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Kommentar : Hey Politikerinnen, seid einfach still!

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Und dann also auch noch die ÖVP-Frauenchefin von Niederösterreich. Nach der Frauenministerin kommen immer mehr "nein danke" zum Frauenvolksbegehren. Warum eigentlich? Weil diese Politikerinnen eben genau wissen, wie man Stimmungsmache betreibt. Echt entbehrlich.

WIENERIN Chefredakteurin Barbara Haas

JetztBarbara Haas(Wienerin)

Ich kenne Petra Bohuslav schon ziemlich lange. Und die ÖVP-Landesrätin sowie Chefin der ÖVP-Frauen in Niederösterreich ist an sich echt eine coole Frau. Eine, die sich im ÖVP-Macholand, das es unter Erwin Pröll wirklich war, super positioniert hat. Ein paar wenige Unterstützerinnen hatte sie im Laufe ihrer Karriere, aber eigentlich weiß die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin selbst am allerbesten, wie hart es ist, wenn man jede Hürde selbst nehmen muss und sich immer nur auf sich selbst verlassen kann, während andere gut funktionierende Seilschaften rundherum stets männlich sind und waren.

Grundsätzlich schon unterstützen, aber...

Warum also will sie das Frauenvolksbegehren nicht unterschreiben? Gerade hat sie über ihren Pressedienst an die heimischen JournalistInnen ausschicken lassen, dass sie die Forderungen für überzogen halte und dass sie "über das ursprüngliche Ziel hinaus geschossen" sind. Im Untertitel zur PA steht: "Wir Niederösterreicherinnen unterstützen grundsätzlich Maßnahmen zur Verbesserung für Frauen, einige Punkte machen ein Unterschreiben unmöglich."

Soso, die Niederösterreicherinnen also, die denken so. Alle zusammen. Interessant.

 

Nach der Absage der ÖVP-Frauenministerin (!) sowie aller anderen weiblichen Regierungsmitglieder (FPÖ und ÖVP) kommt nun also auch Bohuslav mit einem "Nein" um die Ecke. Warum machen das all diese Frauen, diese Politikerinnen, die grundsätzlich natürlich sicher gerne solidarisch gewesen wären? Weil da etwas von einer 30-Stunden-Arbeitswoche steht und weil man sicher nicht eine 50-Prozent-Frauenquote einführen könne? Scheint so.

Wenn ja, warum teilen sie uns das alle mit? Von Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) bis eben jetzt Petra Bohuslav? Weil sie persönlich es eh nicht mehr brauchen? Möglich. Sie haben schon studiert, haben einen tollen Job, sind finanziell unabhängig und in einer Führungsposition. 

 

Die haben es eh schon geschafft, super

Aber sie sind hier keine Privatpersonen. Sie alle treten als Rolemodel auf, als Autorität und genau das wissen sie auch. Sie haben das (Steuer-)Geld für PR und die benützen sie auch. Machen Stimmung, sind Vorbild, sind solidarisch mit dem bestehenden System, in dem sie selbst es zwar (tollerweise, Gratulation!) geschafft haben, aber der Großteil aller Frauen eben ein unabhängiges Leben nicht auf die Reihe kriegt. Warum? Weil etwa die Hälfte der Kindergärten in Niederösterreich vor 16 Uhr seine Tore schließt, weil diese Art von "Kinderbetreuung" sich direkt auf die Teilzeitquote der Frauen in NÖ auswirkt - und die liegt bei 40 Prozent.

 

Dafür werdet ihr arm, wenn ihr alt seid

Wenn Petra Bohuslav in ihrer Aussendung schreibt: „In Niederösterreich wird Kinderbetreuung bedarfsgerecht ausgebaut. Wir werden in NÖ auch weiterhin dort unsere Angebote ausbauen, wo Familien sie brauchen“, dann lachen echt die Hühner. Familien gehen nicht auf die Straße, sondern sie lernen mit politischen Rahmenbedingungen umzugehen. Auch, wenn das bedeutet, dass ihr Leben und hier besonders das der Frauen weniger autonom wird. Sie dafür im Gegenzug enorm große Chancen haben, später mal verdammt arm zu werden.

 

Gerade hat das Aus für den Gratiskindergarten in Oberösterreich bilderbuchhaft gezeigt, was passiert, wenn die Politik etwas ändert. "So wie in vielen andere Gemeinden hat die Gebührenverordnung auch bei uns zu vielen Abmeldungen geführt. Bisher waren es 48 Kinder in der Nachmittagsbetreuung, 16 wurden abgemeldet, jetzt sind es 32 Kinder, ein Drittel weniger", beschreibt die Vizebürgermeisterin in Ebensee, Franziska Zohner-Kienesberger. Familien, Frauen ziehen sich zurück, gehen aus dem Arbeitsprozess raus, nehmen wieder klassische Rollen ein. Nicht freiwillig, sondern normalerweise aus finanziellen Gründen.

 

Das Frauenvolksbegehren wird also von den politisch mächtigsten Frauen in Österreich nicht unterschrieben. Und das ganze Land weiß es, weil diese Frauen ihre Ablehnung über alle möglichen Kanäle mitteilen während die Frauenvolksbegehren-Initiatorinnen wenig Geld haben, also nicht so viel rausposaunen können.

 

Das ist keine Gesetzesvorlage

Dabei wäre es so simpel, das Volksbegehren doch und auch wenn man nicht alle Forderungen zu 100 Prozent toll findet, zu unterschreiben (das könnten auch skeptische Politikerinnen). Das hier ist nämlich keine Gesetzesvorlage, die man per Unterschrift in Kraft setzt. Es ist lediglich der Versuch - 20 Jahre nach dem ersten Volksbegehren - dasselbe Thema in Österreich neuerlich zu diskutieren. Zur Erinnerung: Von den elf Forderungen wurden beim Begehren 1997 erst zwei umgesetzt. Die von Bohuslav gewitterte Gefahr, dass man "über das Ziel hinausschieße", ist also realistisch gesehen doch eher gering.

 

Das Ziel ist nämlich ganz schlicht, Frauen zu kräftigen. Das Ziel ist, Frauen sichtbarer zu machen. Das bedingt Führungsjobs, bedingt Frauen, die in diesen Jobs Entscheidungen treffen, bedingt Familienpolitik und Kinderbetreuung, die Frauen nicht immer nur als Gratisarbeitskraft sieht. Und das alles soll mit dieser Unterschrift unterstützt werden. Dass die politischen Spitzenkräfte unter den Frauen gerade das alles sabotieren, bedeutet, dass sich am jetzigen System nichts ändern soll und dass nicht noch einmal breiter darüber gesprochen werden soll.

Toll, oder? Dieses "Empowerment" können sich die erfolgreichen ÖVP-Frontfrauen echt behalten.

 

Kommentare

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9 Kommentare
Gast: nothingelsematters
16.02.2018 11:38

Frauenvolksbegehren

zu: einige Punkte machen ein Unterschreiben unmöglich!
Stimmt, weil so realitätsfern wie manche Punkte sind, ist es schon fast gefährlich, hier zu unterschreiben, leben denn nur mehr Träumer in dieser Welt, die alles kostenfrei und umsonst haben wollen, 30 h arbeiten gehen,...?

Gast: Gisi peutlberger Naderer
16.02.2018 05:27

ÖVP Politikerinnen sind unterdrückt

Wir werden ein erfolgreiches Volksbegehren durchführen und zeigen wie falsch diese rechtsgerichtete Politik ist. ÖVP und FPÖ Politikerinnen haben, obwohl sie Frauen sind
dieses Weltbild- nur wenige können an die Macht, an gutes Einkommen, an ein gutes Leben!
Und ich behaupte: Sie sind von der eigenen Partei unterdrückt!

Gast: pinguin
15.02.2018 22:07

Diese Frauen stellen ihr Ego in den Dienst der Männer

Vielen Dank für diese klaren Worte. Es gibt kaum etwas hinzuzufügen, außer dass die größten Feinde der Frauen oft andere Frauen sind. Gleichzeitig wird durch diese Frauen die männliche Haltung "es ist doch eh alles im grünen Bereich, was wollen diese Frauen eigentlich?" massiv gestärkt und verstärkt wird und der ganzen Aktion von vornherein ein Mantel umgehängt ist, dass es sich dabei um ein "paar spinnerte Emanzen" handelt, die man am besten nicht ernst nimmt und durch Ignoranz straft, bzw. ihnen dadurch ihren Platz im System zeigt. Von einer rechtskonservativen Regierung war auch nichts anderes zu erwarten.

Gast: Viktoria Stuppner
15.02.2018 13:54

Danke

Liebe Frau Haas, herzlichen Dank für diesen entwaffnenden Artikel. Ihre Viktoria Stuppner

Gast: Indrid Cold
15.02.2018 13:00

Warum ...

... ÖVP-Politikerinnen das Volksbegehren nicht unterstützen? Nun ja: Weil sie ÖVP-Politikerinnen sind.

Und diese Partei verhindert gesellschaftlichen Fortschritt seit mindestens 30 Jahren!

Gast: Renate Macha
15.02.2018 12:16

Grünen- Volksbegehren

Ich gehöre zu der Generation wo man für den Kindergarten noch voll zahlen musste, für das Studium ebenfalls und verstehe daher diese Forderungen absolut nicht. Genauso die 30 Stunden Woche und 50% Frauenquote, alles unsinnige Forderungen. Ich habe nie eine Frauenquote benötigt und bin der Meinung der oder die Beste soll den Job bekommen.
Heute gibt es alles umsonst, Eigenverantwortung ist ein Fremdwort und der Staat, also die arbeitende Bevölkerung zahlt. Da wir noch nicht in einem arabischen Land sind , ist die Familienplanung noch in erster Linie in Frauenhand.

Antworten Gast: SachenMacher
15.02.2018 18:29

Re: Grünen- Volksbegehren

Über Quotenfrauen mag man streiten können, über einzelne Pukte in dem Volksbegehren auch. Aber insgesamt abzulehnen, dass berufliches Fortkommen, Gerechtigkeit in der Entlohnung, Kinderbetreuung (und Studium, weil Sie es schon ansprechen), nur weil es früher teuer war, wenigstens heute für weniger Begüterte erleichtert wird - "Uns ist es auch nicht so gut gegangen, warum soll es denen, die nach uns kommen, besser gehen?" - das ist ganz schön eng und armselig.

marhau
15.02.2018 10:27

warum

diese "Damen" nicht unterschreiben? Ganz einfach! Weil sie ihre Schäfchen schon im Trockenen haben und was mit den restlichen Frauen passiert ihnen eigentlich am Popo vorbeigeht!

Antworten Gast: Macha
15.02.2018 16:02

Re: warum

Ja dann müssen sie halt auch schauen ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Schon was gehört von Eigenverantwortung und nicht jammern und für alles den Staat, bzw. Steuerzahler zu brauchen. Das Leben selbst gestalten wäre ein guter Ratschlag von mir, habe es vor 50 Jahren auch alles selbst auf die Reihe gebracht ohne jede Unterstützung.
da gab es noch keinen Kindergarten kostenlos usw....