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Unbezahlte Arbeit: „Hausarbeit ist leider immer noch Frauensache“

von

Putzen, Staubsaugen und die Pflege von Angehörigen. Katharina Mader forscht zu einem Thema, das uns alle betrifft: die unbezahlte Arbeit.

JobDenise Grill(Wienerin)

"Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann." – Diese Songtextzeile aus den 70ern spiegelt auch 2018 noch wider, wie es um die Verteilung von unbezahlter Arbeit in Österreich steht. Die Ökonomin Katharina Mader beschäftigt sich damit, wie es zu einer fairen Aufteilung kommen könnte.

 

WIENERIN: Warum haben Sie begonnen sich mit unbezahlter Arbeit auseinanderzusetzen?

Katharina Mader: Unbezahlte Arbeit wird häufig als selbstverständlich gesehen, dabei wirkt sie sich auf so vieles aus. Zum Beispiel in welchem Anstellungsverhältnis eine Frau ist und wie viel Einkommen sie hat. Dies wiederum hat Auswirkungen auf ihr Vermögen und die Entscheidungsmacht innerhalb einer Familie. Das ist ein Teufelskreis, der für mich bei der Aufteilung von unbezahlter Arbeit beginnt. Deshalb finde ich diesen Bereich so spannend.

 

Die beiden Regierungsparteien vertreten ein sehr konservatives Frauenbild. Das sehe ich total problematisch.
Katharina Mader

 

Hat sich 2018 diesbezüglich noch immer nichts getan?

Naja, Frauen übernehmen nach wie vor 2/3 der unbezahlten Arbeit. Männer machen im Gegensatz zu den 80er Jahren zwar viel mehr, trotzdem sind es stereotyp unterschiedliche Arbeiten, die Frauen und Männer unbezahlt machen. Die plakativsten sind Kochen und Kinderbetreuung und Reparaturen und Gartenarbeit. Solche Unterschiede sind noch immer präsent.

 

Woher kommen diese Unterschiede?

Es gibt branchenspezifische und hierarchische Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Bei den Branchen spielt Sozialisation eine große Rolle. Bereits Kinder werden nach ihrem Geschlecht in bestimmte Rollen gedrängt.

 

„Arbeit, die wir aus Liebe tun, ändert sich ja auch nicht, nur weil wir es als Arbeit bezeichnen. Dann macht es das sogar wertvoller.“
Katharina Mader

 

Diese Rollenbilder wirken sich laut Ihnen auch auf die Erwerbsarbeit aus.

Genau. Denn viele Bereiche der unbezahlten Arbeit wurden in den letzten Jahrzehnten in bezahlte Arbeit umgewandelt. Genau diese Berufe wurden typische, meist schlecht bezahlte Frauenberufe. Aber es sind auch genau diese Jobs, die es anderen Frauen ermöglichen erwerbstätig zu sein: Die Kindergartenpädagogin, die Reinigungskraft, die Pflegerin.

 

Jetzt kann sich aber nicht jede(r) eine Reinigungskraft oder Kinderbetreuung leisten. Die Reinigungskraft muss zu Hause ja auch putzen oder?

Genau. Und deshalb entwickeln sich oft lange Care-Ketten. Denn diese Frauen holen sich dann wieder Hilfe bei ihren Müttern oder anderen Verwandten und Bekannten. Und das geht immer so weiter.

 

Wie könnte sich diese Negativspirale ändern?

Da gibt es mehrere Möglichkeiten:

Der Markt: Ich halte den Markt aber für keinen fairen Platz dafür. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass schlecht bezahlte, ausbeutende Jobs entstehen, ist sehr groß. So würde eine neue Hierarchie zwischen Frauen, die es sich leisten können, und Frauen, die dann für andere Frauen arbeiten müssen, entstehen.

Der Staat: Der Staat war lange eine große Unterstützung in diesen Bereichen. Leider wird seit den 2000er Jahren sehr stark gespart und ich fürchte, das wird nun auch wieder auf uns zukommen. Leider gibt es keine große Lobby, die schreit.

Alles stehen und liegen lassen: Die Möglichkeit es gar nicht zu tun. Das ist in unterschiedlichen Ausprägungen möglich. Bei Staubsaugen ist es eher möglich als beim Füttern eines Kindes zum Beispiel.

Faire Aufteilung: Und dann gibt es noch den Lösungsvorschlag, es privat anders zu verteilen. Würde die unbezahlte Arbeit zu Hause besser verteilt werden, hätten entweder beide einen Wettbewerbsnachteil oder niemand von beiden. Und dann wird es auch irgendwann ganz normal sein.

30-Stunden-Woche: Der Best Case wäre eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich. Das Menschen mit dem Einkommen von 30 Stunden auskommen und sich in der übrigen Zeit die unbezahlte Arbeit gleich aufzuteilen. Ich glaube aber nicht, dass Arbeitszeitverkürzung automatisch eine Umverteilung der unbezahlten Arbeit bringt, aber ich denke, dass es eine notwendige Voraussetzung ist, damit sich überhaupt etwas ändern kann. Dazu braucht es aber auch noch Gleichstellungsspezifische Maßnahmen, weil wenn beide weniger Erwerbsarbeitszeit haben, kann das ja auch heißen, dass sie die Hausarbeit macht und er zum Sport geht.

 

Glaube Sie, dass diese Lösung 2018 möglich sein wird?

Nein. Ich fürchte, dass mit der neuen Regierung genau dort Sparmaßnahmen passieren, wo es ganz klar uns Frauen treffen wird. Die beiden Regierungsparteien vertreten ein sehr konservatives Frauenbild. Das sehe ich total problematisch.

 

(c) Pamela Rußmann

Zur Person

Katharina Mader, geboren 1981, ist Ökonomin und seit 2011 Assistenzprofessorin am Institut für Institutionelle und Heterodoxe Ökonomie der Wirtschaftsuniversität Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Feministische und Politische Ökonomie, Care Ökonomie sowie Wirtschaftspolitik und Gender. Für ihre Dissertation erhielt sie den Dr.-Maria-Schaumayer-Preis sowie den Gabriele-Possanner-Förderungspreis.

 

 

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