< Zur Mobilversion wechseln >

Selbstvertrauen: Tipps für alle, die sich manchmal unsicher fühlen

von

Ob man Fußball mag oder nicht – eines muss man den Fans lassen: Sie haben Selbstvertrauen, trauen sich mit verrückten Hüten und Gesichtsbemalung auf die Straße und zeigen wofür sie stehen. Wir fragten Experten, was wir uns vom Selbstbewusstsein der Fußballfans abschauen können.

Weibliche Fußballfans Selbstvertrauen

LebenLjubiša Buzić(Wienerin)

Fußballfans tun es jeden Tag, nicht nur während der EM: Sie lieben ihre Mannschaft. Tragen Trikots in ihren Farben. Kaufen T-Shirts und Tassen mit den Gesichtern ihrer Helden. Hängen Bilder mit deren größten Erfolgen an die Wände und singen ihre Lieder. Gleichzeitig holen sie eine Menge Selbstvertrauen aus ihrer Leidenschaft. Denn genauso wie die Sportler im Wettkampf brauchen auch die Anhänger Mut, um in ihrer Arena zu bestehen. Was können wir also von den Fans lernen, wenn es um unser eigenes Selbstbewusstsein geht? Wie können wir unser eigener „größter Fan“ werden?

 

„Es geht darum, im wahrsten Sinne des Wortes ‚Farbe zu bekennen‘“, sagt Harald Lange, Leiter des Instituts für Fankultur in Würzburg. Bei den Fußballfans sind das Symbole, die Sicherheit geben und Ausdruck der eigenen Identität sind. Aber nicht nur das: Mitglieder einer Fanszene gehen gemeinsam zu den Spielen, sprechen darüber und identifizieren sich damit. „Das stärkt dann das eigene Selbstbewusstsein, unabhängig davon, ob der Verein erfolgreich spielt oder weniger erfolgreich.“

 

Positive Gefühle aktivieren

Müsste man es also mit dem eigenen Selbst genauso machen? Mit anderen über sich reden, seine eigenen Siege als Poster an die Wände hängen? Das Visualisieren von Erfolgen hilft auf jeden Fall, sagt Persön­lichkeitscoach Shu Gaigg (realitycoaching.at). Ob es ein echtes Bild ist oder nur eine Vorstellung, spielt dabei keine Rolle. „Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen echten und vorgestellten Erlebnissen. Die Gehirnchemie ist die gleiche oder sehr ähnlich.“ Das kann man nutzen, indem man seine Perspektive auf vergangene Ereignisse ändert, oder indem man die Zukunft wie einen Film vor sich ablaufen lässt. Mit dieser Technik helfen Trainer ihren Klienten bei Redeangst oder Sportlern vor einem wichtigen Wettkampf.

Alles, was positive Gefühle auslöst, hilft dem Selbstvertrauen auf die Sprünge, ist Shu Gaigg überzeugt. „Es gibt ganz oft die Idee, dass man sich erst wohlfühlen darf, wenn man was geleistet hat. Aber das ist ein Geburtsrecht.“ Viele der Tipps für seine Klienten beruhen daher auf dem Visualisieren und Abrufen von positiven Gefühlen in einer stressigen ­Situation. Vorher muss sich aber an der Einstellung zu sich selbst etwas ändern, meint Gaigg.

 

Innere Kritiker besiegen

Was der Coach nicht nur bei seinen Klienten immer wieder beobachtet, ist nämlich eine hemmungslose Selbstkritik: „Manche Menschen gehen mit sich schlimmer um als mit ihrem größten Feind. Und das steht einem gesunden Selbstvertrauen massiv im Weg.“ Wir erwarten von uns, dass wir im Studium die besten Noten haben, in der Arbeit den maximalen Erfolg und privat ein Bilderbuchleben. Daneben sollen wir gut aussehen, fit sein und begehrenswert. Und wenn das dann nicht klappt, machen wir uns innerlich hemmungslos nieder. Das zerstört natürlich das Selbstvertrauen.

„Man wird im Laufe seines Lebens zu dem, womit man sich tagtäglich beschäftigt. Man sollte also besser aufpassen, was man seinem Hirn erlaubt“, so Gaigg. Das kann man tun, indem man sich etwa jeden Morgen und Abend mit Zielen und Erfolgen des jeweiligen Tages beschäftigt, oder indem man Dankbarkeit übt: Wenn ­einem ein unangenehmer Mensch begegnet, sollte man nicht schlecht gelaunt sein, sondern einen Freund anrufen und ihm für die energiespendenden Gespräche danken. „So übernimmt man Verantwortung für das eigene Gefühlsleben“, erklärt der Coach.

 

Leidenschaft finden

Aber was ist jetzt eigentlich mit den Sportfans? Haben wir nun etwas von ihnen gelernt? Auf jeden Fall, meint Sportwissenschaftler Harald Lange, der einen engen Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsentwicklung und dem Handeln von Fans sieht. Um den zu verstehen, muss man sich erst mal die bunten Trikots, Fahnen und Trompeten wegdenken. Was dann bleibt, ist die Leidenschaft für eine Sache. Und die ist möglicherweise das Wichtigste auf dem Weg zu einem gesunden Selbstbewusstsein: „All diese Selbstkompetenzen entstehen nicht einfach im luftleeren Raum. Sie wachsen immer nur in Auseinandersetzung mit ganz klaren Themen“, sagt Lange.

Ohne Inhalte kein Selbstbewusstsein. Ob das jetzt eine Mannschaft ist, der Beruf, der Brieftaubenverein, das Haus oder die Wohnung – es geht immer darum, wie wir uns etwas aneignen und irgendwann zu unserem Thema machen. „Für Fans ist ihre Leidenschaft ein Lebensthema, obwohl es in Wirklichkeit überhaupt nicht relevant ist, ob Rapid oder Austria Wien gewinnt.“ Wenn man jemandem für sein Selbstbewusstsein nur einen einzigen Tipp geben könnte, dann wäre es dieser: Suchen Sie sich einen Inhalt. Suchen Sie etwas, wofür Sie sich begeistern und wofür Sie bereit sind, Ihre Energie hineinzustecken. Wenn Ihnen das gelingt, haben Sie wirklich einen Grund, Ihr eigener Fan zu sein.          

 

Kommentare

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen