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Gleichbehandlung: Kollege und Kollegin tauschen E-Mail Signatur: Experiment enthüllt Ungerechtigkeit am Arbeitsplatz

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Zwei Wochen lang gab sich Mitarbeiter Marty als Kollegin Nicole aus - was passierte, war besonders für den männlichen Kollegen erschreckend. Und zeigt, wie groß die Vorurteile in der Arbeitswelt gegenüber Frauen auch 2017 noch sind.

JobRed.(Wienerin)

Das Experiment von zwei amerikanischen Arbeitskollegen zeigt, dass Frauen am Arbeitsplatz - nicht nur was Bezahlung betrifft - immer noch oft im Nachteil sind.

Die Ausgangssituation

Beiden Kollegen waren in einer Arbeitsvermittlungsagentur in Philadelphia tätig, wo sie für Kundenkommunikation verantwortlich waren. Über einen gesammelten Mailaccount nahmen Kunden Kontakt mit der Agentur auf - die Mitarbeiter antworteten  über ihre persönliche Mailadresse auf die Anfrage, die eine Signatur mit Namen enthielt.

Für den Versuch tauschten der männliche Kollege mit seiner weiblichen Mitarbeiterin zwei Wochen lang die Signatur der Antwort-Emails. Mitarbeiter Marty war nun weiblich und hieß "Nicole", Kollegin Nicole antwortete zwei Wochen lang als "Marty" auf alle Anfragen.

 

Video: Dein Traum eines gleichberechtigten Österreichs?

 

Wie Nicole auf Medium.com berichtet, kam es durch Zufall zu der Versuchs-Idee. Martin hatte sich vor einem Kunden unabsichtlich als Nicole ausgegeben - und sich besonders unfreundlich behandelt gefühlt.

Marty als weibliche Mitarbeiterin

Auf Twitter beschreibt Marty (Martin Schneider), wie er die zwei Wochen als weibliche Mitarbeiterin mit den Kunden erlebt hat.

Marty merkte, dass sich sie die unhöflichen Äußerungen drastisch erhöhten, sobald er nicht mehr als "Martin", sondern "Nicole" auftrat. Er fasste die Erfahrungen aus dem Experiment in einem Tweet zusammen:

 

"Ich bin durch die Hölle gegangen. Alles, was ich sagte, wurde in Frage gestellt. Klienten, die ich sonst im Schlaf bearbeite, waren plötzlich überwachend. Einer fragte sogar, ob ich Single bin", so sein Resumée.

Nicole als männlicher Mitarbeiter

Bei Kollegin Nicole lief es währenddessen weitaus besser. Sie hatte die produktivste Zeit ihrer bisherigen Laufbahn beim Unternehmen. Klienten, die sie vorher nie ernst nahmen, respektierten sie plötzlich.

 

Fazit

Martin war nach dem Experiment geschockt über das ernüchternde Ergebnis. Nicole hingegen, verwunderte der Ausgang wenig - sie war es ja gewohnt.

 

Natürlich ist das Experiment nicht allgemein gültig oder auf alle Branche und Firmen übertragbar. Trotzdem zeigt es, dass Sexismus am Arbeitsplatz ernst zu nehmen ist und heutzutage viele Frauen betrifft.

 

Übrigens: Als Nicole und Marty ihrem Chef über den Versuch und alltäglichen Sexismus erzählten, glaubte er ihnen nicht - trotz dutzenden Emails zum Beweis. Nicole berichtet, dass ihr Chef immer schon Frauen schlechter behandelte. Sie kündigte kurze Zeit später.

Wenn selbst der eigene Chef das Problem nicht verstehen möchte, dann haben wir wohl wirklich viel zu tun. Das hat auch Nicole erkannt. Sie arbeitet nun als Selbständige Autorin. "In meinem Ein-Personen-Büro kann ich meine eigenen Wände durchbrechen", schreibt sie. Schade, dass es manchmal nicht anders geht.

 

 

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