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Gefahr für Kinder: Ertrinken sieht nicht immer aus wie Ertrinken

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Kinder ertrinken leise - und genau deshalb müssen Anzeichen ernst genommen werden.

Gesundheitred.(Wienerin)

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Immer wieder sind Schreckensnachrichten von Kindern, die ertrunken sind, in den Schlagzeilen. Die Frage danach ist immer: Wie kann so etwas eigentlich passieren?

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Der Grund: Wenn jemand ertrinkt, dann wird nicht, wie es oft im Fernsehen gezeigt wird, wild geschrien und gewunken. Ertrinken sieht nicht immer aus wie Ertrinken. "Ertrinken ist fast immer ein ruhiger und wortloser Vorgang. In der Realität wird selten gewunken, geschrien oder wie wild gestrampelt", ist auf der Homepage der Rettungstauchergruppe Main zu lesen. 

 

Dr. Francesco A. Pia beschreibt die instinktive Reaktion des Körpers so: die meisten Menschen sind körperlich nicht fähig dazu, um Hilfe zu schreien. Was stattdessen passiert: die Arme werden instinktiv seitlich ausgestreckt und von oben auf die Wasseroberfläche gedrückt, eine bewusste Steuerung (etwa zum Winken) ist aber nicht möglich. 

 

Wichtige Anzeichen des primären Ertrinkens

Beschrieben werden folgende wichtigen Anzeichen, die ein primäres Ertrinken andeuten: 

- Der Kopf ist unter Wasser und nach hinten geneigt. Der Mund ist auf Höhe mit der Wasseroberfläche. 

- Die Augen sind glasig und leer, sie können auch geschlossen sein. 

- Die Haare hängen vor der Stirn und den Augen. 

- Der Körper ist senkrecht im Wasser und die Beine werden nicht bewegt. 

- Der Ertrinkende ringt um Luft und die Atmung ist schnell.

- Es wird versucht, sich auf den Rücken zu drehen. 

 - Manchmal sieht es so aus, als würde der Ertrinkende versuchen, eine Leiter, zu der er aufschaut, hinauf zu klettern.

 

 

Was ist trockenes und sekundäres Ertrinken?

Ein Phänomen, das vor allem Kleinkinder betreffen kann, ist das sekundäre Ertrinken. Dabei scheint im ersten Moment alles okay, doch später stellt sich heraus, dass es das nicht ist. Horrormeldungen über das sekundäre Ertrinken gibt es genug. Aber was ist dran? 

Die Seite "Erste Hilfe für Kinder und Babys" stellt klar: trockenes und sekundäres Ertrinken sind zwei unterschiedliche Dinge. 

 

Trockenes Ertrinken

Bei dem sogenannten Trockenen Ertrinken kommt Wasser gar nicht in die Lunge. Die Lunge bleibt "trocken". Es ist jedoch das eingeatmete Wasser, das zu einem Stimmritzenkrampf (Verkrampfung der Stimmbänder) im Kehlkopf führt. Dann bekommt das Kind kaum noch Luft. Dieser Zustand tritt sofort auf und man kann so etwas nicht übersehen. Anders sieht es aber mit dem Zweiten Ertrinken aus.

 

Zweites/Sekundäres Ertrinken

Beim Zweiten Ertrinken kommt Wasser in die Lunge. Das eingedrungene Wasser schädigt die Lungenbläschen. Es bildet sich ein sogenanntes Lungenödem. Dabei tritt im Lauf von Stunden körpereigene Flüssigkeit aus dem Blut in die Lunge über. Dieser Zustand tritt zeitverzögert in den nächsten 24 Stunden auf. Doch die Experten stellen klar: beide Notfälle sind extrem selten und machen nur 1 bis 2 Prozent aller Ertrinkungsfälle aus. 

 

Fakten zum Ertrinken bei Kindern
  • Bis zum 3. Lebensjahr haben Kinder eine Art „Totstell-Reflex“ und heben den Kopf nicht von selbst aus dem Wasser
  • Vier Minuten, in denen ein Kind unter Wasser ist, können bereits zu irreversiblen Gehirnschäden führen, noch längere Zeiträume zum Tod.
  • Ertrinken ist die zweithäufigste Todesursache im Kindesalter. 
  • 90 Prozent der kindlichen Ertrinkungsunfälle passieren im Umkreis von 10 Metern zur Aufsichtsperson.
  • Die meisten Ertrinkungsunfälle passieren in privaten Pools oder Biotopen, gefolgt von öffentlichen Schwimmbädern/Thermen und Seen.

Quelle: Große schützen Kleine, Österreichisches Komitee für Unfallverhütung im Kindesalter

 

Dennoch gibt es Situationen, auf die Eltern Acht geben müssen:  

- Bei jedem Unfall, bei dem das Kind im Wasser treibt und gerettet wird

- Bei jedem Badeunfall, wo das Kind anschließend extrem stark hustet

- Schmerzen in der Brust

- Probleme beim Atmen

- Extreme Müdigkeit

-  Pfeifen, Rasseln oder eine Art Brodeln beim Atmen - das Kind muss schnell ins Krankenhaus!

Vor allem nach Beinahe-Badeunfällen sollte das Kind bei den Eltern schlafen, damit diese das Atemverhalten für mindestens 24 Stunden überprüfen können, um im Zweifel schnell zu handeln.

 

Sicherheitstipps für Eltern

(Quelle: Große schützen Kleine, Österreichisches Komitee für Unfallverhütung im Kindesalter): 

- Kind in der Badewanne/im Plantschbecken nie unbeaufsichtigt lassen

- Schwimmbecken/Biotop mit einer 1,5 m hohen Umzäunung mit versperrbarer bzw. selbstschließender Tür sichern 

- Kommt es zu einem Ertrinkungsunfall, sofort beatmen,
um die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn wieder herzustellen!

- lebensrettende Sofortmaßnahmen trainieren, um richtig reagieren zu können, wenn jede Sekunde zählt (Kindernotfallkurs)

- nicht auf Schwimmhilfen verlassen

- und das Kind nicht aus den Augen lassen. 

 

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