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Burn-Out: Alarmsignale, die dein Körper sendet, wenn er überfordert ist

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Auf die Signale des Körpers zu hören, kann gerade in stressigen Lebensphasen oft in den Hintergrund rücken. Wir sollten es aber trotzdem tun.

JobRed.(Wienerin)

Von einem Termin zum nächsten hetzen, sich dazwischen irgendwo ein Sandwich reinstopfen, dann die Kinder vom Kindergarten abholen und am Abend den Berg Wäsche erledigen: der Alltag kann ganz schön stressig sein. Und die Überforderung wird für viele – vor allem Frauen – zu einem immer größeren Problem.

„Stress war immer da und wird wohl immer da sein. Heutzutage sind es vermehrt psychosoziale Stressoren, mit denen wir mehr oder weniger erfolgreich kämpfen“, weiß die Psychotherapeutin MMag. Katharina Oppolzer. Dazu gehören neben hohen Leistungsanforderungen im Job und Zeitdruck z.B. auch dauerhafte Streitigkeiten mit Nachbarn, Mehrfachbelastungen (Job/Kinder/Beziehung/Hausarbeit), drohender oder befürchteter sozialer Abstieg und Krankheits- oder Pflegefälle in der Familie.

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Doch ab wann wird „normaler“ Stress zu einem ernstzunehmenden psychischen und körperlichen Problem? Wir haben vier Alarmsignale herausgefiltert, die der Körper sendet, wenn er überfordert ist:

 

1: Du reagierst sehr angespannt, wenn etwas nicht funktioniert

Stress ist nicht gleich Stress. Und jeder Mensch reagiert anders darauf. Ob, ab wann, wie intensiv und wie lange ein Mensch Stress erfährt, hängt nämlich nicht nur von den sogenannten „Stressoren“ ab, also den Herausforderungen, denen wir im Job, im Familienleben oder auch durch Umwelteinflüsse ausgesetzt sind, weiß die Psychotherapeutin. Mindestens genauso wichtig – und oft leichter zu beeinflussen – sind laut Expertin darüber hinaus folgende Faktoren, die von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich sind: die innerpsychische Bewertung der Belastungen, denen wir ausgesetzt sind, die Bewältigungsstrategien, die uns für den Stressfall zur Verfügung stehen, und unsere persönlichen Reaktionsmuster auf erlebten Stress.

„Dazu kommt, dass uns ja nicht nur äußere Umstände 'stressen', sondern auch unsere eigenen Ansprüche an uns selbst und unsere Erwartungen und Befürchtungen zu physischer und psychischer Anspannung führen können“, so Oppolzer. Was man dagegen tun kann? "Viele Menschen erleben kontrolliertes Abreagieren, positive Selbstgespräche, Wahrnehmungslenkung oder das Erlernen und Verwenden von Entspannungstechniken als hilfreich in angespannten Situationen."

 

2: Du produzierst vermehrt Flucht- und Angriffshormone

„Bereits unsere Vorfahren haben sich mit Stress herumgeschlagen und uns sozusagen ein genetisches Erste-Hilfe-Paket für den Stressfall vererbt“, weiß die Expertin. Ganz automatisch reagiert unser Körper daher auf akute Bedrohungen mit einer erhöhten Alarmbereitschaft – gut auch von außen zu erkennen durch beschleunigte Atmung, erweiterte Pupillen, aber auch zu spüren durch z.B. erhöhten Puls und Blutdruck, Gänsehaut, trockenen Mund, weiche Knie. Diese körperlichen Symptome sind Auswirkungen der vermehrt produzierten Flucht- und Angriffshormone, es geht dabei um Orientierung und Aktivierung im Sinne von „kämpfen oder fliehen“.

Um einer andauernden Stresssituation länger standhalten zu können, werden in weiterer Folge Körperfunktionen nachhaltig verändert, wie z.B. die Produktion von Geschlechtshormonen reduziert, das Immunsystem und die Verdauung heruntergefahren, aber auch im Gehirn Bereiche aktiviert, die Lernfähigkeit und Gedächtnis fördern sollen. "Das Motto unter Stress ist also: Fokus auf die Stressoren und deren Bewältigung, alles andere muss hintanstehen, so lange nicht wieder eine sichere, entspannte Situation geschaffen wurde", erklärt Oppolzer.

 

3: Du bist ständig erschöpft, gereizt, depressiv

Chronischer Stress schadet uns mehr, als er nützt. „Wenn die eigene Stimmung nachhaltig von Erschöpfung, Gereiztheit und Depressionen geprägt ist, wenn Magen-Darm-Probleme immer wieder auftauchen oder wenn das Immunsystem wiederholt oder dauerhaft schwächelt, dann ist es sinnvoll, diese Symptome nicht nur medizinisch abklären zu lassen, sondern auch den eigenen Umgang mit den allgegenwärtigen Stressoren zu hinterfragen“, rät Therapeutin Oppolzer.

 

 

Eine Pause einzulegen kann in jedem Fall Wunder bewirken. Wer für sich im Alltag regelmäßig Pausen einplant und auch einhält, gibt nicht nur seinem Körper Gelegenheit zu verschnaufen. Pausen können und sollen uns auch dazu dienen, sich die wichtigen Fragen: „Wie geht es mir gerade? Was brauche ich (nicht)?“ zu stellen und aus den Antworten mit der Zeit den eigenen Weg raus aus dem Stress und hin zu mehr Zufriedenheit zu gestalten. Dazu gehört auch, das Handy, den Laptop, den Fernseher abzudrehen und nicht ständig auf alles reagieren zu müssen. „Aber auch das Gegenteil vom Pausenmachen, nämlich In-Bewegung-Sein oder –Kommen, sollte Teil unseres Alltags sein. Bewegung und Sport helfen dem Körper nämlich, Stresshormone effektiv abzubauen, und lassen ganz nebenbei auch den Geist zur Ruhe kommen“, rät die Psychotherapeutin.

 

4: Nächtliches Zähneknirschen und Schlafstörungen

Weitere körperliche Symptome, die uns Sorgen machen sollten, sind: Schlafstörungen, (nächtliches) Zähneknirschen, Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen, weiß die Expertin. Sie gibt einen kleinen, aber hilfreichen Tipp für den Alltag – damit es gar nicht erst so weit kommt: einfach mal „Nein“ sagen. „Wir leben in Zeiten, in denen uns alles sofort machbar erscheint und sind es oft nicht mehr gewohnt, Nein zu sagen. Nein zu weiteren dringenden Terminen, Nein zu neuen zusätzlichen Aufgaben, Nein zu eigentlich ungeliebten sozialen Verpflichtungen, Nein zu weiteren kostspieligen Anschaffungen und damit verbundenen finanziellen Verpflichtungen. Dabei bedeutet ein Nein sehr oft ein Ja zu sich selbst und zur eigenen Zufriedenheit.“

 

Kostenlos und anonym Hilfe holen: BESThelp.at

Auf der Plattform BESThelp.at können Betroffene ihren Sachverhalt anonym und kostenlos an ExpertInnen schicken. "Wer ein Problem hat, beschreibt dieses in einem Online-Formular und erhält daraufhin aus unserem Pool von mehr als 1.000 ExpertInnen, die sich bei den Online-Anfragen engagieren, persönliche Antworten, die sich genau auf das beschriebene Problem beziehen. Aufgrund der Antworten ist es dann für die Betroffenen wesentlich leichter, sich genau jene Hilfe auszusuchen, die zu ihnen persönlich passt", sagt Gottfried Kerndler, Geschäftsführer und einer der beiden Gründer der Plattform. 

 

 

Kommentare

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1 Kommentare
Gast: Aideen
22.10.2017 10:02

zu Punkt 2

„aber auch im Gehirn Bereiche aktiviert“ - hier sollte wohl deaktiviert stehen?
Unter Stress lernt es sich bekanntlich ganz schlecht.....