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Kolumne: Wie schwer kann es bitte sein, einen Tisch in Wien zu reservieren?!

von

Kolumnistin Olivia Peter wollte einfach nur brunchen gehen. Spontan? In Wien? Vergessen Sie's!

KochenOlivia Peter(Wienerin)

Meistens tut man schon ewig rum, um mit Freunden Termine für ein Treffen zu finden. Immer hoffend, dass nicht in allerletzter Sekunde ein Absage-SMS kommt. Wenn es einem aber auch noch die Lokale schwer machen, wird ein simpler Brunch plötzlich zur Mission impossible.

Ich will einfach nur was essen!

Wie bringt man einen Wiener Kellner am besten dazu, herzhaft zu lachen? Indem man ihn am Freitagabend nach einem Tisch für den Brunch am Wochenende fragt. Nein, wir sprechen nicht von einer Tischreservierung in einer der Weltmetropolen wie London, Paris, Mailand oder New York.

Nein, wir sprechen nicht vom Besuch eines In-Lokals, in dem ohne wochenlange Wartezeit sowieso nichts geht. In einem hundsordinären Café würde ich gerne reservieren. Für vier Personen. Zum Frühstück, wie man das "Brunchen" nannte, bevor Bobostan in Wien Einzug hielt und als Hipster noch in Büros saßen, anstatt ihr "Outof-the-box-Thinking" am Wochenende ins Café zu verlegen und dort, stundenlang an einem laktosefreien Chai Latte nippend, ein wenig "Teleworking" zu machen.

 

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Eine Reservierung so schwer zu bekommen wie Karten für die Festspiele

Ein Buttersemmerl, ein weiches Ei und einen halbwegs trinkbaren Kaffee. Das hätte ich gerne. Für mich und meine Freunde. Irgendwo in Wien. Ich habe keine Laktose-, Fructose-und Glutenunverträglichkeit. Ich habe keine Hundeallergie. Und auch keine gegen Kinder. Es ist mir egal, ob ich neben den Toiletten oder beim Fenster sitze, im Garten oder drinnen. Bin also unterm Strich ein pflegeleichter Gast. Unverträglichkeiten entstehen bei mir nur dann, wenn eine Tischreservierung in etwa so schwierig wird, wie Karten für die Salzburger Festspiele zu ergattern.

 

Ich bin echt nicht der Typ "Früher war alles besser", aber warum plötzlich so ein Tanz um ein bissl Kaffee, ein bissl Frühstücken und ein bissl Mit-Freundendas-Wochenende-Genießen? Klar, es versprüht schon sehr das Flair von Weltstadt, wenn dich die Kellner beim Reservieren per Telefon entweder auslachen, fragen, ob das dein Ernst sei, oder schlicht mit einem "Samstag?!? Unmöglich!" antworten, aber nach 15 (!) Absagen nervt's auch irgendwie. Spießer nannten wir früher die, die am Sonntagabend notiert haben, was sie die Woche über essen wollen. Hotels, die uns bei der Ankunft einen Speiseplan vorgelegt haben, welche Menüs wir während der verschiedenen Urlaubstage zu uns nehmen wollen, waren "oldschool" und "wäääh". Aber am Montag muss ich wissen, dass ich am Wochenende in zwei Wochen gerne brunchen will?

 

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Hab die Freunde dann einfach zu mir nach Hause eingeladen. Leider konnten sie nicht zwischen fünf verschiedenen Siruparomen wählen, nicht entscheiden, ob sie lieber "Cold Brew" oder die "Limited-Edition-Röstung der Woche" trinken wollen, und der Milchschaum war vielleicht nicht ganz so perfekt wie im Café, aber zu viel Schaumschlägerei ist halt auch nicht meins. Weder beim Kaffee noch beim Brunchen.

 

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