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Kolumne: Hebamme ohne Grenzen: Die unverblümte Wahrheit über das "Nach Hause kommen"

von

Zwei Wochen ist Christina noch in Tansania, bevor sie nach Wien zurückkehrt. Und eine Antwort auf die Frage "Freust dich schon auf daheim?" fällt der jungen Hebamme alles andere als leicht.

Hebamme ohne Grenzen - Kolumne WIENERIN

JetztChristina Elisabeth Piller(Wienerin)

Anfang Oktober ist die junge Hebamme Christina Piller nach Tansania aufgebrochen, um beim Projekt Africa Amini Alama mitzuarbeiten. In ihrem Tagebuch für die WIENERIN erzählt sie von ihrem Leben vor Ort.

"Freust du dich schon auf daheim?" oder "Wie sagt man diplomatisch 'nein'?"

Nur noch knapp zwei Wochen bleiben mir von meinem dreimonatigen Aufenthalt als Hebamme in Tansania. Und rund um mich herum beginnen Leute zu fragen, ob ich mich denn schon auf zuhause freue. Aber wie sagt man ganz diplomatisch "Nein"?!
Nein, ich freue mich nicht, denn hier ist es sonnig und warm, in Wien hingegen ist es grau und kalt. Nein, hier lebt man den afrikanischen „polepole“ stressfreien Lifestyle und zu Hause gilt Stress als Statussymbol. Nein, denn hier hat man das Gefühl gebraucht zu werden und etwas zu bewirken und daheim ist man eine von vielen.

Aber natürlich freue ich mich auf Familie und Freunde, Lebkuchen und mal wieder mit langvertrauten Menschen wirklich zu reden. Man schreibt Nachrichten auf WhatsApp, Emails, Postkarten oder telefoniert selten mal nach Hause, aber egal wie lang diese Nachrichten oder Telefonate auch sind, man kann niemals alles erzählen. Ich hab's schon lange aufgegeben und merke, wie ich den Leuten immer und immer wieder die gleichen Antworten gebe. "Ja, alles gut." "Nein, es gibt nichts Neues." 

Wie verbindet man das alte und das neue Zuhause?

Alles nur Halbwahrheiten, gut geht’s mir, aber es gibt so viel Neues! Der Alltag im Projekt ist schon routiniert, aber alles andere ist täglich neu und gefangen in einer Blase, die von außen nicht durchschaubar ist. Und irgendwie hab' ich Angst davor, heimzukommen und zu merken, wie viel ich erlebt und mich in diesen drei Monaten verändert habe und daheim ist alles gleich und keiner kann mich und meine "neuen" Eigenschaften mehr nachvollziehen.

Den Stolz, dass Klinikangestellte jetzt klopfen, bevor sie den Kreißsaal betreten; das sichere Gefühl in der Nacht, das nur von einem Moskitonetz gegeben werden kann; über das praktische Leben ohne Kühlschrank, Waschmaschine und Ofen; dass ich pro Woche mindestens zwei Bücher lese und spätestens um 21 Uhr ins Bett gehe; über die spontane Besteigung des Mount Kilimanjaro und den Muskelkater danach; die neuen Freunde, die sonst keiner kennt; über Freitags-Markt-Besuche, wo ich auf Kiswahili sagen kann, was ich will (und die Menschen mich auch verstehen); über das Kinderlachen, das ansteckender ist als jede Infektionskrankheit, und ihre Blicke, wenn ich im Englisch-Unterricht erzähle, dass es in Europa Gesetze gibt, die es verbieten, Kinder zu schlagen.

Christina Elisabeth Piller Hebamme ohne Grenzen

Das alles geht verloren zwischen den Zeilen von WhatsApp Nachrichten. Und genau das sind die wirklich wichtigen Dinge. Wichtige Kleinigkeiten, die den Alltag hier bereichern.

"Mama Alama": Ein weiteres Baby, dem ich in Tansania auf die Welt geholfen habe

Eine weitere wichtige und riesige Bereicherung ist das neue Projekt von Kerstin Jones (einer tollen, international zigeunernden Hebamme und daher sofortiges Role Model für mich) und mir. Passenderweise nennen wir dieses Projekt unser "Baby" und dieses Baby, dessen Name „Mama Alama“ sein wird, will ich Euch jetzt kurz vorstellen.

Wie ihr schon alle wisst, hatte Africa Amini Alama einen Kreißsaal, ja genau „nur“ einen. Dieser eine war auch bisher ausreichend, aber durch die gute Arbeit und die stets steigenden Geburtenzahlen (ca. 25 Geburten pro Monat, Tendenz stark steigend) haben wir jetzt einen zweiten Kreißsaal dazu bekommen und auch zusätzliche Betten in voneinander getrennten Zimmern, eines für schwangere Frauen und eines für schon entbundene Frauen. Außerdem hatten wir unsere aller-aller-erste private Geburt in der Klinik, Rebecca und ihr Mann Brian, zwei kenianische Künstler, haben ihre Tochter Reesa bei uns willkommen geheißen.

Christina Elisabeth Piller Hebamme ohne Grenzen

In Zukunft wird es sicher mehr private Geburten geben und daher wird die bereits bestehende Africa Amini Alama-Mutter-Kind-Einheit noch mehr ausgebaut. Sie bietet eine ganzheitlich medizinische Versorgung für Schwangere, Gebärende und Wöchnerinnen und deren Neugeborene von Nah und Fern. Wir ermöglichen regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft, kompetente Geburtsbegleitungen und Nachbetreuungen der Frauen.

Christina Elisabeth Piller Africa Amini Alama Mutter Kind Einheit

Für geburtshilfliche Notfälle steht uns jederzeit ein OP und das verantwortliche OP-Team zur Verfügung und für frühgeborene Kinder gibt es einen Inkubator. Außerdem bieten wir eine für die Frauen kostenlose medizinische Versorgung der Kinder bis zum fünften Lebensjahr, durch regelmäßige Gewichtskontrollen und Impfungen an.

Christina Elisabeth Piller Africa Amini Alama Mutter Kind Einheit

Zusätzlich profitieren die Frauen von unseren Aufklärungskursen zu gesundheitsspezifischen Themen, wie Familienplanung und Verhütung, Stillen, Ernährung von Mutter und Kind, Hygiene und Verhalten im Wochenbett. Die Frauen, unabhängig von ihrem sozialen und finanziellen Status, müssen ihre Kinder nicht mehr ohne kompetente und empathische Unterstützung gebären, sondern werden in unserer Einrichtung nach westlichen Standards betreut.

"Mama Alama" braucht Unterstützung

Um unser Baby auch in Zukunft zu finanzieren, setzen wir auf Spendengelder, um die Personalkosten des geburtshilflichen Teams, die laufenden Kosten für Material, Wäsche, Medikamente und Instandhaltung der Räumlichkeiten beziehungsweise der Ausrüstung zu decken. Mit 30 Euro können die Kosten einer normalen Geburt gedeckt werden und mit 80 Euro die eines Kaiserschnitts.

Wir haben unsere Spendenrubrik jetzt „Mama Alama – Mutter Kind Einrichtung“ genannt und durch eure finanzielle Unterstützung kann die Geburtshilfe von Africa Amini Alama auf dem bestehenden, hohen Niveau aufrechtgehalten werden.

Zu allen Infos über "Mama Alama - Mutter Kind Einrichtung".

 

WEITERLESEN: Hebamme ohne Grenzen - Auf nach Tansania!

WEITERLESEN: Hebamme ohne Grenzen - Erste Eindrücke

WEITERLESEN: Hebamme ohne Grenzen - Ich, die Weltverbesserin

 

Über die Kolumne

Neugier und Entschlossenheit halten sich bei Christina Piller die Waage. Die 26-jährige Wienerin hat eben ihr Hebammenstudium abgeschlossen und sich von der Idee, in Tansania beim Projekt "Africa Amini Alama" zu helfen und selbst was dabei zu lernen, anstecken lassen. Doch nur Wissen auszutauschen, reicht ihr nicht, Christina will auch was verändern.
Die WIENERIN findet so viel Engagement toll und hat Christina eingeladen, ihre Erlebnisse mit Frauen, Schwangeren und Babys in einem losen Online-Tagebuch mit unserer Community zu teilen.

https://www.facebook.com/chrstnpllr

https://www.instagram.com/chrstnpllr/

Kontakt: christina_piller@hotmail.com

www.africaaminialama.com

 

 

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