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Auf Lepschi: Warum ich Ü30-Partys in Zukunft meide

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Unser Kollege Ljubiša geht einmal im Monat „auf Lepschi“ und schaut sich an, wie vielfältig in Wien gelebt und gefeiert wird. Diesmal war er bei einer Ü30-Party und fand sich dabei in „bedeutungsschwangeren“ Gesprächen wieder.

LebenLjubiša Buzić(Wienerin)

Der Beruf des Lifestyle-Journalisten hat ein paar ganz entscheidende Vorteile. Zum Beispiel kann man überall hingehen und alle (un)möglichen Dinge ausprobieren – und sich immer darauf ausreden, dass man nur Recherche betreibe. An diesem Abend „recherchiere“ ich mit einem Gin Tonic in der Hand und meinem Freund A. neben mir im Wiener Volksgarten. Anlass ist eine Party mit dem swingenden Namen 30 Dancing (in liebevoller Anlehnung an den allseits beliebten Kitsch-Klassiker Dirty Dancing).

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I’m So Excited

Musikalisch lässt sich das hier als Ort beschreiben, an dem die 1970er-Jahre nie geendet haben. Optisch als Ort, an dem sich Menschen, die aussehen, als würden sie gerade von einem Business-Meeting kommen, betrinken. Während ich das Ü30-, Ü40-und Ü-höher-traue-ich-mich-nicht-schätzen-Publikum betrachte, kriege ich langsam Zweifel an meinen eigenen Reifegrad.


Ich selbst habe in meinem Schuhschrank nur Sneakers und bezeichne Schuhe aus Leder als „Erwachsenenschuhe“. Mein Freund A., der sich in seinem T-Shirt völlig underdressed fühlt, fängt schon beim ersten Bier an, anzudeuten, dass er möglicherweise nicht lange bleiben werde. Währenddessen beobachte ich ein Ü40-Pärchen, das gerade in einer ruhigen Ecke tänzerisch zu "I’m so excited" abgeht.

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Beim zweiten Bier ist es so weit: A. hat etwas anderes gefunden, wo er seinen Donnerstagabend verbringen will. Ich drücke mein Bedauern aus, fühle mich aber zu weiterer Recherche verpflichtet. Journalismus erfordert schonungslose Ehrlichkeit, und ich will schonungslos ehrlich sein: Dass ich in der letzten Stunde öfter von Frauen angelächelt wurde als im letzten Monat, könnte zu meiner Motivation beigetragen haben - 70er-Jahre-Hits hin oder her. Ja, ich hab zwar eine Freundin zu Hause, aber Job ist Job, sage ich mir und beschließe, die nächste Frau, die mich anlächelt, anzusprechen. Zu Recherchezwecken.

 

Gestatten?

Und tatsächlich, kaum habe ich mich an einen der leeren Tische am Rand der Tanzfläche gesetzt, bekomme ich das erste Lächeln. Die Besitzerin des Lächelns heißt L. und offenbart mir nach kurzem Small Talk eine Überraschung – zum Beweis steht sie auf und deutet auf ihren Bauch: im siebten Monat schwanger. Ich gratuliere und erkundige mich vorsichtig nach dem Vater des Kindes. „Der ist zu Hause und passt auf unseren Zweijährigen auf.“


Der Journalist in mir freut sich über die unkonventionelle Geschichte und findet die progressiven Geschlechterrollen cool. Nur L. sieht mich jetzt ein wenig bemitleidend an: „Du kannst aber mit meiner Schwester reden, wenn du magst“, bietet sie mir Ersatz an. Ich danke und entschuldige mich: „Ich glaube, ich muss noch etwas recherchieren gehen.“

 

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