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Gesunder Schlaf: Deshalb macht uns Schlafmangel auf Dauer krank

von

Im Schlaf arbeitet unser Immunsystem, und Körper und Psyche haben Zeit, sich zu regenerieren. Aber was macht guten Schlaf aus und was passiert, wenn wir zu wenig Schlaf bekommen? Wir haben nachgefragt.

GesundheitBirgit Brieber(Wienerin)

Brigitte Holzinger ist Leiterin des Instituts für Bewusstseins- und Traumforschung und führende Expertin im Bereich Traum und Schlaf. Wir haben sie gefragt, was guten Schlaf ausmacht und warum er so wichtig für unsere Gesundheit ist. 

 

Wie würden Sie guten Schlaf ­definieren?

Brigitte Holzinger: Zum Schlafen gehören Aufwachen und Wachsein. Das ist in der Tat auch ein wesentlicher Faktor, wenn es um die Dia­gnostik von Schlafstörungen geht. Also nicht nur: Bin ich aufgewacht? Sondern auch: Fühle ich mich ausgeruht oder bin ich wie erschlagen? Physiologisch betrachtet setzt sich guter Schlaf hauptsächlich aus sogenannten Tief- und REM-Schlafphasen zusammen.


Man liest viel von Lerchen und Eulen, also Morgen- und Abendmenschen. Sind diese Kategorisierungen noch gültig?

Ja. Es gibt Leute, die können vor ein Uhr nachts nicht schlafen. Und andere können nicht wach bleiben. Allerdings ist das keine sehr ausgeprägte Gruppe. Nur zehn Prozent der Bevölkerung sind dezidiert Eulen oder Lerchen. Es gibt aber „Eher-Abendmenschen“ und „Eher-Morgenmenschen“. Und sehr viele, die sich an beide Rhythmen ­angleichen können.


Ist es gesund, sich an einen Rhythmus anzugleichen, der einem nicht entspricht?

Das kann man zum jetzigen Zeitpunkt so nicht eindeutig beantworten. Die meisten Menschen können sich – außer sie sind ganz explizite Abend- oder Morgenmenschen – ganz gut zurechtfinden mit vorgegebenen Rhythmen. Viele haben ja oft keine Wahl und müssen um sechs Uhr aufstehen, um ar­beiten zu gehen. Ob das langfristige Konsequenzen hat, wissen wir nicht. Man kann nur sagen, nach zehn oder 14 Tagen hat sich der Körper so weit an den neuen Rhythmus ­adaptiert, dass sich Tief- und REM-Schlaf wieder eingependelt haben.


Ist die Tages- oder Nachtzeit, zu der man schläft, entscheidend?

Ja. Wir schlafen zu bestimmten ­Uhrzeiten anders. Die zirkadiane Periodik oder die ­sogenannte innere Uhr ist sehr wirksam.


Was versteht man unter Biorhythmus?

Diesen Begriff gibt es eher im Volksmund als in der Schlafforschung. Damit ist eine andere Art Rhythmus gemeint als der Tages­rhythmus, von dem die Schlafforschung ­heute spricht. Aus der Schlafforschung hat sich die Chronobiologie entwickelt – die Biologie der inneren Uhr, wenn man so will. Tagesrhythmizität, die zirkadiane Periodik, also die innere Uhr, bestimmt unsere Tendenz zum Müdewerden deutlich mit. Chronobiologie heißt ja „Biologie der Zeit“, also zu welchem Zeitpunkt welche Prozesse im Körper ablaufen und in welchem Zustand man gerade ist, also wach oder schlafend. Deshalb ist es auch nicht egal, ob man Blutdruckmedikamente in der Früh oder am Abend nimmt. Es gibt beliebte Medikamente, die in der Früh gegeben Antidepressiva sind und am Abend wie Schlafmittel wirken.


Kann man die innere Uhr den Lebensumständen anpassen?

Ja, und man kann die innere Uhr umstellen. Sonst könnten wir ja nicht mehr auf Urlaub fliegen. Wenn man Zeitzonen überfliegt, kann man sich nach etwa zehn bis 14 Tagen im lokalen Tag- und Nachtrhythmus einfinden. Angekommen ist man streng genommen aber erst nach etwa zwei Wochen in der neuen Zeit.


So lange dauert der Urlaub oft nicht …

Deswegen sollte man sich auch wirklich gut überlegen, ob es tatsächlich der richtige Weg ist, weit weg zu fliegen, um sich zu regenerieren.


Welche Folgen hat Schlafmangel für die Gesundheit?

Man weiß, dass Menschen, die im Schicht- und Wechseldienst arbeiten, eher zu Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen wie z. B. Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen neigen. Bei Frauen im Schicht- und Wechseldienst ist nach einigen Jahren mitunter sogar das Brustkrebsrisiko höher geworden als ohne Schicht- und Wechseldienst. Im Schlaf wirkt unser Immunsystem. Wenn man nicht schläft, kann es nicht arbeiten, wie es soll.

 

Weitere Infos: schlafcoaching.orgtraum.ac.at

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