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Inter: Deutschland bekommt ein drittes Geschlecht im Geburtenregister

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Das deutsche Bundesverfassungsgericht fordert ein drittes Geschlecht im Geburtenregister.

JetztRed.(Wienerin)

Vanja hat jahrelang dafür gekämpft, ein drittes Geschlecht als Eintrag im Geburtenregister in Deutschland einzuführen. Im August 2016 hatte der Bundesgerichtshof das abgelehnt. Doch das deutsche Bundesverfassungsgericht hat jetzt ein historisches Urteil gefällt: das dritte Geschlecht soll ins Geburtenregister eingetragen werden können, wie deutsche Medien berichten.  

Zur Begründung verwies das Gericht auf das im Grundgesetz geschützte Persönlichkeitsrecht. Der Gesetzgeber muss nun bis Ende 2018 eine Neuregelung schaffen, in die als drittes Geschlecht neben "männlich" und "weiblich" noch etwa "inter", "divers" oder eine andere "positive Bezeichnung des Geschlechts" als die bisherige Leerstelle aufgenommen wird, so das Gericht. 

 

Was bedeutet inter*?

Manche Menschen werden mit intergeschlechtlichen Genitalien geboren oder besitzen Geschlechtsmerkmale (chromosomal, anatomisch und/oder hormonell), die nicht den „klassischen Idealen“ eines rein männlichen oder weiblichen Körpers entsprechen – sie sind Inter*. Intergeschlechtliche Menschen können sich aber unterschiedlich identifizieren, als Inter, Mann, Frau oder auch noch anders – ihre Körper, d.h. ihre Geschlechtsmerkmale entsprechen aber nicht der klassischen Vorstellung von ausschließlich männlichen oder weiblichen Normen.

 

"Historische Entscheidung zur Gleichbehandlung"

 

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts als "historische Entscheidung zur Gleichbehandlung intergeschlechtlicher Menschen" bezeichnet. "Die Karlsruher Richterinnen und Richter haben in ihrem Beschluss eindeutig klargestellt, dass der Schutz vor Diskriminierung wegen des Geschlechts nicht nur für Männer und Frauen gilt, sondern auch für Menschen, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zuordnen", sagte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders. "Für intergeschlechtliche Menschen ist das eine historische Entscheidung – und die Anerkennung ihres jahrzehntelanges Kampfes für Selbstbestimmung".

 

Bis zu 1,7% der Bevölkerung sind auf die eine oder andere Weise intergeschlechtlich (Quelle: Sexing the body, Dr. Anne Fausto-Sterling, 2000). Bei etwa 1 von 2000 Kindern wird die Intergeschlechtlichkeit bereits bei der Geburt festgestellt, andere erfahren davon erst später im Leben – oder auch gar nicht, so der Verein Intergeschlechtlicher Menschen Österreich auf seiner Homepage.

 

Auch in Österreich hatte Alex Jürgen, der seit Jahren offen als intergeschlechtliche Person lebt, beantragt, den Geschlechtseintrag im Personenstandsregister auf "inter", "anders", "X" oder eine ähnliche Bezeichnung zu berichtigen. Das oberösterreichische Landesverwaltungsgericht hat das vor einem Jahr abgelehnt. 

 

 

 

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