nach dem Übergriff untersucht. 38 Prozent von ihnen hatten schließlich mit posttraumatischer Belastungsstörung bzw. 22 Prozent sogar mit schwerer Depression zu kämpfen. Die WissenschaftlerInnen schließen daraus, dass Opfer, die tonische Bewegungslosigkeit erlebten, deutlich öfter unter psychischen Krankheiten als Folge des Übergriffs litten. 

 

Die Studie würden den AutorInnen zufolge beweisen, dass  tonische Bewegungslosigkeit  deutlich öfter vorkommt, als bisher angenommen. Die neuen Informationen könnten vor allem auch in der Ausbildung von Jus- und Medizin-Studierenden hilfreich sein und einen neuen Aspekt in gerichtlichen Verhandlungen eröffnen. 

 

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