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Das süße Nichtstun am Arbeitsplatz

von

Der Sozialwissenschafter Roland Paulsen erforscht „leere Arbeit“. Also jene Zeit, die wir an unserem Arbeitsplatz mit privaten Dingen verbringen. Denn trotz steigendem Leistungsdruck scheinen wir immer mehr davon zu haben.

Nichtstun am Arbeitsplatz

JobRed.(TypischIch)

Für seine Studien zum Buch „Empty Labour“ hat Roland Paulsen mit Menschen gesprochen, die sich in ihrer Arbeitszeit zu einem großen Teil mit privaten Dingen beschäftigen. Und davon gibt es in einer Zeit, in der Burn-Out, Stress und Überlastung ständiges Thema sind, überraschend viele.
Der Sozialwissenschafter will den Grund dafür kennen und erklärt im Interview mit der WirtschaftsWoche: „Generell erleben wir durchaus eine Verdichtung der Arbeit. Angestellte sollen immer mehr in immer kürzerer Zeit erreichen. Aber es betrifft nicht alle. Lohnarbeit ist eben eine ungleiche Einrichtung. Ungleich, was die Bezahlung angeht. Ungleich, was die Sicherheit des Arbeitsplatzes angeht. Und auch sehr ungleich, was den Stress angeht. Oft haben gerade die am schlechtesten Bezahlten mehr und mehr zu tun, ohne auch nur fünf Minuten Pause machen zu können. Andere können ziemlich müßig sein bei der Arbeit.“

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Im Laufe von Paulsens Untersuchungen und Interviews hat sich für den schwedischen Wissenschafter eines herauskristallisiert: Angestellte mit Hochschulabschlüssen und einem gewissen Grad an Selbstständigkeit bei der Ausführung und Einteilung ihrer beruflichen Tätigkeiten verbringen wesentlich mehr Zeit mit Facebook, Online-Surfen und Kaffeepausen als Arbeiter, deren Abläufe straff organisiert und vor allem überwacht werden.

Bore-out statt Burn-out

Was zu Beginn eines Jobs ganz nett sein ist, kann mittelfristig für Angestellte zur Belastung werden, aus der ein Ausweg immer schwieriger wird. Ist das sogenannte Bore-Out, also ein Zustand der völligen Langeweile bis hin zur Apathie, erreicht, wird es schwierig, neue Aufgaben zu verlangen.
Und auch für jene, die tatsächlich arbeiten und sich langfristig nicht auf ihrer täglichen Unter-Lastung ausruhen wollen, kann ein Gespräch mit dem Vorgesetzen ungewollte Folgen haben. Denn: „Wenn du zugibst, dass du wenig zu tun hast, gibtst du auch zu, wie wenig du bisher getan hast“, fasst Roland Paulsen die für ihn wichtigste Erkenntnis seines Buches zusammen. Und bringt ein Beispiel: „Ich habe einen Bankangestellten interviewt, der für ein Projekt zuständig war, für das er nur 15 Minuten am Tag effektiv arbeiten musste. Er informierte ganz offen seinen Chef. Mit dem Ergebnis, dass seine Stelle halbiert wurde.“

So extrem läuft es aber nur für wenige ab: Durchschnittliche Angestellte arbeitet zwischen eineinhalb und drei Stunden täglich „leer“, ist also mit privaten Dingen beschäftigt.

 

Über Roland Paulsen

Roland Paulsen wurde 1981 geboren und ist Doktor der Psychologie. Für sein Buch "Empty Labour" (erschienen bei Cambridge University Press) hat er 43 Arbeiter und Angestellte interviewt, die rund die Hälfte ihrer Arbeitszeit mit "leerer Arbeit" verbringen.

Kommentare

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1 Kommentare
mawe8
02.01.2017 20:10

Und mit 43 Interviews eine Studie ...

aussagekräftig zu machen, gehört viel Wissenschaft dazu!

Was sich heute schon alles Studie nennen darf!?!