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Vorreiter

Ein Blick in Stockholms Gender-neutralen Kindergarten

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Schweden ist bekannt für seine geschlechtersensible Politik, der Kindergarten ist ein - nicht allseits beliebtes - Vorreiterprojekt. Was bringt's, wie funktioniert's? Die WIENERIN blickt hinter die Kulissen.

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LebenTeresa Havlicek(Wienerin)

"Hen" verwenden die schwedischen PädagogInnen als geschlechtersensible Alternative von "han" oder "hon", also sie oder er. Die Kinder werden nicht als Bub oder Mädchen bezeichnet, sondern immer mit Namen angesprochen. In der Gruppe werden sie schlichtweg als "Freunde" bezeichnet. "Wir verbessern die Kinder niemals", erzählt Lotta Rajalin, Direktorin des Kindergartens, "aber wir Erwachsene würden sonst Stereotype hineininterpretieren, und das möchten wir verhindern."

 

Volles Potential fördern

 

Der Nicolaigarden ist Stockholms erster geschlechtersensibler Kindergarten. Es fing 1998 an, als die schwedische Regierung ein Gesetz verabschiedete, dass Mädchen und Jungen in allen Bildungsstadien die selben Rechte und Chancen einräumte. Daraufhin fingen die PädagogInnen an, sich gegenseitig zu beobachten und ihr Verhalten zu analysieren. Mädchen wurden zum Beispiel länger getröstet, wenn sie sich weh getan haben. Auch haben sie sich länger mit ihnen unterhalten, was zum Beispiel ein Grund für die früher entwickelten Sprachkenntnisse sein könnte. Wenn sie auf Bäume geklettert sind, wurden die Mädchen allerdings gestoppt - und Burschen nicht. Aus diesen Analysen haben die Pädagogen Lehren gezogen. Die Hälfte der Belegschaft ist heute männlich, trotz des weiblich dominierten Berufs, und dabei so vielfältig wie möglich. Dabei ist auch ein Mann, der der Sikh-Religion angehört und ein Muslim.

 

Die Buben dürfen gerne auch die schöne Prinzessin spielen, die gerettet wird. Jeder, wie er will.

Die Betreuung erfolgt in Gruppen von 10-30 Kindern, mit mehreren Pädagogen pro Gruppe. Insgesamt sind die Kinder zwischen 1 und 6 Jahren alt, und werden in Gruppen mit gleichaltrigen Kindern aufgeteilt. "Es geht darum, dass sich die Kinder wie ihr authentisches Selbst entwickeln, und keine stereotypischen Vorannahmen auf sie projeziert werden", erzählt Frida Wilkstrom, Koordinatorin mehrerer Kindergärten. Nichts ist nach Geschlechterfarben kodiert, die Kinder werden ermutigt, alles auszuprobieren. Die Mädchen eben auch Traktoren und Lego, und die Buben auch Puppen spielen. Wenn sie möchten, können die Burschen auch die schöne Prinzessin spielen, die gerettet wird. Jeder, wie er will. Wenn die Mädchen am Ende trotzdem lieber Prinzessin spielen wollen, ist das auch okay.

 

Kritik selbst im Vorreiterland

 

Selbst im fortschrittlichen Schweden bekommt der Nicolaigarden immer wieder Kritik: Post, Mails, öffentliche Stellungnahmen. Meistens ist die jedoch eher inhaltsleer. Eine Pädagogin meint, die Menschen hätten Angst, dass man ihren Kindern irgendetwas wegnehmen möchte. Ganz im Gegenteil: Sie möchtenn niemandem seine Bubenhaftigkeit oder Mädchenhaftigkeit wegnehmen, sie wollen ihnen etwas zusätzliches geben.

 

Tanja Bergkvist ist eine der berühmtesten Kritikerinnen des Konzepts, sie spricht gerne von "Gender Wahnsinn" - Vokabular, das uns ja zur Genüge aus einschlägigen Kreisen bekannt ist. Sie pocht auf biologisch determinierte Unterschiede zwischen Mann und Frau, und dass man auf diese eingehen sollte.

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