< Zur Mobilversion wechseln >

Festival: So überlebt man das Novarock mit Ende 30

von

Fotoredakteurin Angelika Goldmann, 37, stürzt sich ins Abenteuer Festival und sieht für die WIENERIN nach, wie man Spaß hat und trotzdem mit Würde und Anstand wieder heim kommt.

KulturAngelika Goldmann (Wienerin)

Eine höhere Macht wollte meinen Novarock Besuch 2016 sabotieren. Soviel steht fest. Zu viel Arbeit, eine Bronchitis und dann noch eine Migräneattacke. Jedoch weiß ich mittlerweile, ich bin jetzt in dem Alter, wo es der Rock'n'Roll wieder gut macht!

Angelika Goldmann

Gesagt, getan und mit dem Auto Richtung Pannonia Fields gedüst. Schon von weitem hört, riecht und fühlt man es – ein lebendiger Riesenorganismus in der österreichischen Steppe. Die Müllberge sind bereits jetzt gigantisch, leere Wodkaflaschen glänzen in der Sommersonne und ungewaschene Barfuß-Zombies mit Cowboyhüten kreuzen meinen Weg. Es ist sauheiß und die Gewitterwolken im Anrollen.

Wie überlebt man das eigentlich? So ein Rockfestival mit Ende 30? Vor allem mit Anstand und Würde?

Angelika Goldmann

 

Tipp 1) Habe Freunde vor Ort, die einen VW Bus oder Ähnliches besitzen.

Ich habe solche Freunde. Es ist eine Freude. Bei Ankunft erwartet mich bereits mein persönlicher Roadie Andreas, 43, mit einem eiskalten Radler. Vom Festivalgelände dröhnen die Bässe herüber und nach einer Runde chillen geht’s dann ausgeruht hinein in den Mob.

Angelika Goldmann

 

Tipp 2) Sei Journalist, dann darfst du in den Pressebereich.

Ein Segen. Hier gibt’s immer kühle Getränke, Sitzgelegenheiten, spannende Gesprächspartner und hin und wieder einen leibhaftigen Rockstar zu bestaunen. Last but not least: Es gibt ein schönes stilles Örtchen mit fließendem Wasser. Wer viele Minuten vor und in Mobilklos auf Festivals verbracht hat, weiß, warum dieser Punkt hier besonders erwähnt wird. In so einem Teil ohnmächtig zu werden oder gar damit umzufallen (umgefallen zu werden…) – nicht auszudenken.

Bist du kein Journalist, check dir ein VIP Ticket. Ähnlicher Effekt. Im VIP Camping geht es elitärer zu als beim gemeinen Zeltpöbel. Trotzdem kotzt dir gerne mal jemand vor dein Zelt. Wünscht du dies nicht, sei auf der Hut und beobachte deine Nachbarn.

Tipp 3) Du bist alt genug deinen Alkoholkonsum zu dosieren. Nutze diese Macht.

Mittlerweise hat man herausgefunden, was geht und was nicht. Die meisten von uns End-Dreißigern zumindest. Und eigentlich kommt man doch wegen der Musik und will diese auch sehen und hören, quasi erleben. Von ER-leben kann bei vielen Mitmenschen oftmals nicht die Rede sein. Da muss man froh sein wenn sie ÜBER-leben. Regelmäßige Nahrungsaufnahme und Wasser trinken helfen. Look and learn.

Tipp 4) Care for each other.

Damit meine ich nicht „Titten für Burger“ oder umgekehrt sondern mehr freundschaftlich-soziale Dienstleistung. Schaut`s aufeinander!

Angelika Goldmann

Tipp 5) Die Schlafplatzwahl

In jungen Jahren kam schnell mal wer ins Zelt gekrochen. Oder man selbst kroch wo hinein. Nicht immer geschah dies zur Freude der sich bereits darin befindenden Personen. Merke: Kümmere dich rechtzeitig um eine alternative Unterkunft. Von Hotelzimmer bis VIP Zelten gibt es viele Optionen. Ich hab's mir mit Sonnenliege und Schlafsack im Vorzelt der VW Bus Freunde gemütlich gemacht.

Angelika Goldmann

Hier muss ich festhalten, es gibt Experten, was das Überleben bei Festivals jenseits der 30 angeht. Mein Freund Georg, 38, ebenfalls VW-Bus-Besitzer, ist heuer zum 12. Mal beim Novarock dabei. Er hat noch nie eines ausgelassen! „Die ersten vier Male habe ich im Zelt geschlafen, dann bin ich nur noch mit dem VW Bus gekommen.“ Das Partyzelt vor dem Bus spendet vorsorglich Schatten, aus den Boxen dröhnt laute Beschallung. Gäste willkommen. Die Vorräte an Bier & Co reichen auch noch für das nächste Festival und sind gut gekühlt, für kalte Tage wären sogar 2l Glühwein dabei. Und ein aufblasbarer Pool wartet nur auf einen potentiellen Einsatz an heißen Festivalsommertagen.

Aber was muss nun wirklich mit? Was darf niemals fehlen? Was ist das wichtigste Utensil?

Für Georg ist es ganz klar: „Feste Schuhe, Regenschutz und feuchtes Toilettenpapier.“ Auch meinen anderen Freunden und diversen befragten Personen jeglichen Alters sind Deo und Toilettenpapier sehr wichtig.

Ich bin auf der Suche nach den Musikern. Ich frage auch dort nach. Wer im Musikbusiness drin ist, hat sicher Tipps für mich.

Im Pressbereich erwische ich ein Gespräch mit dem österreichischen Hip Hopper Chakuza und erfahre nicht nur von seinem neuen Album „Noah“, gerade bei Sony Music erschienen, sondern auch von seinem neuen Leben in Bayern und seiner geringen Begeisterung für Trubel, und eben Festivals. Der sympathische Mitt-Dreißiger, der gerne mal als wortkarg und spröde bezeichnet wird (Anmerk. Wikipedia), es aber gar nicht ist, hat immer ein Kissen dabei. „Damit kann ich überall schlafen, das habe ich im Bus dabei, für den Nacken! Und für alle anderen: feuchtes Toilettenpapier und Mundspülung.“

Die Burschen der härteren Rockpartie LIAN, ebenfalls mit einem neuen Album namens „LIAN“ im Gepäck, erweitern meinen Festivalhorizont bezüglich Must Have um die Sonnencreme. Und ja, die ist nötig! Auf dem gesamten Festivalgelände liegen lauter krebsrote Personen herum. Ebenso mitzubringen seien „Aspirin und ein Gatorade für den nächsten Morgen“ meint Bassist MJ. Sonnenbrille, egal ob bei Sonne oder Regen, Zahnseide und auch Gummistiefel wären dann noch bei Phil und Frank auf der Liste.

Angelika Goldmann

 

Die ultimative Festival-Überlebensliste:

Es schadet also nicht, folgendes für den Festivalmarathon mitzubringen:

  • Feuchte Tücher/Toilettenpapier
  • Sonnencreme
  • Feste Schuhe
  • Regenschutz
  • Warme Kleidung
  • Deo
  • Handdesinfektionsmittel
  • Wasser
  • Pflaster
  • Aspirin
  • Isotonisches Getränk

 

Das sind alles wunderbare Dinge, die beim Überleben am Festivalgelände nützlich und hilfreich sind. Nichts desto trotz hilft das alles nichts, wenn die Attitude nicht passt. Man muss es wollen! Und genießen können. Da spielt das Alter keine Rolle. Also drauf einlassen und mitmachen! Der Festivalsommer hat gerade erst angefangen!

Angelika Goldmann

 

P.S.: Auf was kannst du unter keinen Umständen verzichten wenn du auf ein Festival fährst? Was ist immer dabei?

 

Kommentare

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

1 Kommentare
Gast: Anne 86
14.06.2016 12:07

Vip?

Du warst ja VIP,oder ?!