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Kolumne: Da läuft nix!

von

Joggen ist einfach nicht Olivia Peters Ding. Trotzdem braucht es Läufer wie sie: Sie hilft den Schnelleren, sich besser zu fühlen.

Olivia Peter Kolumne WIENERIN

LebenOlivia Peter(Wienerin)

Brummend fliegt die kleine, gelbschwarze Hummel von einer pinkfarbenen Pelargonie zur nächsten. Sie ist schon so dermaßen beladen mit Pollen und Nektar, dass sie sich kaum in der Luft halten kann. "Moi, ist die niedlich. So klein und dick!", sage ich. "Wie du", sagt der Große neckisch. Kleiner Scherz - den ich aber so gar nicht witzig finde, drei Tage vorm Badeurlaub. "Findest du, ich habe zugenommen!?" Der Große erkennt die Fangfrage und antwortet diplomatisch:"Wir haben beide etwas zugelegt!"

Hallo, Schweinehund!

Mehr brauche ich nicht. Ja, ja, ich weiß: Wir Frauen dürfen uns nicht dem Diktat der Schönheitsideale unterwerfen. Ich weiß: Es gibt im Leben einer Frau (ge-)wichtigere Themen. Dennoch. Der Entschluss steht: Ab heute Sport! Ab heute gesund!

Nur verhält es sich bei mir mit Vorsätzen ganz ähnlich wie mit dem Bügeln: Am Anfang des Wäschebergs bin ich voll motiviert. Jedes Teil wird mit äußerster Sorgfalt gebügelt. Dann kommt immer öfter der Passt-schon-so-Moment. Gleich danach der Das-muss-nicht-gebügelt-werden-Moment, und circa ab der Hälfte fische ich jedes Stück mit dem Laut "Maaah " aus dem Wäschekorb. So beginne ich auch meine Lebensumstellung: mit einem "Maaah " und einem Bananenchip. Zur Motivation. Ist schließlich Obst! Also totaaal gesund. Die Worte "frittiert" und "Zucker" sind zudem so klein auf die Packung gedruckt, dass sie bestimmt auch mein Körper übersieht. Nächster Programmpunkt: Sport! Radeln? Ich würde ja, aber man hat mir meinen Drahtesel gestohlen. "Wie praktisch!", flüstert spöttisch meine sportverweigernde innere Stimme.

 

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Was wurde aus "Ich geh mal schnell laufen"?

Geh ich halt laufen. Am Donaukanal. Hoch motiviert werfe ich mich in meine Trainingshose, die ich seit meiner Schulzeit besitze. Weites T-Shirt vom Freund. Dazu ausgelatschte Trainingsschuhe, die variabel fürs Garteln, Gassigehen oder häusliche Renovierungsarbeiten eingesetzt werden. Nach einer Viertelstunde breche ich ab. Nicht wegen mangelhafter Kondition. Wegen Scham! Was ist aus dem guten alten "Ich geh mal schnell laufen" geworden? Neongelb gewandete Menschen joggen mit Pulsmessuhr, Runtastic-App, gelenkschonenden Laufschuhen und anderem Kram an mir vorbei, als wären sie allesamt der Profiliga entsprungen. Sie wissen, ob sie sich beim Laufen über die Ferse oder den Ballen abrollen. Sie wissen, dass man Laufschuhe eineinhalb Nummern größer kauft. Ich weiß nur: Ich habe keine Lust mehr!

Frustriert kehre ich ins traute Heim zurück. Der Große verschluckt sich fast, als er mich in der Laufmontur erblickt. Fragt, ob ich was essen möchte. Ich verneine. "Machst du Diät?" Das mag ich schon, wenn andere meine Vorhaben mitkriegen! Nein, antworte ich patzig und zitiere in meinen zuckrigen, frittierten Bananenchip beißend Scarlett O'Hara: "Nicht heute. Verschieben wir es auf morgen."

Dieser Text erschien in der WIENERIN Nr. 09/2016 vom 25.08.2016.

 

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