< Zur Mobilversion wechseln >

Erfahrungsbericht: "Ich muss mehr kämpfen als die Männer - und bin trotzdem gern Architektin"

von

S. ist 31 Jahre alt und Projektleiterin in einem großen Architekturbüro. Darauf ist sie stolz. Gleichzeitig ist sie es leid, immer viel mehr um alles kämpfen zu müssen als ihre männlichen Kollegen. Ein Erfahrungsbericht, der dennoch Mut machen will und sagt: Frauen, traut euch einfach mehr!

JobLiliana Kampmann(Wienerin)

S. ist eine junge, taffe Frau. Und mittlerweile Projektleiterin in einem großen Architekturbüro in Wien. Mit 31. Darauf ist sie stolz, das hat sie sich aber auch hart erkämpft. Manchmal hat sie das Kämpfen satt, und trotzdem sagt sie: Auch für Frauen ist es spannend, Architektin zu sein. Sie hat uns von den Vor- und Nachteilen ihrer Branche erzählt, die noch immer stark von Männern dominiert ist:

 

Wieviele Frauen seid ihr bei euch im Büro?

S.: Bei uns ist der Anteil im Grunde 2/3 Männer, 1/3 Frauen. Wenn es um Führungspositionen geht, sind es weniger: Projektleiterinnen gibt es 4 von 15, Gruppenleiterinnen gar keine und auch in der Geschäftsführung ist keine Frau.

 

Dabei haben wir das Jahr 2017 ...

Einerseits wird der Beruf, also das Arbeiten auf der Baustelle, einfach noch immer als stark männlich angesehen. Da sind wir noch mitten im Klischee, aber andererseits bricht es langsam auf. Als ich angefangen habe zu studieren, waren wir Frauen noch in der Minderheit, inzwischen sind es ca. gleich viele Studentinnen wie Studenten.

 

Du bist in deiner Position als Frau trotzdem noch eher die Ausnahme - ist es einfach noch immer keine angenehme Branche für Frauen?

Es ist auf jeden Fall schwieriger als für einen Mann. Z.B. lag auch mein Einstiegsgehalt weit unter dem, was Männer, die nach mir angestellt wurden, bekommen haben. Das frustriert natürlich. Worum ich auch wirklich kämpfen musste, war mein Jobtitel. Ich hatte schon länger als "Projektleiterin" in der Firma gearbeitet, war aber noch lange offiziell "Junior Expertin". Da musste ich mich wirklich auf die Füße stellen, um den richtigen Titel einzufordern. Das waren viele Diskussionen, immer und immer wieder, das hat viel Kraft gekostet.

 

Entmutigt dich das auch?

Ja und nein. Es ist schon wirklich sehr mühsam und man braucht einen langen Atem, es kostet einfach viel Energie. Ich denk mir aber auch: Es muss ja immer auch jemanden geben, der etwas das erste Mal macht und wenn alle Frauen sagen: "Ich mag nicht kämpfen", dann wird sich nie was ändern.

 

Wie sind die Reaktionen darauf, dass du so hartnäckig warst?

Als ich meine Position dann bekommen hab, sind viele Kolleginnen zu mir gekommen, waren beeindruckt und haben sich mir anvertraut. Haben erzählt, wie es ihnen geht und dass sie auch unzufrieden sind. Da hab ich schon auch erkannt, dass es wichtig ist, die Sachen an- und auszusprechen und gesehen dass sich das viele Frauen nicht trauen.

 

Du meinst, es könnte auch für Frauen ein bisschen leichter sein?

Ja! Ich halte auch nichts davon, sich in diesem Frauen-Opfer-Ding zu verstecken. Das beobachte ich tatsächlich bei einigen jungen Kolleginnen - die haben die Einstellung "Ich bin eine Frau, ich hab hier eh keine Chance" und ruhen sich dann aus. Das finde ich auch nicht gut.

 

Also doch ein bisschen kämpfen und auch als Frau in die Architektur gehen?

Auf jeden Fall! Es gibt einfach zu wenige Vorbilder und es braucht mehr davon, viel mehr! Und ich finde Frauen in Architektenteams ganz wichtig, weil Frauen und Männer einander wunderbar ergänzen. Männer fokussieren sich oft und gern auf die technischen, rationalen Dinge, ich befass mich gerne mit Details und der Materialauswahl - es gewinnen einfach alle, wenn die Teams ausgewogen sind.

 

Video:  6 Gründe, warum Frauen in Österreich noch immer weiterkämpfen müssen

 

Kommentare

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen