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Meinung: Bitte hört auf, mich (und alle anderen Frauen) zu fragen, wann die Kinder kommen

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Wie es ist mit Anfang 30 ständig aufs Kinderkriegen angesprochen zu werden. Kleiner Tipp: nicht besonders angenehm.

JetztJelena G.(Wienerin)

„Schau mal!“ Meine Mutter ist ganz aufgeregt, als sie mir ein Handyfoto zeigt. Darauf zu sehen: eine junge Frau mit zwei Kindern. Das Kleinste ein Neugeborenes. Ich so: „Und, wer ist das?“ „Deine Cousine XY.“ „Aha.“ Darauf meine Mutter: „Sie ist fünf Jahre jünger als du.“ „Und?“ „Naja, sie hat schon zwei Kinder.“ Meine Reaktion: „Selber schuld.“ Empört zieht meine Mutter das Handy weg, und sagt: „Was heißt selber schuld!? Sie ist ein VORBILD!“

 

Es ist nur eine der eigentlich zahllosen Szenen mit weiblichen Familienmitgliedern, die mir zum Thema Kinderkriegen einfallen. Egal auf welchem Familienfest, und egal zu welchem Anlass – etwa auch bei meiner Sponsion – die Frage, die irgendwann immer aufkommt, ist: „Und, wann kriegst du Kinder?“ Dabei dienen meist entfernte (oder nicht so entfernte) Cousinen als Vorzeigebeispiele einer heterosexuellen Ehe-Kinder-Gefangenschaft. Und ich sage hier bewusst „Gefangenschaft“, denn das ist das Thema Kinder momentan für mich: etwas, worauf ich mich in dieser Phase meines Lebens nicht konzentrieren will. Weil ich weder die Energie noch die Lust darauf habe, mich 24/7 um ein Kind zu kümmern. Und das ist vollkommen okay so, oder?

 

Ich will mich nicht dafür rechtfertigen müssen, was ich mit meinem eigenen (!) Körper mache

 

Dafür gibt es nämlich jede Menge Gründe: ich möchte einfach noch ein bisschen leben, bevor ich mich um ein anderes Lebewesen kümmern muss. Ich möchte noch einige Projekte zu Ende bringen, die mit Kind sicherlich nicht so einfach umzusetzen sind. Ich möchte finanziell absolut unabhängig sein. Ich möchte ausschlafen. Ich möchte ein Buch in Ruhe zu Ende lesen, ohne von Kindergeschrei gestört zu werden. Ich möchte verreisen, wann und wohin ich will. Und ich möchte vor allem persönlich dazu bereit sein, meine Zeit einem Baby zu widmen. Natürlich ist klar: ein Baby bedeutet nicht das Ende der Welt - doch auf jeden Fall bedeutet es jede Menge Hingabe, die ich momentan nicht aufbringen will. Und dafür rechtfertigen will ich mich schon gar nicht.

 

Doch abgesehen von meinen (ganz persönlichen und privaten) Gründen, warum ich derzeit keine Kinder will, ist es auch einfach aufdringlich, diese Frage zu stellen. Denn meine Nachwuchspläne oder Nichtpläne gehen niemanden etwas an – auch meine eigenen Eltern nicht. Ich frage doch auch niemanden beiläufig, welche Verhütungsmethode sie gerade präferieren oder ob schon bald der Geschlechtsverkehr ansteht, bei dem ein Kind entsteht. Vielleicht sollte man die Frage „Und wann planst du, Kinder zu kriegen?“ einfach in irgendetwas mit Sex übersetzen – dann würde sie vermutlich auch niemand mehr stellen. Schon gar nicht die eigene Familie.

 

Die Frage "Wann kriegst du Kinder?" ist (fast immer) ein Eingriff in die Privatsphäre 

 

Denn darum geht es schließlich: intimste Entscheidungen im Leben einer Frau, und auch in einer Partnerschaft. Das Gefühl, das ein Satz wie „Ich will doch so gerne Großmutter werden“, vermittelt, ist vor allem: Frauen sind Gebärmaschinen. Und nein, es ist nichts Egoistisches oder Verwerfliches daran, wenn Frauen überhaupt keine Kinder kriegen wollen – denn die gibt es (Überraschung!) auch. Und wie es Frauen mit Kinderwunsch, aber Schwierigkeiten beim Kinderkriegen – oder gar Unfruchtbarkeit – gehen muss, wenn sie diese Frage hören, kann sich jeder selbst ausmalen.

 

Ich weiß: es ist gut gemeint. Und irgendwo steckt der Wunsch nach einer großen, glücklichen Familie mit süßen Babys. Doch gut gemeint kann oft ziemlich schief gehen – und nur weil Frauen über 30 sind, heißt das noch lange nicht, dass jeder und jede eine Meinung zu ihrem Uterus haben muss. Schließlich und endlich hat das nämlich vor allem mit Respekt zu tun – Respekt vor der Privatsphäre und Respekt vor dem persönlichen Lebensweg. Denn Druck auf Frauen hat weder beim Thema Kinderkriegen noch sonst irgendwo etwas verloren. Wir wissen schließlich alle, dass Frausein auf dieser Welt ohnehin kein Zuckerschlecken ist.  

 

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Kommentare

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1 Kommentare
blumentopf23
27.03.2018 12:13

Danke für diesen Artikel!

Er spricht mir aus der Seele und beschreibt ziemlich gut, wie ich mich fühle.
Zwar im Sinne von - wir hätten gerne eines - es hat nur leider bis jetzt noch nicht geklappt.
Dennoch nervt die ständige Fragerei, wann es denn endlich so weit ist - mittlerweile ziemlich und macht mich zum Teil richtig wütend oder oft auch richtig traurig, weil man sich eh selbst genug "Vorwürfe" macht, warum die - anscheinend - einfachste Sache der Welt bei einem selbst nicht klappen will.
Da braucht man nicht auch noch ständig von außen wen, der in diese Wunde sticht.