< Zur Mobilversion wechseln >

Kämpferinnen: "Ohne Betreuungsplätze droht Alleinerziehenden die Mindestsicherung"

von

Die Studentin und Alleinerziehende Lucy über fehlende Betreuungsplätze, Mindestsicherung und Studium mit Baby.

JetztProtokoll: Denise Grill(Wienerin)

In der Artikel-Serie "Kämpferinnen" lässt die WIENERIN.at Frauen zu Wort kommen, die sonst in der Öffentlichkeit wenig bis gar nicht gehört werden. Frauen, die in der Diskussion über politische Veränderungen nur selten in den Blick genommen werden. Und die von der Gesellschaft allzu oft vergessen werden. Heute: das Gesprächsprotokoll mit Lucy, Studentin und alleinerziehende Mutter.

 

"Ich hatte keine einfache Schwangerschaft. Mit war acht Monate lang ständig übel. Deshalb habe ich mein Studium an der Fachhochschule pausiert. Stattdessen habe ich viel gearbeitet, um Geld anzusparen und in eine andere Wohnung umzuziehen. Vor dem Wiedereinstieg ins Studium hatte ich große Angst überfordert zu sein, aber es lief super. Es hat mir richtig gut getan, nach drei Monaten nur Muttersein wieder etwas zu machen, das nicht mit meinem Kind zu tun hat. Direkt nach der Geburt ist man ja nur zu Hause. Ich musste mich erholen und lernen, mit meiner Tochter zurecht zu kommen. Darauf kann man sich wirklich nicht vorbereiten - egal wie viel man liest oder macht. Wenn das Baby da ist, ist man erstmal überfordert. Drei Monate habe ich auf jeden Fall gebraucht, obwohl meine Tochter ein sehr entspanntes Baby ist. 

 

Zurück im Studium

Mein Wiedereinstieg ins Studium war angenehm – ich kam aber in eine neue Klasse und hatte Angst, dass das Baby und ich stören würden – das war aber überhaupt nicht der Fall. Die FH war hier sehr unterstützend: Zum Milchabpumpen durfte ich den Erste-Hilfe-Raum nutzen, der verschließbar ist. Ich stille in der Öffentlichkeit und es macht mir nichts aus, aber Milchabpumpen ist etwas, wo ich Ruhe und eine hygienische Umgebung brauche.

In den ersten Monaten, als sie noch viel geschlafen hat, habe ich meine Tochter oft in den Unterricht mitgebracht. Aber mittlerweile ist sie viel aktiver und es ist nicht mehr möglich sie regelmäßig mitzunehmen.

 Privat

Mangel an Kinderbetreuungsplätzen

Ich bin froh, dass mich meine Schwester unterstützt. Sie ist im Herbst sogar extra nach Wien gezogen und nimmt sich jede Woche einen Tag frei, um auf meine Tochter aufzupassen. Oft bin ich auf die Unterstützung von Freundinnen angewiesen, denn das Angebot an BabysitterInnen ist zwar groß, aber sehr teuer und es ist schwierig jemanden zu finden, der oder dem man zu hundert Prozent vertraut. Ansonsten gibt es noch Tagesmütter und Kinderkrippen, aber bis man einen Platz bekommt, dauert es oft ewig. Ich wurde leider abgelehnt für einen Platz im April. Glücklicherweise habe ich ab Herbst einen Platz, aber was mache ich in den Monaten davor? Von städtischen Kindergärten habe ich bisher nur Absagen bekommen. Und das, obwohl ich alle Kriterien erfülle: Ich habe einen festen Arbeitsplatz, bin in Ausbildung und Alleinerziehende. Hätte ich mich nicht um einen privaten Platz bemüht, wäre ich geliefert.

 

Ein zusätzlicher Job ist fast unmöglich – ich habe keine Kinderbetreuung. Wie und wann soll ich dann arbeiten?

 

 

Finanzielle Unterstützung

Ich bin zwar Schweizerin, bekomme aber die gleiche finanzielle Unterstützung wie eine Österreicherin. Weil ich schon seit fünf Jahren in Wien bin, habe ich einen permanenten Wohnsitz und somit die gleichen Rechte. Privatkindergärten muss ich, wie alle anderen, natürlich schon bezahlen - wobei ich einen Rabatt bekomme, weil ich Studentin und Alleinerziehende bin. Derzeit muss ich die Betreuung komplett aus eigener Tasche bezahlen und das geht schon sehr ins Geld. Noch dazu ist zusätzlich arbeiten ohne Kinderbetreuung fast unmöglich. Wie und wann soll ich ohne Betreuungsplatz für mein Kind arbeiten? Ich müsste für die Stunden, in denen ich arbeite eine/n BabysitterIn bezahlen und dann bleibt mir nichts vom Geld übrig.

 

Wovor ich deshalb wirklich Angst habe ist, dass die subventionierten Betreuungsplätze gestrichen oder gekürzt werden – denn das ist wirklich ein Horror für alle Mütter - vor allem aber für Alleinerziehende. Dann können sie nicht mehr arbeiten und müssen von Mindestsicherung leben. Genau das ist im Februar diesen Jahres in Oberösterreich passiert. Ich habe die Diskussion über die gestrichenen Kinderbetreuungsplätze verfolgt und fand die Reaktionen darauf sehr heftig. Man liest Kommentare wie: "Man muss sich vorher überlegen, ob man sich ein Kind leisten kann" oder "Warum bekommt man Kinder, wenn man sie dann eh in die Kinderkrippe abschiebt?" Solche Aussagen sind sehr verletzend und absolut nicht hilfreich. Die Schuld sollte hier nicht bei den Müttern gesucht werden. Kind und Beruf sollten einfach besser zu verbinden sein.

 

Natürlich steht das Kind an erster Stelle, aber meine Bedürfnisse stehen genauso an erster Stelle.

 

Lucys Wunsch an die aktuelle Regierung

Ich wünsche mir, dass sie abtritt und es Neuwahlen gibt. Aber wenn es konstruktiv sein soll, dann wünsche ich mir, dass die Vorgaben für das SelbsterhalterInnen-Stipendium gelockert werden, wenn man Kinder hat. Ansonsten bleibt nur noch die Mindestsicherung." 

 

Diese Mutter zeigt, wie stark Mädchen wirklich sind

Alle 13 Bilder anzeigen »

Kommentare

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen