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Fasten: Warum Intervallfasten so gut in unser Leben passt

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Was wir in den 40 Tagen vor Ostern geschafft haben, können wir jetzt auch unterm Jahr: fasten. Täglich ein bisschen. Warum uns Intervallfasten auf Dauer gesund und glücklich hält und wieso es gut in unser soziales Leben passt.

Uhr mit Besteck

GesundheitSusanne Lehrner(Wienerin)

Simpel, gesund, sozial - all das verspricht das sogenannte intermittierende Fasten, bei dem sich regelmäßig Phasen des Essens und des Darbens abwechseln. Dafür wird etwa jeden zweiten Tag gänzlich auf Nahrung verzichtet oder täglich einige Stunden lang. Das soll nicht nur verjüngend wirken , sondern auch besonders leicht und flexibel im Alltag umzusetzen sein. Ist das Teilzeitfasten also das neue Dinner-Cancelling und endlich eine Ernährungsform, bei der wir bleiben können?

Unser Körper - überlastet, überarbeitet, schlecht ernährt

Fasten ist aus evolutionsbiologischer Sicht ein natürlicher Prozess und für den Körper gut aushaltbar - so der Tenor unter FastenexpertInnen. "Regelmäßig nichts zu essen ist viel gesünder für den menschlichen Organismus als dauernd zu essen, wie wir das heute machen", erklärt Thomas Pieber, Facharzt für Innere Medizin der Med Uni Graz. Intervallfasten kann die hormonelle Balance regulieren, das Entzündungspotenzial senken, den Stoffwechsel sowie Cholesterin-und Blutfettwerte verbessern und das Immunsystem fitter machen. Durch ein stetiges Kaloriendefizit verliert der Körper dabei außerdem ohne Jo-Jo-Effekt überflüssige Kilos. Generell essen wir zu viel, zu schwer und vor allem zu oft. Das betont auch Fastenärztin Renate Zach von der Universitätsklinik Graz: "Kardinalfehler einer ungesunden Ernährung sind, dass wir zu spät und zu säurelastig - das heißt, zu viel tierisches Eiweiß und raffinierten Zucker - essen. Oft essen wir nur aus Gewohnheit heraus, ohne wirklich Hunger zu haben - viele kennen Hungergefühl gar nicht mehr. Dazu kommen Genussmittel wie Alkohol und Nikotin, Bewegungsmangel und Stress." Unser Körper hat bei dieser Dauerbelastung oft keine Möglichkeit, zu regenerieren. Hier kann Intervallfasten helfen, Pausen einzulegen -vom tageweisen bis zum täglichen Fasten im Stundentakt kann man die Methode (siehe auch Infobox auf der nächsten Seite) auswählen, die gerade am besten ins eigene Leben passt.

Regelmäßiges Fasten als Jungbrunnen?

Dass Teilzeitfasten auch einen verjüngenden, zellerneuernden Effekt auf den menschlichen Körper hat, bestätigen viele WissenschaftlerInnen. "Führen wir dem Körper von außen keine Energie zu, muss die Zelle zur Energiegewinnung auf kaputtes Zellmaterial zurückgreifen - molekularer Schrott wird innerhalb dieses Recyclingprozesses abgebaut, die Zelle bleibt sauber und funktioniert wieder besser", erklärt Molekularbiologe Slaven Stekovic. Diese sogenannte Autophagie startet bereits nach 24 Stunden ohne Kalorienzufuhr: "Regelmäßige Fastenintervalle sind für die Zellerneuerung viel sinnvoller und nachhaltiger als beispielsweise eine längere Fastenkur im Jahr. Man kann sich die Zelle wie eine Wohnung vorstellen: Es macht einen Unterschied, ob man nur einmal im Jahr oder jedes Monat aufräumt und putzt -mehr Freude hat man sicher an einer durchgängig sauberen und ordentlichen Wohnung." Einen ähnlichen Effekt der Zellerneuerung soll man laut Stekovic übrigens auch durch das Verzehren bestimmter Lebensmittel haben, dazu zählen etwa rote Weintrauben und Rotwein, Weizenkeime, Sojabohnen und Erbsen.

Intervallfasten als erster Schritt zu bewussterem Essen

Wer das intermittierende Fasten selbst ausprobieren will, sollte grundsätzlich fit sein und ein paar Dinge beachten: Für Schwangere, Stillende sowie Menschen mit einer Essstörung oder Stoffwechselerkrankung ist Fasten nicht geeignet. Personen, die Medikamente nehmen müssen - eventuell gemeinsam mit einer Mahlzeit -, sollten das Fastenvorhaben unbedingt besprechen. Im Zweifel hilft ein ärztlicher Check.

"In meiner Arbeit als Fastenärztin betone ich immer: Fasten ist nicht Hungern und basiert auf Freiwilligkeit", so Renate Zach. "Es ist ein Selbsterfahrungsprozess, bei dem man sich zu fragen beginnt: Brauche ich das jetzt wirklich? Habe ich Hunger - oder ist es Gewohnheit?" Und genau das ist meist der erste Schritt in ein bewussteres Essverhalten: zu merken, was man braucht, um gesund und glücklich zu sein -und wie wenig das eigentlich ist; maßvoll zu sein und dennoch mit Genuss zu essen. Vielleicht kann das Teilzeitfasten wirklich, was es verspricht - einen Versuch ist es wert.

 

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