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Blutig: Kriminaltechnikerinnen auf der Spur - ein Traumberuf?

von

Die Kriminaltechnikerinnen Anna Eriksson und Lena Åhgren von der Spurensicherung aus Stockholm erklären uns das Morden.

JobGeli Goldmann(Wienerin)

 

Anna Eriksson und Lena Åhgren arbeiten als Kriminaltechnikerinnen bei der Forensischen Sektion 1 in Stockholm. Für das Festival Crime Time Gotland gaben die beiden ehemaligen Polizistinnen einen Einblick in die Welt der Spurensicherung und sprachen mit uns im Interview über ihren außergewöhnlichen Beruf.

 

Als Kriminaltechnikerinnen müssen Sie viele Rätsel lösen...?

Anna Eriksson: Ja. Je öfter man eine Sache gesehen hat, umso besser wird man. Würden Sie sich das Blut anschauen, dann würden Sie einfach Blut sehen. Würde ich Sie zu einem Platz schicken, wo es gebrannt hat, würden Sie sehen, es ist schwarz. So geht es anfänglich jedem. Wir sehen mittlerweile recht schnell, ob ein Verbrechen vorliegt oder nicht.

 

Was ist die größte Herausforderung in Ihrem Job?

Lena Åhgren: Alles, was neu ist. Jeder Tatort, jeder Mord sieht anders aus. Wenn man eine Situation hat, die vorher noch nie da war. Wir wollen nichts übersehen. Es darf kein Platz für Zweifel bleiben.

 (c) Geli Goldmann

 

Sie bekommen viel zu sehen. Wie geht man damit um?

Anna Eriksson: Morbider Humor ist schon dabei, unter uns. Miteinander können wir das haben. Der toten Person erweisen wir natürlich Respekt. Da kann jemand in acht Teilen liegen; das gibt es und das ist nicht lustig. Wenn man dafür Worte findet, für das, was man tut, wird es aber leichter.

Lena Åhgren: Man kann nicht mit jedem darüber reden. Wir reden miteinander, weil wir wissen, was die anderen gesehen haben. Daheim und mit Freunden geht es oft nicht. Wir unterliegen ja auch einer Schweigepflicht.

 (c) Geli Goldmann

 

Was war das Fürchterlichste, das Sie erlebt haben?

Anna Eriksson: Für Außenstehende ist es vielleicht das Schlimmste, wenn sich jemand in die Luft gesprengt hat. Die Teile hängen überall in den Bäumen und liegen herum. Viele Teile sind sehr klein. Das ist es aber nicht unbedingt. Wir kommen auch zu Fällen, die keine Verbrechen sind. Dann ist es ein junges Mädchen oder ein Bursch, die sich erhängt haben. Das ist viel schrecklicher als ein Schusswechsel zwischen Kriminellen, der für einen tödlich endete.

Lena Åhgren: Wir wissen vorher schon, was wir sehen werden. Aber die Einsatzkräfte, die zuerst vor Ort sind, haben es oft schwer. Sie wollen eigentlich Leben retten.

 

Können Sie diese Bilder in der Arbeit lassen? Oder nehmen Sie das mit nach Hause?

Anna Eriksson: Nein. Aber manchmal prallt es schon aufeinander. Es ist lange her, meine Tochter war damals acht Jahre alt, jetzt ist sie 23. Wir hatten einen Fall mit einer vergrabenen Person. Das war zu Lucia, dem Lichterfest Anfang Dezember. Wir gruben, es war dunkel und es hat geregnet. Ich hatte es eilig heim, weil ich doch zum Fest sollte. Dann hab ich all die Kinder, die mit Kerzen in den Händen gehen und Lieder singen, gesehen. Da dachte ich: "Wie makaber ist das alles!?"

 (c) Geli Goldmann

 

Wie reagieren fremde Leute, die Ihren Beruf nicht kennen? Was sagt man bei einem Date?

Lena Åhgren: Ich bin seit 20 Jahren verheiratet, mit einem Polizisten, da ist nichts mit Date! (lacht)

Anna Eriksson: Viele verstehen nicht, was wir tun. Kriminaltechniker zu sein ist mit vielen Denkaufgaben verbunden. Was bedeutet es, wenn da eine Patronenhülse auf dem Boden liegt? Was ist die Hypothese? Ist jemand gekommen und hatte die Patronenhülse in seiner Tasche? Hat er sie verloren? Oder hat jemand eine Waffe abgefeuert? Alles, was wir finden, hängt mit demselben Ereignis zusammen. Aber welchem Ereignis?

 

Kennen Sie die TV-Serie Rizzoli & Isles? Im wirklichen Leben geht es nicht so zu wie im Fernsehen, oder?

Lena Åhgren: Die Realität ist das nicht! In meiner Welt findet es so nicht statt. Deswegen kann ich es lustig finden. Es muss nicht immer alles so sein wie in der Wirklichkeit. Oft wird alles glamouröser dargestellt. Da wird in hohen Schuhen und kurzen Röcken herumgetrippelt. Das passiert bei uns eher selten.

 

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