< Zur Mobilversion wechseln >

Arbeitspsychologin: „Ein Großraumbüro hat auch Vorteile“

von

Keine Büroform ist so umstritten wie das Großraumbüro. Ob es ein Fluch oder ein Segen ist, fragten wir die Wiener Arbeitspsychologin Veronika Jakl.

JobLjubiša Buzić(Wienerin)


Als Psychologin begleitet Veronika Jakl (www.apjakl.at) Veränderungsprozesse in Unternehmen. Nach unserem eigenen Umzug von getrennten Zimmern in ein Großraumbüro (siehe Selbstversuch) sprachen mit ihr über die Vor- und Nachteile des Open Office und die Wirkung von Räumen auf unsere Arbeit und unsere Stimmung.

 

Welche Wirkung hat die Architektur auf uns? Arbeiten wir in unterschiedlichen Raumkonzepten anders?

Veronika Jakl: Grundsätzlich hat die Architektur große Wirkung. Sie kann Aufgaben erleichtern oder erschweren . Bei einem Team, das viel im Austausch ist, kann das unterstützend sein – wenn ich einen direkten Blickkontakt mit Kollegen und Kolleginnen habe. Oder wenn jemand über ein Projekt spricht, kann ich mich schneller  einklinken und kriege mit, was passiert.  Störend ist es, wenn die Leute nichts miteinander zu tun haben und es ist ständig laut. Ich hab mal ein Unternehmen begleitet, wo wirklich die Buchhalterinnen neben den Telefonverkäufern gesessen sind. Das hat natürlich überhaupt nicht funktioniert, weil die ganz andere Anforderungen haben, an die Arbeitsgestaltung. Das muss man sich also vorher überlegen. 

 

Was sagt die Gestaltung eines Büros über das Unternehmen?

Unternehmenskultur zeigt sich in vielen Dingen: wie man miteinander umgeht, welche Sprache verwendet wird – und ebenso in der Architektur. Auch daraus, wie das Gebäude gewartet wird, schließen die Mitarbeiter, wie man auf sie aufpasst. Wenn es im Winter zugig ist und es wird nichts unternommen, sagt das einiges. Nach dem Motto: Wenn die nicht einmal auf meine Gesundheit schauen können, dann kann ich denen auch nicht vertrauen.

 

"Die offenen Flächen sollen Transparenz darstellen"

 

Welche Trends gibt denn es im Moment bei Büroarchitektur?

Man versucht ganz stark, mit Glaswänden und offenen Freiflächen diesen Zeitgeist von Transparenz und Kommunikation auf Augenhöhe darzustellen. Beim klassischen Großraumbüro ist es wichtig, dass es Zonen für den Rückzug oder für kleinere Besprechungen gibt. Das ist nicht immer optimal gelöst.

 

Die WIENERIN ist vor Kurzem in ein Großraumbüro umgezogen. Was raten Sie uns für die Umgewöhnungsphase?

Man kann das unterschiedlich lösen. Ich habe einmal ein Unternehmen begleitet, das für den Veränderungsprozess einen „Officer“ ernannt hat. Der hat dann bei Streitigkeiten als Vermittler funktioniert. Und es gab einmal pro Woche ein kurzes Treffen, wo man Pro­bleme ansprechen konnte.

 "Für manche bedeutet Großraum eine Degradierung"

 

Hat das Großraumbüro seinen schlechten Ruf zu Recht?

Wenn man vom Einzel- oder von Kleinbüros umzieht, gibt es immer wieder mal Leute, die das so ein bisschen als Degradierung ansehen. Gleichzeitig gibt es natürlich den Lärmfaktor. Es gibt viele wissenschaftliche Studien dazu: Vor allem so eine Sprachgeräuschkulisse – mal leiser, mal lauter – hat einen unglaublich starken negativen Effekt auf die kognitive Leistungsfähigkeit – man kann sich bei Aufgaben einfach weniger gut konzentrieren.

 

Wie kann man Belastungen abfangen?

Man muss sich bewusst machen: Was habe ich für eine Arbeit und wann stört mich das Großraumbüro? Und dann passende Routinen entwickeln: Kann ich mich zum Telefonieren irgendwohin zurückziehen? Ich kann mit dem Arbeitgeber vereinbaren, dass ich an bestimmten Projekten im Homeoffice arbeite oder freie Besprechungsräume für sehr konzentrative Arbeiten nutze. Das muss dann eben die Architektur unterstützen – und die Führungskraft.

 

Und die Vorteile des Großraumbüros?

Es hat auch seine Vorteile. Sich austauschen können – dadurch entsteht oft mehr Zusammenhalt, weil man vom anderen was mitkriegt. Man kann sich ein bisschen emotional entlasten. Das ist für viele Berufe ein wichtiger Punkt. Aber es muss gut gestaltet sein. Also nicht einfach alle in einen Raum setzen und schauen, was passiert.

Kommentare

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen