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Kolumne : Standpunkte? Zebrastreifen!

von

Olivia Peter ist passionierte Autofahrerin. Und hat im kalten Winter-Wien so ihre liebe Not mit ihrem natürlichen Feind: Fußgängern auf dem Zebrastreifen.

Olivia Peter Kolumne WIENERIN

JetztOlivia Peter(Wienerin)

Ich weiß nicht, ob Sie so wie ich zum fahrenden Volk gehören. Falls ja, kennen Sie diese Szenen. Falls nein, kennen Sie diese Szenen auch. Nur aus der anderen Perspektive. Was am Ende bleibt? Unverständnis auf beiden Seiten.

Es ist kalt. Wien kalt. Das Wien-Kalt ist anders als z.B. das Tirol-Kalt. In Tirol ist es kalt. Erledigt. In Wien ist es kalt mit Wind. Und Dreck. Und Gatsch. Es ist, wie wenn du einen Döner bestellst und sagst: „Mit allem außer scharf“.  Wien ist der Dönerverkäufer, der dir trotzdem alles reinmacht. Beim Verlassen des Hauses, schmiege ich mich also dichter an die Hausmauern als ich das für gewöhnlich bei meinem Freund mache.  Steige tiefgefroren wie ein Fischstäbchen ins Auto. Motor an. Heizung an. Für eine Sekunde ist alles ist gut.

 

Noch schlimmer die „Mein Zebrastreifen ist überall“-Typen. Sie machen mich wahnsinnig!

 

Bis zum ersten Zebrastreifen. Da steht eine junge Frau. Handy in der Hand. Kind nicht an der Hand. Ich bremse. Bleibe stehen. Warte. Werde ignoriert. Heast, willst jetzt drüber oder nicht? Ich fuchtle. Das Kind fuchtelt auch. Die Mutter fuchtelt nicht, sondern dreht sich weg. Na dann nicht. Ich fahre weiter. Ärgere mich. Es will einfach nicht in meinen Kopf: Liebe Zebrastreifen-Wartenden, es gibt so viele schöne Plätze, an denen man warten kann. Parkbänke. Hausecken. Bushaltestellen. Warum nur, muss es ausgerechnet der Zebrastreifen sein?

 

Noch schlimmer die „Mein Zebrastreifen ist überall“-Typen. Sie machen mich wahnsinnig! Mit einem Selbstbewusstsein queren sie Straßen, als sei es ihr Grundrecht. Nicht Mal nach links und rechts wird geschaut. Zügig gehen? Noch nie gehört. Sie latschen einfach drüber, wo es ihnen passt und denken, sie seien damit völlig im Recht. Ich möchte hiermit festhalten: Seid ihr nicht!

 

Selbstverständlich steht auch beim nächsten Zebrastreifen ein Mensch. Ein alter Mensch. Mit Hut. Und Stock. Sehr erfroren. Sehr bereit wirkend für den Gang über die Straße. Trotz meiner vorherigen Erfahrung halte ich an. Es folgt eine Slapstick-Darstellung, die selbst Charly Chaplin beeindruckt hätte. Ich deute, er soll gehen. Er deutet, ich soll fahren. Ich deute wieder: Passt schon. Er deutet wieder: Passt schon. Ich deute: Ich hab keine Eile. Er deutet auch irgendwas. Und gerade als ich losfahren will, setzt er waghalsig den ersten Zebraschritt. Den Stock hält er dabei waagrecht gegen mein Auto, als sei ich ein durchgedrehter Zuchtbulle, der jetzt nach der Zähmung doch noch durchdreht und angast. Ich muss nicht erwähnen, dass sein Verständnis von langsam und mein Verständnis von langsam so weit auseinanderdriften wie Nord- und Südpol.

 

Als er die andere Straßenseite erreicht, fahre ich weiter und ärgere mich noch ein wenig. Ich meine, da bleibe ich extra stehen und dann tut der mit seinem - für die gesamte Dauer der Querung - erhobenen Stock noch so, als sei ich ein Autorowdy. Aber als ich in den Rückspiegel schaue, schäme ich mich: Denn auf der anderen Seite steht der Mann. Mit gelüpftem Hut und winkt mir nach. Chapeau, Olivia, Chapeau.

 

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