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Menopause: Die Folgen des (vorzeitigen) Wechsels und warum wir nicht darüber schweigen dürfen

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Kaum jemand spricht darüber, trotzdem betrifft sie irgendwann jede Frau: die Menopause. Wenn sie zu früh kommt, kann sie das Leben der Betroffenen auf den Kopf stellen. Die Folgen des (vorzeitigen) Wechsels - und warum Frauen nicht mehr darüber schweigen sollten.

GesundheitBirgit Brieber(Wienerin)

Menopause, Wechsel, Klimakterium: Begriffe für diese spezielle Zeit der Umstellung im Leben einer Frau gibt es einige. Unerwünschte Zuschreibungen noch mehr. Fast jede Frau ist in der Zeit der Menopause mit Vorurteilen wie "nicht mehr leistungsfähig", "alt" und "vertrocknet" konfrontiert.

Wenn der Wechsel vorzeitig einsetzt, ist die psychische Belastung noch größer. Ist der Kinderwunsch noch nicht abschließend erfüllt, kann die Diagnose den Betroffenen den Boden unter den Füßen wegziehen. Plötzlich ist eben alles ganz anders.

 

Wenn die Menopause mit 33 Jahren kommt

 

Bei Katrin Bauer (Name geändert) setzte der vorzeitige Wechsel mit 33 Jahren ein. Die ersten Symptome kamen bei der zweifachen Mutter aus dem Nichts: "Ich habe in der Nacht Schweißausbrüche bekommen, der ganze Körper und die Haare waren so richtig nass. Dazu kamen Panikattacken. So etwas kannte ich vorher gar nicht." Wahrscheinliche Ursache für das Einsetzen des Wechsels waren ein zehn Jahre zurückliegender Gebärmutterhalskrebs und die deshalb notwendigen Operationen.

 

"Damals wurde mir der Muttermund entfernt. Weil ich einen starken Kinderwunsch hatte, bestand ich darauf, dass die Gebärmutter erhalten bleibt. Das hat dann Gott sei Dank funktioniert. Vor etwa vier Jahren setzten dann aber plötzlich starke Blutungen ein und die operierten Stellen mussten im Körper verödet werden. Meine Frauenärztin hat gemeint:'Das kann nicht sein, Sie sind noch so jung.' Der Einzige, der mich ernst genommen hat, war mein Hausarzt. Er hat mit mir einen Hormonstatus gemacht und diesen mehrmals wiederholt. Irgendwann mussten alle, inklusive mir, einsehen, dass es tatsächlich so ist. Meine ersten Gedanken waren: Warum ich? Warum so früh? Ich habe mich alleingelassen und alt gefühlt. Ich hatte zwar nicht den Wunsch nach einem dritten Kind, aber allein die Tatsache, dass einem diese Entscheidung von heute auf morgen genommen wird, war schwer zu akzeptieren. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es gewesen wäre, hätte ich mit dem Kinderkriegen länger gewartet."

 

"Von älteren Frauen, denen ich davon erzählt habe, wurde ich belächelt" 

 

Sich jemandem anzuvertrauen und mit Freundinnen darüber zu sprechen war anfangs nicht möglich:"Ich habe schon mit Freundinnen geredet, aber sie konnten mich nicht verstehen. Wie sollten sie auch? Von älteren Frauen, denen ich davon erzählt habe, wurde ich belächelt. Sie haben nur geschmunzelt und gesagt, das rede ich mir ein. Am meisten belastet hat mich, dass es zu Beginn nicht möglich war, mit meiner Mutter zu reden, weil sie mich und meine Beschwerden am Anfang nicht ernst nehmen konnte. Sie selbst hat den Wechsel nicht so intensiv gespürt und kannte solche Symptome nicht."

 

Katrin Bauer ließ trotzdem nicht locker und thematisierte ihre Situation innerhalb der Familie. Von ihrer Großmutter erfuhr sie, dass auch diese schon mit 35 in den Wechsel gekommen war. "Innerhalb der Familie darüber zu sprechen ist enorm wichtig. Wenn die Großmutter oder Mutter schon früh in den Wechsel kommt, ist es wahrscheinlich, dass es einem selbst auch so geht."

 

Je nach Hormonstatus geht es mir besser oder weniger gut. Ich habe selten Lust auf Sex, leide ganz klassisch unter Scheidentrockenheit und muss mich oft überwinden, meine Launen nicht an meiner Familie auszulassen.
Katrin Bauer

 

Zwischendurch wurden die Symptome und Panikattacken so schlimm, dass Katrin Bauer ihren Zustand auch dem Arbeitgeber nicht mehr verheimlichen konnte. "Ich hatte in der Arbeit plötzlich solche Schweißausbrüche, bekam keine Luft mehr, das Herz hat zu rasen begonnen, und ich habe geschwitzt, ich konnte nicht mehr weitermachen und musste an die frische Luft. Teilweise konnte ich gar nicht zur Arbeit gehen. Ich wollte es nicht erzählen, hatte aber keine Wahl." Verständnis gab es keines. Im Gegenteil. "Es war eher so, dass ich noch mehr unter Druck gesetzt wurde. Ich wurde von meinem Vorgesetzten und Kollegen kritisch beäugt, als würde ich alles erfinden und vorspielen." Den Job hat Katrin Bauer schließlich gekündigt und sich umschulen lassen. Ihr heutiger Vorgesetzter ist ein Bekannter, er akzeptiert ihre Situation. Im privaten Umfeld ist die Menopause aber unfreiwillig immer wieder Thema. "Je nach Hormonstatus geht es mir besser oder weniger gut. Ich habe selten Lust auf Sex, leide ganz klassisch unter Scheidentrockenheit und muss mich oft überwinden, meine Launen nicht an meiner Familie auszulassen. Natürlich ist das auch für den Partner eine Herausforderung."

 

Hormone nimmt Katrin Bauer trotzdem nicht. "Ich bin mit pflanzlichen Präparaten gut eingestellt, kann mit den Beschwerden leben und habe meine Situation akzeptiert." Ihr Rat an andere Frauen: "Rechtzeitig Hilfe annehmen und sich nicht abspeisen lassen. Es wäre gerade in der ersten Zeit sinnvoll gewesen, mir Hilfe zu suchen. Je mehr Frauen darüber reden, desto einfacher wird es, das Thema aus der Tabuzone zu holen. Nicht jede Frau kann das alleine schaffen und das sollte sie auch nicht müssen."

 

Von Schlafstörungen, Hitzewallungen bis hin zu Scheidentrockenheit und Haarausfall

 

Christian Matthai, Gynäkologe, Endokrinologe, Ernährungs- und Sportmediziner, behandelt in seiner Praxis viele Patientinnen, die früher oder später mit dem Thema Wechsel konfrontiert sind. "Streng genommen ist der Begriff Menopause der Tag im Leben einer Frau, an dem die letzte vom Eierstock gesteuerte Menstruationsblutung ein Jahr zurückliegt. Alles danach wird als Postmenopause bezeichnet. Der Wechsel bezeichnet die Phase, wo die Blutungen abwechselnd auftreten und ausbleiben." Wenn die Eierstöcke ihre Funktion einstellen und das letzte Eibläschen aufgebraucht ist, setzt bei Frauen der Wechsel ein. Die Abstände der Zyklen verlängern sich und irgendwann ist die Fruchtbarkeit der Frau Geschichte. Die Beschwerden reichen von Schlafstörungen, Hitzewallungen bis hin zu Scheidentrockenheit und Haarausfall und sind bei vorzeitigem und "normal" einsetzendem Wechsel dieselben.

 

Stocksnap/Julian Santa Ana

 

Bei Frauen in Österreich passiert das etwa zwischen 45 und 55 Jahren. Das Durchschnittsalter liegt bei 51 Jahren. Von vorzeitigen Wechseljahren spricht man, wenn die Regel schon vor dem 40. Lebensjahr ausbleibt.

 

Neben einigen genetischen Defekten gibt es unterschiedliche Ursachen für POF - Premature Ovarian Failure oder Primäre Ovarialinsuffizienz, so der Fachbegriff für den vorzeitigen Wechsel. Werden aufgrund einer Krebserkrankung die Gebärmutter oder die Eierstöcke entfernt, kann das ein Auslöser sein. Auch Autoimmunoder Schilddrüsenerkrankungen können dafür sorgen, dass Eierstöcke frühzeitig ihre Funktion einstellen. Die Folge ist ein Hormonabfall, der die Symptome auslösen kann. Grund zur Panik ist trotzdem nicht angebracht.

 

"Nicht jede ausbleibende Regelblutung deutet auf eine vorzeitige Menopause hin"

 

Christian Matthai: "Nicht jede ausbleibende Regelblutung deutet auf eine vorzeitige Menopause hin. Die Wahrscheinlichkeit, dass hinter einer Zyklusstörung ein anderes hormonelles Problem steckt, ist um ein Zigfaches höher. Wenn die Regelblutung wirklich selten kommt und leichte oder eben typische klimakterische Beschwerden auftreten, muss man aber schon daran denken."

 

Grundsätzlich ist jede Zyklusveränderung, die sich über mehrere Monate hält, ein Grund, wachsam zu sein. Matthai: "Wenn eine Frau Medikamente neu einnimmt, extrem viel Stress hat, viel fliegt oder starke Gewichtsschwankungen in die eine oder andere Richtung hat, kann das den Zyklus unregelmäßig machen." Wenn von diesen Dingen nichts zutrifft und die unregelmäßige Blutung über Monate besteht, wäre ein Hormonstatus ein erster Schritt zur Diagnose. Dieser wird in Österreich als Kassenleistung angeboten.

 

Den Zyklus genau zu beobachten ist aber vor allem unter hormoneller Verhütung schwierig. Matthai: "Die Pille legt über den Zeitraum der hormonellen Verhütung die Eierstöcke lahm und schaltet mehr oder weniger den körpereigenen Zyklus der Frau aus. Das heißt, die Eierstöcke sehen inaktiv aus." Bei einer Frau, die krankhaft früh in den Wechsel kommt, könnte man das am Ultraschall also nicht feststellen. Bei Frauen, die nicht hormonell verhüten, kann man die Eizellenreserve an den Eierstöcken und die Aktivität des Eierstocks erkennen. "Sind bei einer jungen Frau keine Eizellen mehr sichtbar, sollte das schon stutzig machen", so Matthai.

 

 

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