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Meinung: Warum 'Moonlight' nicht der beste Film aller Zeiten ist, aber ihr ihn trotzdem sehen solltet

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Moonlight hat am Ende doch noch den Oscar gewonnen und das ist auch richtig gut so.

KulturTeresa H. (Wienerin)

Wir alle erinnern uns an den Moment bei der Oscar-Verleihung, als der Produzent von La La Land zum Mikro ging und sagte "Es gab einen Fehler. Moonlight, ihr habt gewonnen. Moonlight, bester Film!" Die Szene wurde durch alle Social Media-Kanäle  auf- und abgespielt und war das Sahnehäubchen nach einer langen Diskussion. La La Land war der große Oscar-Favorit - auch in der Königskategorie "Bester Film". Der Film hat eine riesige Fangemeinde, doch einige Kritikerinnen hofften unerbittlich auf einen überraschenden "Moonlight"-Sieg.

 

Welche Botschaft sendet ein Film? 

Schon vorab stellten viele den gesellschaftlichen Mehrwert von "La La Land" in Frage: Sollte im Jahr nachdem Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten wurde und rassistische Strömungen in den USA so stark wie lange nicht mehr präsent sind, Hollywood wirklich die Botschaft aussenden, dass eine Geschichte über zwei verliebte Träumer in Hollywood die meiste Aufmerksamkeit verdient? 2017 waren mit "Fences", "Hidden Figures" und "Moonlight" so viele schwarze Künstler und Künstlerinnen wie noch nie nominiert. Alle diese Filme erzählen Geschichten, die selten von etablierten Institutionen wahrgenommen oder honoriert werden. Sie erzählen Geschichten von überhörten Stimmen. La La Land ist das Gegenteil davon: Es erzählt die typische Geschichte der Unterhaltungsindustrie, die sich selbst feiert. Es ist eine nostalgische Hommage an das klassische Hollywood: weiß, heterosexuell, privilegiert, glamourös. Er ist ohne Frage ein gut gemachter Film, aber das ist Moonlight auch - und zwar mit einem Bruchteil des Budgets. 

 

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Schwarze Männlichkeit im Miami-Ghetto

Moonlight erzählt in drei Teilen die Geschichte vom homosexuellen Chiron, und beschreibt dabei das schwierige Konzept schwarzer Männlichkeit im Drogenghetto von Miami. Wir erleben Ausschnitte aus seiner Kindheit, seiner Jugend und treffen ihn dann als Erwachsenen wieder. Am Ende bleibt man mit dem Gefühl zurück, mehr von Chiron erfahren zu wolllen. Die knappen zwei Stunden vergehen schnell und dennoch fehlt ein bisschen etwas. Der Protagonist ist kein Mann großer Worte und durch die Zeitsprünge geht der Film nie wirklich in's Detail. Was er aber definitiv tut: Er bleibt im Kopf und wirkt ziemlich lange nach.

 

Mehr wichtig als gut und trotzdem schön 

Je mehr Abstand man zu dem Film gewinnt, desto mehr kann man hinnehmen: Vielleicht muss man gar nicht so viele Details zu Chirons Gedanken kennen, damit der Film Sinn macht. Es ist ein bildgewaltiges Gedicht, dass einem Einblick in eine Lebenswelt gibt, die man sonst nicht kennen würde. Es zeigt schwarze Amerikaner ausnahmsweise überhaupt nicht in ihrer Beziehung zu Weißen - es kommt sogar kein einziger weißer Charakter vor. Das Weglassen der Unterdrückungs- und Rassismuserzählungen bietet Raum für das Entfalten anderer Aspekte afroamerikanischer Lebenswelten: Schwierige Bilder von Männlichkeit, Homosexualität, Verantwortung und Vertrauen zu Bezugspersonen.

 

Die Rolle von Kino in Zeiten von Trump 

Moonlight mag nicht der beste Film sein, der je gemacht worden ist, dafür fehlt es ihm etwas an Tiefe in der Charakterentwicklung. Aber der Film hat eine lyrische Qualität, über die man noch lange nachdenken muss. Außerdem zeigt er wahrlich wenig beleuchtete Lebensrealitäten und Stimmen. Und gerade in Zeiten, in denen Angst, Gewalt und Verständnislosigkeit gegenüber dem "Anderen" politisch so präsent sind, haben Kunst und Kino eine Verantwortung darüber, welche Botschaften sie aussenden. Und wenn das auf so poetische Weise wie in Moonlight passiert, umso besser.

 

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