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Erregungsstörungen: Das sind die häufigsten Gründe für Lustlosigkeit bei Frauen

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Jede dritte Frau hat gelegentlich oder häufig keine Lust auf Sex. Wir haben nach den Gründen gefragt.

Lustlosigkeit bei Frauen

GesundheitRed.(Wienerin)

Jede dritte Frau ist im Laufe ihres Lebens von sexueller Unlust betroffen, bei jeder zehnten Frau ist diese Lustlosigkeit mit einem persönlichen Leidensdruck verbunden. Das sind die Ergebnisse der PRESIDE-Studie, die an 31.581 erwachsenen Frauen in den USA durchgeführt wurde. In Österreich ist die Situation ähnlich, schätzt Dr. Elia Bragagna, Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychosomatik, Psycho- und Sexualtherapeutin und Leiterin der Akademie für Sexuelle Gesundheit (AfSG). Jede dritte Frau verspürt gelegentlich oder häufig kein sexuelles Verlangen, bei jeder zehnten Frau ist diese Lustlosigkeit mit einem persönlichen Leidensdruck verbunden. Die vielschichtigen Ursachen reichen von stressigem Lebensstil bis hin zu hormonellen Veränderungen beispielsweise in der Menopause.  

Wichtig ist eine rasche Diagnose. Laut ExpertInnen hat die sexuelle Lustlosigkeit bei den wenigsten Frauen organische Ursachen.

 

Grundsätzlich können drei Frauentypen unterschieden werden:

- Für die erste Gruppe ist typisch, dass sie Sex grundsätzlich liebt, aber kein Bedürfnis danach mehr verspürt. Die Frauen merken, dass sie nicht mehr wie früher sind, finden das traurig und würde gerne wieder Anschluss an frühere Empfindungen bekommen. 

- Die zweite Gruppe hat keinen Appetit auf Sexualität und würde auch gut ohne Sex auskommen. Sie empfinden die Bedürfnisse des Partners häufig als Belastung. Es handelt sich dabei eher um Frauen, die sich grundsätzlich nicht sehr sexuell definieren. 

- Bei der dritten Gruppe ist die Sexualität v.a. durch körperliche Veränderungen beeinträchtigt. Die genitale Durchblutung ist verringert und die Reaktionsfähigkeit auf sexuelle Reize reduziert.


Hormone spielen eine Schlüsselrolle

Für ein harmonisches Funktionieren der weiblichen Sexualität ist ein feines Zusammenspiel verschiedener Hormone wichtig. Dazu gehören einerseits Sexualhormone. "Sie sind insbesondere für den Wunsch nach Sex sowie für die Erregbarkeit relevant", erläutert Prim. Dr. Heidemarie Abrahamian. Aber auch verschiedene andere Hormone wie beispielsweise Prolaktin, Schilddrüsenhormone und das Stresshormon Cortisol aus der Nebenniere üben einen Einfluss aus. Ein nicht zu unterschätzender Störfaktorist außerdem hohe Alltagsstress, dem viele Frauen permanent ausgesetzt sind.

 

Stress als Lustkiller

Univ.-Prof. Dr. Peter Hofmann, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie in Wien und Graz erklärt: "Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen sowie stressbedingte Leiden wie z.B. Burnout nehmen zu – diese Leiden wirken sich häufig negativ auf die Sexualität aus." 

 

Therapiemöglichkeiten

Bei organischen Ursachen für Sexualfunktionsstörungen steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Ein gestörter Hormonstatus durch einen erhöhten Prolaktinspiegel oder Veränderungen im Bereich der Schilddrüse ist relativ leicht zu beheben. Schwieriger ist eine Korrektur im Bereich der Sexualhormone.


Bei psychischen Ursachen ist sexuelles Desinteresse ist in vielen Fällen nur ein Begleitsymptom. In den meisten Fällen kehrt die Sexualität von selbst zurück, wenn beispielsweise ein depressiver Mensch erfolgreich behandelt wird. Aber Achtung – manche Antidepressiva können zu einer Abnahme der sexuellen Lust führen.


Wenn die Sexualität v.a. unter dem Einfluss von chronischem Alltagsstress leidet, verhilft das Erlernen von Entspannungsübungen, die Integration von Meditation etc. häufig zu mehr Gelassenheit und dadurch zu mehr Bereitschaft, sich auf Sexualität einzulassen. Auch pflanzliche Mittel können laut Univ.-Prof. Dr. Rudolf Bauer, Leiter des Instituts für Pharmazeutische Wissenschaften an der Karl-Franzens-Universität Graz helfen: "Die Arzneipflanze Damiana gilt als Aphrodisiakum. Es stabilisiert den endogenen Testosteronspiegel, verstärkt die Durchblutung und Befeuchtung im Genitalbereich und fördert dadurch die Erregbarkeit. Darüber hinaus wirkt es angstlösend und entspannend. Alle drei Effekte kommen Frauen mit nachlassendem sexuellen Interesse sehr entgegen."

 

Event-Tipp

Dr. Elia Bragagna, eine der Pionierinnen der Sexualtherapie in Österreich, gibt in ihrem Vortrag interessante Einblicke aus der sexualmedizinischen Praxis und beantwortet Fragen wie zum Beispiel "Wie entsteht Lust?" oder "Warum wird die Frau lustlos?".

Der Eintritt ist frei.

Wann & Wo:
Montag, 19. Juni 2017, 19.30 Uhr, im Kulturquartier (Ursulinensaal), OK-Platz 1, 4020 Linz
Dienstag, 27. Juni 2017, 19.30 Uhr, im Museumsquartier (Arena 21), Museumsplatz 1, 1070 Wien
Mittwoch, 28. Juni 2017, 19.30 Uhr, im Flughafen Graz, 8073 Feldkirchen bei Graz

 

 

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Kommentare

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1 Kommentare
dalajul
11.06.2017 18:49

Lustlosigkeit

Es ist unglaublich, wie viele Frauen davon betroffen sind. Den Artikel finde ich sehr interessant, vor allem hat man hier die Ursachen gut definiert.
Was ich noch aus eigener Erfahrung dazu sagen kann ist, dass es sich auch sehr oft von einer Kombination verschiedener Faktoren handelt. Und je länger sich die Situation nicht ändert, desto schwieriger wird es für eine Frau das sexuelle Interesse wieder zu erwecken.
Ich würde schon mal auch dieses Dr. Böhm Damiana probieren und hoffe, dass ich zu so einem Vortrag mal auch gehen kann, weil das Thema sehr komplex ist und es mich sehr interessieren würde.