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Kommentar: Warum die katholische Kirche frauenfeindlich ist

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Die Frauen dienen, die Männer führen – die konservativen Frauenbilder der katholischen Kirche sind immer wieder Anstoß für Kritik. Jüngstes Beispiel: Irland.

LebenJelena Gučanin(Wienerin)

 

„Eure Vagina ist deren Sache!“ Mit diesen Worten rief die Stand-Up-Komikerin Gráinne Maguire auf Twitter Frauen in Irland dazu auf, den Stand ihres Menstruationszyklus an den irischen Premierminister Enda Kenny zu tweeten. Die Aktion soll auf Irlands strenge Abtreibungsgesetze hinweisen.


Schwangerschaftsabbrüche sind in Irland nämlich nur dann erlaubt, wenn das Leben der Mutter gefährdet ist. Und sogar dafür hatte es erst eine Schock-Nachricht gebraucht: 2012 war eine 31-jährige Frau an einer Blutvergiftung nach einer Fehlgeburt gestorben, weil die Ärzte ihr eine Abtreibung verweigert hatten. Viele Frauen müssen deshalb eine teure Reise nach Großbritannien in Kauf nehmen, um ungewollte Schwangerschaften abzubrechen. Abtreibung ist in Irland also eine Straftat, die mit bis zu 14 Jahren Haft verurteilt werden kann.


Das Skurrile daran: Irland zeigt sich in anderen Bereichen, etwa der Drogenpolitik fortschrittlich. Der Gebrauch von kleinen Mengen Heroin, Cannabis und Kokain könnte nämlich bald legal sein. Doch bei den Frauen setzt der katholische Inselstaat weiterhin auf Strenge. Aber warum eigentlich? Der Grund: die katholische Kirche.

Die Macht und die Doppelmoral


Die römisch-katholische Kirche hat in Irland viel Macht. Umso erstaunlicher ist, dass sich die Iren und Irinnen im Mai in einem Volksentscheid klar für die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe ausgesprochen haben. Das hat zu einem Teil sicherlich auch damit zu tun, dass der irische Gesundheitsminister homosexuell ist. Dieser Widerspruch zeigt aber auch ganz gut, dass sogar eher noch Homosexualität befürwortet wird, bevor Frauen das Recht gegeben wird, über ihre eigenen Körper zu entscheiden.


Die Diskriminierung aufgrund religiöser Strukturen zieht sich in Irland aber auch in andere Bereiche: Paragraph 37 des „Employment Equality Act“ erlaubt es Arbeitgebern wie zum Beispiel kirchlichen Institutionen, Angestellte zu entlassen, weil sie homosexuell, geschieden oder unverheiratet sind. Denn es widerspricht dem religiösen „Ethos“. Da 98 Prozent der Volksschulen und 52 Prozent der höheren Schulen von religiösen Institutionen geführt werden, heißt das: überall dort kann munter diskriminiert werden.

Dienende Frauen, leitende Männer


"Die Frau ist ein misslungener Mann. (...) Der wesentliche Wert der Frau liegt in der Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen. (...) Mädchen entstehen durch schadhaften Samen“, schrieb der Kirchenlehrer Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert.


Seitdem hat sich in Sachen katholisches Frauenbild nicht viel getan, sagt auch Petra Schäffer von der Initiative „Wir sind Kirche“: „Das katholische Frauenbild ist antiquiert und hat eine lange Tradition. Frauen gehören demnach in die Küche und zu den Kindern und sind für öffentliche Ämter nicht geeignet. Folglich wird den Frauen auch die Priesterweihe vorenthalten.“ (Lesen Sie hier das komplette Interview!)


Nicht nur Petra Schäffer wünscht sich, dass sich in Sachen Gleichberechtigung endlich etwas tut. Denn das Frauenbild der katholischen Kirche hat reale Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Nämlich dann, wenn eine Institution, die seit Jahrtausenden für die Unterdrückung der Frau steht, in familien- und frauenpolitischen Belangen mitreden darf. Österreichs Familien- und Jugendministerin Sophie Karmasin (ÖVP) traf sich sogar erst kürzlich mit Papst Franziskus und bedankte sich für seine "enormen Leistungen" für die Familie als "Kerngerüst der Gesellschaft". Auch mit dem Erzbischof Vincenzo Paglia hat sie geredet. Thema: der Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten und moderne Familienkonstellationen. Willkommen in der Gegenwart.

Frauen helfen im Hintergrund


Ganz klar ist auch: Frauen können keine Karriere innerhalb der römisch-katholischen Kirche machen. Schließlich bleibt ihnen das Weiheamt verwehrt. Und bei diesem Thema hat es die katholische Kirche tatsächlich geschafft, sich zurückzuentwickeln: denn die frühe Kirche hat Frauen in Weiheämtern gekannt. Eine, die es gewagt hat, sich weihen zu lassen, wurde exkommuniziert. Christine Mayr-Lumetzberger ließ sich mit sechs weiteren Frauen vor dreizehn Jahren von einem "abtrünnigen" Bischof zur Priesterin und später zur Bischöfin weihen. Für die katholische Kirche: ein ungültiger Akt, der die Kirche spaltet. Das heißt: nach wie vor sind alle Entscheidungsträger männlich, und es wird wohl noch viele Jahre ein exklusiver Männerclub bleiben.


Die Frauen aber helfen im Hintergrund, sie halten das System am Laufen. „Die Kirche wird getragen von Frauen im Haupt- und Ehrenamt“, sagte Elfriede Schießleder, Vizepräsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes im Interview mit der „Zeit“. Auch Petra Schäffer von „Wir sind Kirche“ weiß: „Viele Frauen engagieren sich in der Kirche: als Pfarrhaushälterin, als Pfarrsekretärin, als Krankenhausseelsorgerin, als Pastoralassistentin oder als Religionslehrerin.“

„Es kann nur der Mann sein“


Einen Kurswechsel habe Papst Franziskus in dieser Hinsicht immerhin eingeläutet. Er sprach sich mehrmals dafür aus, dass Frauen in der Kirche mehr Platz bekommen sollen, auch in führenden Positionen. Das Weiheamt bleibt aber weiterhin den Männern vorbehalten.


Die Benachteiligung der Frauen hat eine lange Tradition – nicht nur in der katholischen Kirche. Dort war und ist sie nach wie vor aber besonders stark. Gerade in Zeiten, in denen ständig auf "den" Islam und dessen rückständiges Frauenbild gezeigt wird, sollte auch das thematisiert werden. Erst vor wenigen Jahren hat der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig gesagt: „Frauen werden auch in hundert Jahren nicht Priester sein, weil es nichts mit der Zeit zu tun hat, sondern sich aus der Natur des Priesteramtes heraus ergibt." Und weiter: „Ein Priester entspricht Christus als Bräutigam im Verhältnis zur Kirche als Braut. Es gibt eine Unterschiedlichkeit in den Geschlechtern, in ihrer Bedeutung, die nicht aufgehoben werden kann.“ Er schätze die Mitarbeit von Frauen in der Kirche und sei stolz auf ihr Engagement. Doch ein Priester repräsentiere Christus im Verhältnis zur Kirche – „und das kann nur der Mann sein“.


Nicht zu vergessen: das Zölibat. Eine der Begründungen dafür, dass Priester nicht heiraten dürfen, ist: die Ehe würde sie zu sehr ablenken. Aus dem 1. Korintherbrief: "Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen." Die Frau ist Gefahr, sie ist Ablenkung, sie ist unwichtig. Dahinter immer: das Tabuthema Sex und der Körper der Frau als Hort der Sünde. So wie es auch in der Bibel steht: "Ihr sollt aber wissen, dass Christus das Haupt des Mannes ist, der Mann das Haupt der Frau und Gott das Haupt Christi.” Amen.

 

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