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Business Angelina : "Ich habe mir meinen Traumjob rund um meine Kinder gebaut"

von

Sie ist die Ausnahme – als Frau, als Migrantin und als Mutter. Selma Prodanovic ist eine der ganz wenigen Business Angelinas und hat mehr als 400 (!) Start-ups mitgegründet. Sie macht Frauen Mut, von Großem zu träumen. Auch, weil sie selbst schon die dunklen Seiten des Lebens gespürt hat.

JobBarbara Haas(Wienerin)

Wie kann man unsere Welt zu einem besseren Ort machen? Welche Rolle spielen dabei Start-ups und was müsste man tun, um auch international die Lösung von gemeinsamen Problemen voranzutreiben? Fragen, die Selma Prodanovic beschäftigen.

 

Sie ist Business Angelina, hilft also Start-ups ins Leben und lässt sich von Ideen anderer überzeugen. Sie ist sich zudem sicher, dass Frauen einen wesentlichen Teil zur Veränderung der Welt, aber auch zum Erfolg von Start-ups beitragen können  – und dies auch aktiv tun sollten. Prodanovic lebt in Wien, geboren wurde sie in Sarajevo. Sie spricht fünf Sprachen, hat zwei Uni-Abschlüsse und weiß, was Karriere, aber auch, was Krieg bedeuten kann. Eine Million Menschen hat sie bereits durch internationale Vorträge erreicht – die Botschaft der leidenschaftlichen Netzwerkerin ist stets dieselbe: "Finde deine Box, dein Business, das zu deinen Werten passt. Dann wirst du gut sein." Auch sie selbst hat ihr Business erst kreiert, als ihr das Wasser bis zum Hals stand. Heute macht sie Frauen in Österreich Mut. Mut, sich hinauszuwagen – um die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen.


Was bitte ist eine Business Angelina?


WIENERIN: Frau Prodanovic, Sie investieren in Menschen, die eine Idee haben. Das macht sie zu einer Business Angelina. Aber woher wissen Sie, welche Idee gut ist?

Selma Prodanovic: Manches ist Erfahrung, denn ich mache das schon seit zwölf Jahren, aber vieles, was ich tue, ist immer noch von den Gedanken des Anfangs getrieben – von meinen Werten.

Welche Werte sind das und passen Werte überhaupt in ein finanziell ­getriebenes Geschäftsmodell?

Selma Prodanovic: Erst mal genieße ich es, wenn andere erfolgreich oder glücklich sind. So ist das Teil meines Geschäftes geworden: Ich kann dazu beitragen, dass andere Erfolg haben. Und ich möchte gerne mithelfen, dass sich die Welt zum Positiven verändert. Daher bewegt sich alles, was ich mache, an der Grenze zwischen Philanthropie und Business. Es geht beim Business nicht nur um Geld, es geht auch darum, Probleme in der Welt zu lösen.

Und plötzlich kam das BurnOut

Sie sind top ausgebildet, sprechen fünf Sprachen und sind erfolgreich mit Ihrer Firma Brainswork. Doch Ihr Lebensweg bestand nicht immer aus Glamour und Erfolg – erzählen Sie uns von den Schattenseiten?

Selma Prodanovic: Ich war bis zur Geburt meiner Kinder im Marketing tätig; bei großen Werbeagenturen, aber auch in der Filmproduktion. Als ich schwanger wurde und nach dem ersten bald das zweite Kind bekam, hat sich viel geändert. Ich konnte nach drei Jahren Babypause nicht mehr in meinem alten Job arbeiten. Aber ich dachte, dass ich mit meiner Qualifikation, meiner internationalen Erfahrung und meinen vielen Sprachen eine gute Basis hätte. Doch sechs Monate lang wollte mich niemand.

 

Abenteuer Start Up? Stell uns deine Frage

Hast du Fragen an die erfolgreichste Business Angelina des Landes? Willst du wissen, ob deine Idee Erfolg haben könnte oder ob du es riskieren sollst, dich auf das Abenteuer Start Up einzulassen? Dann stell uns deine Fragen HIER. Selma teilt als WIENERIN-StartUp-Expertin ihr Wissen mit der ganzen WIENERIN-Community.

 

Können Sie sich noch erinnern, wie es Ihnen damals gegangen ist?

Selma Prodanovic: Ja, ich war verzweifelt. Mein bisheriges Leben, aber auch mein ganzes Selbstwertgefühl als Frau mit meinen Fähigkeiten wurde infrage gestellt. Und das hat mich depressiv gemacht. Dabei war ich gleichzeitig leidenschaftlich Mutter und habe nie den Kindern eine Schuld gegeben, aber ich war mit einer Situation konfrontiert, die ich so niemals vorhergesehen hätte.

Wie haben Sie herausgefunden?

Selma Prodanovic: Ich hatte das Glück, dann doch einen Teilzeitjob als Lehrerin zu bekommen. Ich war zwar keine Lehrerin, aber in dieser Tourismusschule wollten sie jemanden, der Praxis im Marketing hat. Die hatte ich. In den darauf folgenden vier Jahren konnte ich dadurch meine Business-Idee entwickeln, mir meine Box bauen. Ende 2003 hatte ich Logo, Visitenkarten und das ganze Konzept, 2004 hielt ich bereits Vorträge, vernetzte mich, was ging, und tat so, als ob es Brainswork (brainswork.at) schon gäbe. Gegründet habe ich aber erst 2005.

Der Erfolg hat meine Ehe verändert

Die Kinder waren ja noch klein, Sie hatten einen Job und brauchten Energie für das Neue: Welche Rolle spielte der Vater der Kinder?

Selma Prodanovic: Heuer werden es 35 Jahre, dass wir zusammen sind – seit unserem ersten Kuss. Ich lernte ihn mit 15 kennen und er ist die Stabilität in meinem Leben. Er ist Architekt; wir hatten keine Omas oder Vergleichbares in Wien, mussten also immer alles selbst organisieren. Das ging nur gemeinsam, und bis heute sind mein Mann und meine Familie die stabilen Faktoren. Nur so ist es möglich, dass mein Leben wie eine Achterbahn ist.

Hat der Erfolg auch Ihre Ehe verändert?

Selma Prodanovic: Natürlich, zum Guten und zum Schlechten. Und nicht, weil mein Mann mir etwas nicht gönnen würde. Aber der Erfolg, die Events und das Reisen stellen die Balance einer Ehe auf die Probe. Denn es tut schon gut, gebraucht zu werden da draußen. Aber wie geht man damit um, heimzukommen, und dann ist die Kotze des Kindes das Thema? Ich stellte mir die Frage: Wie viele Awards und wie viel Erfolg brauche ich? Ich habe mich also auch hier wieder auf das Wesentliche reduziert.

Ihr aktuelles Projekt 1millionstartups klingt auch groß. Was ist es?

Selma Prodanovic: Die Idee war, gemeinsam eine Welt zu kreieren, in der wir leben wollen. Dafür schaffen und promoten wir ein internationales Netzwerk aus Gründerinnen und Gründern, die ihre Lösungen für eine bessere Welt zusammenknüpfen. Es sind schon mehr als 20.000 aus 45 Ländern. Und es ist mir ein echtes Anliegen, diese Art von Business weltumspannend voranzutreiben. Die Herausforderungen auf der Welt verbinden uns doch alle. Und es gibt so viele gute Start-ups und Ideen, von Frauen wie Männern. Dafür Energie und Leidenschaft einzusetzen inspiriert mich.


Infos zum Projekt unter https://www.1millionstartups.com/

 

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