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Interview

"Ich bedauere, dass die 'Grünen' die Werte der klassischen Trachtenmode nicht erkannt haben"

von

Die österreichische Trachtenikone Gexi Tostmann im Interview über Tradition, Werte und den politischen Stellenwert des Dirndls.

89 J�gerball Wien Hofburg 25 01 2010 Gexi TOSTMANN Anna TOSTMANN

KulturArnika Zinke(Wienerin)

Frau Tostmann zählt in Österreich zu den wichtigsten Expertinnen und Koryphäen rund um heimische Trachtenmode. Neben ihrer unternehmerischen Tätigkeit als Chefin von Tostmann Trachten, setzt sich Tostmann, die ihre Dissertation der Wechselwirkung von Tracht und Mode in Österreich widmete, für Friedensbewegungen und Bürgeriniativen ein.

Gemeinsam mit ihrer Tochter Anna Tostmann rief sie den Emilie-Flöge-Preis und den Konrad-Mautner-Preis ins Leben, der seit 2006 alle zwei Jahre einen "Botschafter der Tracht" kührt.

Gexi Tostmann erhielt in den letzten Jahren zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 2008 das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und veröffentlichte seit 1998 vier Bücher.

(c) imago/SKATA (imago stock&people) Wien, 2007 Jägerball Dirndl Gexi TOSTMANN mit Tochter Anna

(c) imago/SKATA (imago stock&people) Wien, 2007 Jägerball Dirndl Gexi TOSTMANN mit Tochter Anna

 

Was die vielbeschäftigte Unternehmerin von "Partydirndln" hält und ob sie das Dirndl für frauenfeindlich hält, hat sie uns im Interview exklusiv verraten:

Dieses Wochenende ging in München das Oktoberfest zu Ende. Was für Unterschiede gibt es eigentlich zwischen bayrischen und österreichischen Dirndln?
Ursprünglich gab es keine großen Unterschiede zwischen österreichischen und bayrischen Dirndln. Anfangs bestand das Dirndl aus einem einfachen Leiblkittel aus Baumwolle oder Leinen als Arbeitsgewand. Darunter trug man manchmal ein Ärmelhemd, darüber ein Schurz und bei Kälte einen Schlawanker (=Dirndljacke).
Erst später, im 19./20. Jahrhundert, wurden die bayrischen Dirndl immer prachtvoller.

 

Das heißt, man kann sagen, dass österreichische Dirndl ein wenig schlichter und einfacher sind?
Richtig. In Bayern wird viel mehr mit Rüschen, Blumenschmuck und Verzierungen gespielt.

 

Tracht ist ein sehr wichtiger Bestandteil der österreichischen Heimat und Tradition. Was bedeuten diese Worte für Sie?
Tradition heißt für mich die Vergangenheit mit Zukunft zu verbinden.
Heimat hingegen vermittelt für mich persönlich eine gewisse Geborgenheit dank meiner Freunde, Familie und Sprache.

 

Das Wort Tradition wird gerne auch in einem nationalistischen Kontext verwendet. Oft geht mit diesen Einstellungen ein konservatives Frauenbild einher. Was halten Sie davon?
Der Begriff Tradition kann natürlich auch im nationalistischen Kontext verwendet werden - aber es gibt anarchistische, religiöse, monarchistische Traditionen. Es ist ein sehr breit gefächertes Wort, das nicht unbedingt mit konservativen Einstellungen einhergeht. Es gibt beispielsweise auch Familien- oder Kulturtraditionen.

 (c) imago/Viennareport (imago stock&people) Jägerball 2015 Heinz Christian Strache Johann Gudenus 26 01 2015 Wien Hofburg 94 J�gerball s

(c) imago/Viennareport (imago stock&people) Jägerball 2015 Heinz Christian Strache Johann Gudenus 26 01 2015 Wien Hofburg 94 J�gerball s

Kann das Dirndl dann trotzdem noch feministisch sein?
Das Dirndl ist wahrscheinlich selten feministisch - die Trägerin kann es sein - aber ob das mit dem Dirndl unbedingt zusammenhängt weiß ich nicht, denn das Dirndl kann unglaublich viele unterschiedliche Signale verschicken.

 

In einem Interview mit der Welt meinten Sie: „Ich mag ich es auch nicht, wenn rechte Politiker Trachten tragen und sie damit stigmatisieren. Die Einzigen, bei denen es passen würde, wären die Grünen.“
Ich bedaure es seit Jahrzehnten, dass die Grünen die (inneren) Werte der klassischen Trachtenmode nicht erkannt haben: Es ist kein Wegwerf-Produkt, wunderbar zeitlos, in kleineren (Hand-)Werksbetrieben erzeugt, besteht aus Naturfaser, und ist nachhaltig und ökologisch überschaubar.

 

Mittlerweile ist Tracht, gerade im deutschsprachigen Raum sehr kommerziell geworden. Viele junge Frauen tragen das Dirndl eigentlich nur mehr als Partyoutfit und nicht mehr aus traditionellen oder heimatverbundenen Gründen – stört Sie das?
Ich finde es schön, dass heute Dirndln vor allem für vergnügliche Anlässe getragen wird. Dass sie mir nicht immer gefallen, ist eine andere Sache.

 

Auch sehr viele internationale Modefirmen, beispielsweise Chanel, spielen mit trachtigen Elementen, ein gutes Zeichen?
Ich finde das toll! Vor allem spricht das Thema und der Stil nun auch einen breiteren Kreis an und noch dazu vor allem die Jugend, das freut mich sehr.

Catwalkpix Chanel Metiers D'Arts 2014

Catwalkpix Chanel Metiers D'Arts 2014

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