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Lehrerinnenkolumne: Wenn die Schülerin auf einmal ein Schüler ist

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Die Welt dreht sich: Tabus werden gebrochen, die Gesellschaft verändert sich. Und die Schulen müssen schauen, dass sie Schritt halten können. Denn noch ist es nicht selbstverständlich für sie, damit umzugehen, wenn aus einer Schülerin ein Schüler wird.

Transgender Umgang Schule

JetztUrsula Neubauer(Wienerin)

Es ist zu begrüßen, dass Menschen, die sich im falschen Geschlecht fühlen, und überlegen, wie sie damit umgehen, zusehends Gehör finden. Dass sie aussprechen können, wie es ihnen geht. Dass sie ernst genommen werden. Dass unsere Gesellschaft lernt (sie tut es langsam, aber doch), mit dem Thema Transgender umzugehen. Dass es inzwischen weniger Tabu ist, als es schon einmal war.

 

Hallo neue Welt!

 

Mit Transidentitäten im Alltag aber wirklich umzugehen, darauf sind nicht alle vorbereitet. Institutionen wie Schulen zum Beispiel eher weniger. Wenn die Schülerin nach dem Auslandssemester als Schüler zurückkommt und jetzt auch einen anderen Vornamen hat, dann stellt das die Schule vor neue Herausforderungen.

 

Und manche sind skeptisch. "Aha, ist Transgender jetzt modern geworden?", hörte ich unlängst jemanden sagen. Nein, ist es wohl nicht, eher werden Transidentitäten jetzt sichtbarer als früher. Auch in jungen Jahren. Und das ist gut so. Dass sich Schulen darauf einstellen müssen, ist klar. Und niemand möchte bitte noch einmal davon lesen, dass eine Schülerin der Schule verwiesen wird, nachdem die Eltern die Direktion über das Transgender-Sein ihrer Tochter informiert haben - so wie es heuer in einer Montessori-Schule in Brunn am Gebirge der Fall war.

 

Wünschenswert wäre, dass man die Schulen, SchulleiterInnen und LehrerInnen unterstützt, sie informiert, im Umgang mit diesem Thema schult. Dann ist ganz viel Unsicherheit weg und das würde allen gut tun. "Wir waren ziemlich auf uns alleine gestellt, als wir erfahren haben, dass eine Schülerin nach ihrem Auslandsaufenthalt jetzt als Schüler zurückkommt", erzählt eine Bekannte. "Zuerst ging es einfach um organisatorische Dinge, wie: Welche Toilette soll er jetzt benutzen? Mit wem soll er turnen? In welcher Umkleide soll er sich umziehen vor dem Turnunterricht? Das waren alles Fragen, mit denen wir schlicht und einfach davor noch nicht konfrontiert waren. Wir erleben da einfach viele Dinge und Situationen, die neu sind für uns. Das ist eine spannende Zeit."

 

Ja, auch Schulen werden sich darauf einstellen müssen, dass sich die Welt weiterdreht und Tabus gebrochen werden. Veränderungen sind eben manchmal herausfordernd - aber bestimmt für die Kinder, die Jugendlichen noch mehr als für die Schulen. Mögen sie alle entsprechend unterstützt werden!

 

Hey, Frau Fessa
Hey, Frau Fessa
WIENERIN-Autorin Ursula Neubauer hat selbst mal unterrichtet. Aber nur kurz. Der Lehrberuf war nix für sie. Das Thema Schule begleitet sie aber nach wie vor dank vieler Lehrerinnenfreundinnen. In dieser Kolumne schreibt sie über Erlebnisse zwischen Lehrer- und Nichtlehrermenschen und den ganz normalen Schulwahn(sinn).

Zu allen Beiträgen der "Hey, Frau Fessa"-Kolumnenreihe.

 

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